Mittwoch, 1. April 2020

Weltweiter Luxusautomarkt Deutschen Auto-Nobelmarken drohen härtere Zeiten

Geländewagen X3: BMW drängt mit sportlichen Geländewagen in allen Größen in den Markt - doch das große Wachstum könnten Konkurrenten für sich verbuchen

BMW, Audi und Mercedes haben Europas Autonachfragekrise dank starker Exporte kaum gespürt. Doch die goldene Ära der weltweiten deutschen Luxusauto-Dominanz könnte bald enden, meinen Experten. Im Konkurrenzkampf sind den großen drei ein paar Schnitzer unterlaufen.

Hamburg - Inmitten der Autokrise lief es lange gut für BMW, Audi und Mercedes : Vor allem dank starker Exporte sicherten sich die deutschen Premium-Hersteller hohe Profite, während um sie herum die Massen-Hersteller die Nachfrageschwäche zu spüren bekamen.

Doch die Vorherrschaft der großen drei, die nach Berechnungen der Beratungsfirma IHS im vergangenen Jahr fast 60 Prozent des weltweiten Marktes für Luxusautos beherrschten, könnte bald zu Ende gehen: In ihrem Kopf-an-Kopf-Rennen um Stückzahlen und Marktanteile haben sich die Firmen zu hohen Rabatten hinreißen lassen, mit denen sie ihre Marken schwächen und die Konkurrenz ermutigen.

Zwar melden die deutschen Nobelmarken weiter Höchststände bei den Auslieferungen. Doch der Gegenwind für die deutschen Nobelautohersteller wird langsam schärfer. Eine Reihe von neuen - oder neu belebten - Premiummarken tritt nun gegen die Platzhirsche an. Automarken wie Jaguar, Land Rover, aber auch Maserati oder Infiniti bieten zwar nicht die Modellbandbreite der Deutschen - doch das münzen sie teils geschickt zu ihrem Vorteil um.

Die deutschen Hersteller hätten einiges an Exklusivität verloren, weil sie in Marktsegmente wie die Kompaktklasse eingestiegen seien, sagt Branchenexperte und Berater Bernd Hönnighausen. Preisnachlässe hätten ein übriges getan: "Sie haben mit Flottenrabatten um die 20 Prozent die Stückzahlen nach oben getrieben - was neue Anbieter wie etwa Jaguar mit geeigneten Modellen auf den Plan rufen könnte".

Trifft Land Rover den Zeitgeist besser?

Viele eigentlich treue Kunden denken plötzlich über Alternativen nach, so auch Herbert Franz, der einen Ersatz für seinen BMW X3 gesucht und sich für einen Range Rover Evoque entschieden hat: "Dieses Fahrzeug trifft genau den Zeitgeist", sagt der Berliner PR-Manager. Wie die britischen Traditionsmarken Jaguar und Land Rover, die inzwischen zum indischen Tata-Konzern gehören, setzen auch die zu Fiat zählenden Hersteller Maserati und Alfa Romeo, Nissans Premiumtochter Infiniti und die vom chinesischen Geely-Konzern kontrollierte Marke Volvo eine Vielzahl von Neuentwicklungen gegen die großen drei.

Auch General Motors belebt seine einst so klangvolle Marke Cadillac mit Milliardeninvestitionen wieder. Statt schwammige Straßenriesen zu bauen, wollen die Amerikaner mit sportlicheren Limousinen punkten - die allerdings ziemlich wuchtig daherkommen. Denn von den Deutschen wollen sich die Amerikaner optisch klar unterscheiden.

Es gebe Spielraum für Modelle, die sich deutlich von der Konkurrenz abhöben, etwa durch provokantes Design, erklärt auch Nissan-Manager Andy Palmer, der der schon vor 25 Jahren gegründeten Marke Infiniti zum Durchbruch verhelfen soll. "Das gilt besonders für China", fügt er hinzu. Die Kunden dort seien bereit zum Wechsel, und vor allem die VW-Tochter Audi könne nur verlieren, weil sie in der Vergangenheit auf diesem Markt so dominant gewesen sei.

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