Stellenabbau nach Mediation MAN-Vorstand und Betriebsrat begraben Kriegsbeil

Nach monatelangem harten Konflikt hat MAN-Chef Andreas Tostmann endlich eine Einigung mit dem Betriebsrat gefunden. Drei Mediatoren halfen dabei. Jetzt werden Jobs gestrichen, aber weniger als bisher geplant. Die Perspektive der Werke Plauen und Steyr bleibt unklar.
Zähe Verhandlungen: MAN-Chef Andreas Tostmann hat sich mit dem Betriebsrat eine erbitterte Fehde geliefert

Zähe Verhandlungen: MAN-Chef Andreas Tostmann hat sich mit dem Betriebsrat eine erbitterte Fehde geliefert

Foto: Lennart Preiss / MAN

Der angeschlagene Lkw-Hersteller MAN  hat seinen Streit mit dem Betriebsrat über den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen endlich beigelegt. Beide Seiten einigten sich nach Unternehmensangaben vom Dienstag auf ein Eckpunktepapier, das auf eine Ergebnisverbesserung bis zu 1,7 Milliarden Euro abziele.

Demzufolge sollen bis Ende 2022 rund 3500 Stellen in Deutschland gestrichen werden. Der Jobabbau fällt damit deutlich geringer aus als zunächst angekündigt: Traton-Chef Matthias Gründler (55) und MAN-Chef Andreas Trostmann (58) hatten ursprünglich 9500 der weltweit 36.000 Arbeitsplätze streichen wollen, davon etwa 5600 im Lkw-Werk München, im Dieselmotorenwerk Nürnberg und im Komponentenwerk Salzgitter.

Nun soll der Standort Wittlich in Rheinland-Pfalz verkleinert werden, dem Unternehmen aber erhalten bleiben. Die Werke im sächsischen Plauen mit rund 150 Beschäftigten sowie im österreichischen Steyr mit seinen rund 2200 Arbeitnehmern stünden zur Disposition, erklärte MAN weiter. MAN-Chef Tostmann und Traton-Lenker Gründler wollen die Fabrik verkaufen. "Hier prüft der Vorstand alle Optionen, inklusive der eines Verkaufs oder einer Schließung", heißt es in der Mitteilung weiter. Die Gespräche liefen noch. Als mögliche Käufer gelten unter anderem ein russisches Unternehmen und der österreichische Zulieferer Magna. Der frühere Magna-Chef Siegfried Wolf (63) sei als Vermittler involviert, berichten Insider. Wolf sitzt auch im Aufsichtsrat des Volkswagen-Großaktionärs Porsche SE.

Druck durch EU-Klimavorgaben

Unter dem Druck der EU-Klimavorgaben soll MAN völlig neu ausgerichtet und zu einem "führenden Nutzfahrzeughersteller im Bereich Elektro- und Wasserstoffantriebe" umgebaut werden. Das nun vereinbarte Eckpunktepapier sieht "eine Neuaufstellung des Entwicklungs- und Produktionsnetzwerks mit einem starken Fokus auf Zukunftstechnologien" vor.

Die Verhandlungen über die MAN-Sanierung hatten sich über Monate hingezogen und deutlich länger gedauert als erwartet. Die Beteiligten waren von einer Einigung spätestens im Dezember ausgegangen. Doch vor allem zwischen MAN-Chef Tostmann und dem Betriebsratsvorsitzenden Saki Stimoniaris (49) hatte es immer wieder gekracht. Der Betriebsrat hatte die ursprünglichen Pläne zum Stellenabbau als "Kahlschlag" bezeichnet und war vor Gericht gegangen. Der Vorstand hatte sie als "notwendige Restrukturierung" tituliert, um mit dem eingesparten Geld in alternative Antriebe und Digitalisierung investieren zu können.

Immer wieder ging es dabei auch um die immer noch nicht finale Schließung des MAN-Werks in Plauen. Der Volkswagen-Konzern als Mehrheitseigner des Truckbauers hat den gut 150 Beschäftigten dort frühzeitig einen Wechsel nach Zwickau angeboten. Dort baut VW die Elektromodelle ID.3 und ID.4.

Drei Mediatoren halfen zum erfolgreichen Abschluss

Ohne die Vermittlung eines Trios von Mediatoren wäre die Einigung auch jetzt nicht zustande gekommen, heißt es in München. Involviert gewesen seien IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner (52), der bei Volkswagen im Vorstand für die Trucks zuständige Gunnar Kilian (45) und Matthias Gründler als Vorsitzender der börsennotierten MAN-Mutter Traton.

MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris sagte nun zu der Einigung: "Kernpunkte des Papiers sind der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen an den deutschen Standorten, umfangreiche sozialverträgliche Maßnahmen und Perspektiven für alle Kolleginnen und Kollegen." Das Eckpunktepapier sichere die Zukunft der Arbeitsplätze und des Unternehmens: "Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in die einzelnen Standorte sind festgelegt."

MAN schwächelt schon seit Jahren. Die EU-Klimavorgabe, bei Lastwagen bis 2025 mindestens 15 Prozent und bis 2030 mindestens 30 Prozent weniger Kohlendioxid auszustoßen, erhöht den Druck. Dazu kommt die Corona-Krise.

mg/Reuters, dpa-afx