Fahrdienstvermittler Lyft muss in Fahrer investieren, Aktie stürzt ab

Arbeitskräfte sind derzeit rar in den USA, hohe Benzinkosten erschweren die Personalsuche für den Fahrdienstvermittler Lyft zusätzlich. Die Aktie bricht um mehr als ein Viertel ein. Und auch Uber präsentiert Quartalsverluste.
Fahrdienstvermittler wie Lyft oder Uber müssen ihren Fahrern jetzt mehr Anreize bieten, denn der Markt für Arbeitskräfte ist umkämpft

Fahrdienstvermittler wie Lyft oder Uber müssen ihren Fahrern jetzt mehr Anreize bieten, denn der Markt für Arbeitskräfte ist umkämpft

Foto: Mike Blake/ REUTERS

Der US-Fahrdienstvermittler Lyft hat Anleger mit einer schwachen Geschäftsprognose enttäuscht. Der Rivale von Uber, der am Mittwoch seine Zahlen vorlegen will, kündigte am Dienstag nach US-Börsenschluss eine Ausgabenoffensive an, um Fahrer anzuwerben. Das dürfte das Ergebnis im laufenden Quartal stark belasten. Die Aktie  stürzte daraufhin nachbörslich um mehr rund 27 Prozent auf 22,50 Dollar ab.

Dabei steigerte Lyft die Erlöse in den drei Monaten bis Ende März im Jahresvergleich um 44 Prozent auf 875,6 Millionen Dollar (831 Millionen Euro) und übertraf damit die Markterwartungen. Den Verlust konnte das Unternehmen im Quartal auf 196,9 Millionen Dollar mehr als halbieren. Vor einem Jahr hatte das Ergebnis stark unter der Corona-Pandemie gelitten.

Inzwischen hat sich das Geschäft erholt, doch Lyft tut sich schwer am US-Arbeitsmarkt. Das Angebot ist knapp, hohe Benzinkosten erschweren die Personalsuche zusätzlich. Lyft will nun wie der große Konkurrent Uber mit Bonusprogrammen und anderen Anreizen Fahrer anlocken. Das dürfte aber ins Geld gehen und das Quartalsergebnis drücken.

Der Fahrdienstvermittler meldete laut dem Nachrichtenportal des US-Senders CNBC  17,8 Millionen aktive Fahrer und verfehlte damit nur knapp die Schätzungen. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres hatte Lyft noch 18,73 Millionen aktive Fahrer gemeldet.

Uber steigert Erlöse kräftig – dennoch hoher Quartalsverlust

Der Taxi-Konkurrent Uber hat nach einem Umsatzsprung zu Jahresbeginn einen zuversichtlichen Geschäftsausblick abgegeben. Im ersten Quartal legten die Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 136 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro) zu, wie Uber am Mittwoch in San Francisco mitteilte. Das Hauptgeschäft mit Fahrdienstvermittlungen erholte sich weiter vom Einbruch in der Corona-Krise, während die Nachfrage nach den Liefer-Services um den Essensbringdienst Uber Eats hoch blieb.

Wertberichtigungen auf Investments wie Ubers Beteiligung am chinesischen Rivalen Didi rissen die Bilanz unter dem Strich dennoch mit enormen 5,9 Milliarden Dollar ins Minus. Beim bereinigten Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen gab es jedoch einen Gewinn von 168 Millionen Dollar nach tiefroten Zahlen vor einem Jahr. Für das laufende Quartal stellte Uber ein Ergebnis zwischen 240 Millionen und 270 Millionen Dollar in Aussicht. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten.

Trotzdem reagierten Anleger verhalten und ließen Ubers Aktien im vorbörslichen US-Handel zunächst weiter sinken. Der Kurs war bereits unter Druck geraten, nachdem der US-Konkurrent Lyft am Vorabend eine überraschend schwache Quartalsprognose abgegeben hatte. Beide Unternehmen sind angesichts des engen US-Arbeitsmarkts und hoher Benzinpreise mit steigenden Kosten und Ausgaben konfrontiert, um ausreichend Fahrer anzuwerben. Uber hatte eigentlich erst nach Börsenschluss Zahlen vorlegen wollen, zog sie dann jedoch vor.

rei/sio/dpa-afx