Samstag, 20. April 2019

Studie: Mercedes-Autos schlucken 50 Prozent zu viel Sprit Tricksereien beim Benzinverbrauch werden immer rätselhafter

Trickser-Ranking: Die Autos dieser Hersteller schlucken vieeel mehr Sprit als angegeben
Daimler

Der Volkswagen-Abgasskandal wirft zunehmend ein Schlaglicht auf die offensichtlich ebenfalls geschönten Angaben der Autohersteller zum Spritverbrauch. Zahlreiche getestete Fahrzeuge verbrauchten inzwischen um die 50 Prozent mehr Sprit als offiziell angegeben, teilte die Umweltorganisation Transport and Environment (T&E) am Montag mit.

"Der Abstand zwischen offiziellen und tatsächlichen Angaben in vielen Fahrzeugen hat sich derart vergrößert, dass er nicht mehr mit den üblichen Faktoren erklärt werden kann", schreibt T&E. Beweise für eine "Defeat Device", also eine Manipulationssoftware in den Autos, habe sie nicht, betonte die Organisation.

Mit einer solchen Software hatte Volkswagen Börsen-Chart zeigen die Abgaswerte bei Millionen Fahrzeugen manipuliert. Während die Filtersysteme auf dem Prüfstand tadellos funktionierten, schalteten sie sich auf der Straße ab. In dem konkreten Fall ging es um die Emissionen gesundheitsschädlicher Stickoxide.

Autofahrer zahlen 450 Euro im Jahr drauf

Beim Spritverbrauch monieren Beobachter seit Jahren, dass die angegebenen Werte unter realen Fahrbedingungen nicht eingehalten werden. Im Schnitt liegen die auf der Straße erzielten Verbrauchswerte in Europa laut T&E inzwischen um 40 Prozent über dem Laborwert. Ein typischer Autofahrer zahlt demnach im Jahr 450 Euro mehr für Sprit als wenn die Autos so viel Sprit wie versprochen verbrauchen würden.

Am schlechtesten schneiden im aktuellen Test drei Mercedes-Modelle ab. Sowohl bei der E-Klasse, der A-Klasse und der C-Klasse liegt der Verbrauch um mehr als 50 Prozent über den offiziellen Angaben.

Dahinter folgen die Modelle BMW-5er und Peugeot 308 mit etwas weniger als 50 Prozent Überschreitung. Sämtliche genannten Hersteller haben in den vergangenen Tagen betont, dass ihre Fahrzeuge nicht mit einer "Defeat Device" manipuliert seien.

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Ein Daimler-Sprecher teilte manager-magazin.de mit, die Herstellerangaben zum Kraftstoffverbrauch beruhten auf dem gesetzlich vorgeschriebenen Testzyklus. "Da die Bedingungen im realen Fahrbetrieb in der Regel nicht denen im Labor entsprechen, können auch die Verbrauchswerte von den Normwerten abweichen." Die Studie von T&E könne "nicht seriös bewertet werden", da die Organisation in ihrer Studie die Testbedingungen nicht publiziere.

Bezogen auf die gesamte Flotte, schneidet Mercedes ebenfalls am schlechtesten ab. Am geringsten ist die Diskrepanz zwischen offiziellem und tatsächlichem Verbrauch demnach bei Toyota.

T&E fordert die Politik derweil zum Handeln auf. "Die Regierungen in der EU müssen untersuchen, ob Manipulationssoftware in Benzinautos eingesetzt wird, um den CO2-Ausstoß zu schönen."

T&E ist ein Zusammenschluss europäischer und internationaler Umweltverbände. Unter anderem zählen der World Wildlife Fund (WWF) und der Verkehrsclub Deutschland zu den Unterstützern. T&E arbeitet eng mit der Europäischen Kommission zusammen.

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