Branchen-Hypes egal Warum Mazda auf autonome und elektrische Autos pfeift

Mazda-Chef Masamichi Kogai in einem Mazda Cosmo Sport

Mazda-Chef Masamichi Kogai in einem Mazda Cosmo Sport

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Auf Automessen präsentieren sich Topmanager mehr denn je als coole Visionäre. Die Krawatte häufig abgelegt, überschlagen sich Dieter Zetsche (Daimler), Matthias Müller (Volkswagen) oder Harald Krüger (BMW) mit steilen Prognosen darüber, ab wann ihre Wagen völlig selbstständig fahren und nur noch gänzlich abgasfrei.

Diese Botschaft unterstützt meist ein nebenstehender klinisch-futuristischer Prototyp, der ganz sicher innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre in Serie gehe. Oft leuchten diese Werkstücke bläulich und tragen Initialen wie "EQ" (Mercedes) oder "I.D." (VW), worin sich nicht zuletzt die unternehmenseigene, vorausschauende Intelligenz manifestiert.

Der japanische Autobauer Mazda hat für derartige Inszenierungen auffallend wenig übrig. Zwar pflegt das Unternehmen durchaus ein sportlich-hedonistisches Image. Doch gleichzeitig setzt sich die weltweite Nummer 16 seit Jahren bewusst vom Mainstream ab, der inzwischen permanent Disruption wittert - vor allem aus dem Silicon Valley.

"Es gibt von unseren Kunden einfach keinen Druck, Autos mit alternativen Antrieben zu bauen", sagte Mazdas Frankreich-Statthalter Philippe Geffroy nun laut einem Bericht des kanadischen Fernsehsenders CTV News . Sowohl in den USA als auch in Europa sei es entweder eine sehr reiche Minderheit, die sich für derartige Fahrzeuge interessiere - oder es handele sich um Firmen, die ihr Öko-Selbstbild zu pflegen suchten.

Bisher geht die Strategie auf

Sein Unternehmen konzentriere sich auf klassische Autos mit Verbrennungsmotor, sagte Geffroy. Diese könnten noch deutlich effizienter werden und hätten noch eine lang währende, rosige Zukunft. Tatsächlich schneiden Mazda-Modelle zum Beispiel in den USA sehr gut bei offiziellen Verbrauchstests ab.

Mazda fährt bisher sehr gut mit der Strategie. Zuletzt (2015/16) verbuchte das Unternehmen erneut einen operativen Rekordgewinn von umgerechnet 1,71 Milliarden Euro. Der Umsatz schnellte um 12 Prozent auf 25,61 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite lag bei 6,7 Prozent - für einen Massenhersteller respektabel.

Skeptisch zeigt sich der Mazda-Manager dem Bericht zufolge auch mit Blick auf autonomes Fahren, Carsharing und neue Mobilitätsdienste wie Uber. Es bestehe die Gefahr, dass Produkte auf den Markt kämen, bevor sie reif dafür seien. Und überhaupt: "Selbst zu fahren kann Stress abbauen und das Gehirn anregen", sagte Mazda-Chef Masamichi Kogai im vergangenen Herbst der "Financial Times".

Ein möglicher Grund für Mazdas Positionierung als Nachzügler: Als vergleichsweise kleiner Hersteller hat Mazda bei weitem nicht die Mittel für Forschung wie große Hersteller. "Wir sind nicht Toyota  , Nissan  oder Volkswagen  , die alles abdecken müssen", sagte Kogai.

Mazdas etwas skurrile Liebe zum Wankelmotor

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Diese Unternehmen stecken Milliarden in die Entwicklung von Wasserstoff- oder Batterieautos sowie autonome Fahrzeuge. Modelle wie der Buzz (VW), der Mirai (Toyota) und der Leaf (Nissan) weisen zwar in die Zukunft, dürften sich zumindest in der Anfangsphase als Zuschussgeschäft erweisen.

Gutes Geld lässt sich dagegen nach wie vor mit klassischen Autos verdienen: Der Absatz steigt Jahr um Jahr - und wenn mal nicht in Europa oder den USA, dann doch wenigstens in Asien. Noch sind Investitionen in neue, klassische Modellreihen eine ziemlich sichere Wette - anders als solche in Technologien, die den Automarkt möglicherweise in zehn, zwanzig Jahren dominieren.

Auch die jahrzehntelange, skurril anmutende Vorliebe der Japaner für den Wankel-Motor stärkt Mazdas etwas hinterwäldlerisches Image. Das ursprünglich aus Deutschland stammende Aggregat mit rotierendem Kolben galt vor 50 Jahren als extrem fortschrittlich, brachte Mazda in den 70er-Jahren allerdings an den Rand des Ruins. Damals brach die Nachfrage nach diesen Autos plötzlich ein. Dieses Fiasko mit innovativer aber ökonomisch riskanter Technik wirkt womöglich bis heute nach in Hiroshima, wo Mazda seinen Hauptsitz hat.

"Brumm-Brumm" statt "Zoom-Zoom"

So schlüpft Mazda womöglich auch aus der Not heraus in die Rolle des Auto-Traditionalisten. Der gefühlige Claim zu diesem Markenkern lautete lange "Zoom-Zoom". Der stand für pure Fahrfreude - und hätte konsequenterweise auch "Brumm-Brumm" heißen können, da Elektroautos nicht zur Modellpalette gehören.

Doch auch wenn Mazda die Retro-Masche geschickt kommuniziert - auf mittlere Sicht wird der Hersteller wohl nicht um Elektroautos und Fahrzeuge mit autonomen Eigenschaften herumkommen. Auf Druck der kalifornischen Umweltbehörde könnte 2019 eine Art Quoten-E-Auto auf den US-Markt kommen.

Schon länger ist eine Partnerschaft mit Toyota bekannt, deren vollständiger Inhalt allerdings noch nicht. Toyota hatte zuletzt seine jahrelange Skepsis gegenüber batterieelektrischen Fahrzeugen deutlich revidiert und eigene derartige Autos angekündigt. Gut möglich, dass sich Mazda vom weltweit zweitgrößten Autobauer in die Zukunft mitziehen lässt.