Rückzieher nach vier Jahren Daimler beendet Autoproduktion in Brasilien

Zum zweiten Mal steigt Daimler nach wenigen Jahren wieder aus der Autoproduktion in Brasilien aus. Das neue Mercedes-Werk kam zur Unzeit, als der vermeintliche Wachstumsmarkt gerade einbrach.
Mercedes-Benz GLA: Das Modell (hier in Rastatt) wird bislang auch im brasilianischen Iracemápolis gefertigt

Mercedes-Benz GLA: Das Modell (hier in Rastatt) wird bislang auch im brasilianischen Iracemápolis gefertigt

Foto: Uli Deck/ DPA

Der Autokonzern Daimler zieht die Konsequenz aus dem wirtschaftlichen Niedergang Brasiliens in den letzten Jahren und beendet die Produktion von Pkw der Stammmarke Mercedes-Benz in dem Land. Die schon länger schwierige wirtschaftliche Situation Brasiliens sei durch die Corona-Krise noch verschlimmert worden, was zu einem Rückgang der Verkaufszahlen von Oberklasse-Pkw geführt habe, teilten die Stuttgarter am Donnerstagabend mit. Im Zuge des laufenden Konzernumbaus und dem Streben nach einer bestmöglichen Kapazitätsauslastung sei daher entschieden worden, die Pkw-Produktion in Brasilien auslaufen zu lassen. Betroffen seien 370 Angestellte.

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. Bereits im Juli hatte manager magazin über die Sparpläne des Konzerns berichtet , Daimler-Chef Ola Källenius (51) würde die Produktion in Brasilien am liebsten dicht machen. "Da läuft aktuell nichts mehr, und das nicht nur wegen der Corona-Krise", sagte ein Finanzer. Die Entscheidung solle nur bis zum Jahresende verzögert werden, um "den Widerstand nicht zu früh zu schüren".

Dann äußerte sich noch der für Brasilien zuständige Daimler-Manager Philipp Schiemer in einem "Handelsblatt"-Interview  verhalten zum brasilianischen Markt. Ganz zieht sich Daimler allerdings nicht aus dem südamerikanischen Land zurück. Das Unternehmen wird dort weiterhin Lkw und Busteile produzieren.

Das neue Werk in Iracemápolis (Staat São Paulo) für die Produktion der Mercedes-Modelle C-Klasse und GLA war erst 2016 eröffnet worden - ausgerechnet auf dem Tiefpunkt des brasilianischen Automarkts. In jenem Jahr wurden weniger als 1,7 Millionen Pkw in Brasilien verkauft, halb so viele wie in den Spitzenjahren 2012 und 2013, als Brasilien vor Deutschland als viertgrößter Absatzmarkt der Branche rangierte. Wegen der hohen Importzölle entschieden sich die deutschen Premiumhersteller Daimler, BMW und Audi etwa zur gleichen Zeit, neue Werke ausschließlich für den riesigen und vermeintlich wachsenden Inlandsmarkt zu bauen. Seit dem Einbruch hat sich der Absatz jedoch kaum erholt. Im Corona-Jahr 2020 dürften in Brasilien erneut weniger als zwei Millionen Autos zugelassen werden. Kein Mercedes-Modell schafft es unter die Top 50 der Verkaufslisten.

Der Konzern hatte es bereits von 1999 bis 2005 mit der Produktion der A-Klasse im Land versucht. Das Management der Landesgesellschaft betonte zum neuen Versuch, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben.

ak/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.