Sonntag, 31. Mai 2020

Nach Scania-Komplettübernahme VW schmiedet Getriebe-Allianz bei Lkw

Unter einem Dach: Lkw-Hersteller Scania und MAN

Nach der Scania-Komplettübernahme kann VW durchregieren: Konzernkreisen zufolge haben die Schweden und MAN eine Zusammenarbeit bei Getrieben vereinbart, mit deren Hilfe VW Milliarden einsparen will.

Södertälje/München - Volkswagen fährt erste Erfolge aus der im Sommer geglückten Komplettübernahme seiner schwedischen Nutzfahrzeugtochter Scania Börsen-Chart zeigen ein. Die Schweden und die zweite Lkw-Tochter unter VW-Dach, MAN Börsen-Chart zeigen aus München, haben eine Zusammenarbeit bei Getrieben besiegelt. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa in Hannover aus Kreisen der Nutzfahrzeugsparte.

Die teuren Herzstücke der Fahrzeuge sind ein erheblicher finanzieller Hebel. Über die genaue Einsparsumme der Kooperation, die ab 2016 greifen soll, war jedoch zunächst nichts bekannt. Es handele sich aber um das zentrale Vorzeigeprojekt der aktuellen Bemühungen für die bessere Verzahnung der Partner, berichteten die Kreise. Scania und MAN wollen den Plan Anfang der Woche auf der Messe IAA vorstellen.

Volkswagen Börsen-Chart zeigen hatte Scania im Sommer für fast sieben Milliarden Euro komplett geschluckt. Zuvor waren gemeinsame Sparbemühungen an mehreren Punkten unmöglich. Das lag einerseits an rechtlichen Hürden, wonach sich die beiden Nutzfahrzeugspezialisten trotz der Allianz im selben Konzern keine Freundschaftspreise machen durften. Andererseits fehlte den Wolfsburgern schlicht der volle Durchgriff auf die Schweden, der mit dem Herauskaufen der restlichen Minderheitsaktionäre nun möglich ist.

Die größte Lkw-Getriebekompetenz im VW-Konzern liegt bei Scania. MAN setzt bisher bei den Getrieben auch auf Zulieferer.

Die Wolfsburger wollen eine schlagkräftige Allianz aus ihren drei Nutzfahrzeugmarken formen: Neben MAN und Scania gehören dazu auch die VW-Nutzfahrzeuge (VWN). Die Zusammenarbeit der drei Partner soll laut Plan schon bis Ende des Jahres zu rund 200 Millionen Euro an Einsparungen führen.

Laut VW war es bislang "nicht möglich, das volle Potenzial einer engeren operativen Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Scania sowie zwischen MAN und Scania zu realisieren". Doch mit dem vollständigen Durchgriff auf Scania traut sich VW nun weitere Einsparungen von jährlich mindestens 650 Millionen Euro zu. Dieses Ziel soll aber erst in den nächsten 10 bis 15 Jahren erreicht sein.

Dazu sollen Forschung und Entwicklung noch stärker Hand in Hand betrieben sowie der gemeinsame Einkauf zu niedrigeren Preisen vorangetrieben werden. Ein anderer Hebel sind Kooperationen wie die bei den Getrieben. Dass sich der Großteil der möglichen Effekte bei den Nutzfahrzeugen erst Mitte oder Ende des nächsten Jahrzehnts auswirken würde, liegt unter anderem an den langen Modellzyklen von Lastwagen und Bussen. Weil von den Modellen viel weniger Exemplare als von den meisten Pkw verkauft werden, müssen sie ihre hohen Entwicklungskosten über einen längeren Zeitraum wieder einspielen.

ts/dpa

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