US-Firma Luminar Peter Thiel bringt Start-up für autonomes Fahren an die Börse

Das kalifornische Start-up Luminar entwickelt Sensor-Technik für selbstfahrende Autos. Nun platzieren es die Investoren über eine Zweckgesellschaft an der Nasdaq.
Seit Jahren umtriebiger Investor im Silicon Valley: Peter Thiel

Seit Jahren umtriebiger Investor im Silicon Valley: Peter Thiel

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Chip Somodevilla/ Getty Images

Der Technologieinvestor und Milliardär Peter Thiel (52) bringt das auf autonomes Fahren spezialisierte US-Startup Luminar an die Börse - und zwar über einen Umweg: Dazu fusioniert das Unternehmen in einem 3,4 Milliarden US-Dollar (2,9 Milliarden Euro) schweren Deal mit dem Investitionsvehikel Gores Metropoulos. 400 Millionen Dollar für den Deal kommen von der Gesellschaft Gores Metropoulos, die das Geld bei ihrem Börsengang im Februar von Anlegern eingesammelt hatte. Weitere 170 Millionen Dollar steuern Investoren wie Volvo und der Gründer des Action-Kamera-Herstellers GoPro, Nick Woodman (45), bei.

Der in Frankfurt geborene Thiel, der einst mit Max Levchin (45) und Elon Musk (49) die Plattform Paypal gründete und später als erster externer Investor bei Facebook eingestiegen war, drückt bei seinen Beteiligungen damit weiter mächtig aufs Tempo. Auch die verschwiegene Datenfirma Palantir , deren wichtigster Geldgeber und Gründer Thiel ist, strebt gerade an die Börse.

Mit Luminar versucht sich Thiel im Automobilgeschäft. Das 2012 gegründete Unternehmen hat unter der Führung von Unternehmenschef Austin Russell (25) die Kosten sogenannter Lidar-Sensoren deutlich gesenkt, mit deren Hilfe selbstfahrende Autos ihren Weg durch die reale Welt finden können. Lidar-Sensoren messen ähnlich wie ein Radarsystem Entfernungen zu Hindernissen und anderen Gegenständen in der Umgebung. Damit ermöglichen sie es den Steuerungssystemen der Autos, sich in komplexen Umgebungen zurechtzufinden.

Das Problem: Die Kosten solcher Sensoren können zehntausende Dollar erreichen. Das war bisher ein Hindernis für Autohersteller und andere Unternehmen, die im Geschäft mit selbstfahrenden Autos ihre Zukunft sehen. Wie Luminar haben daher eine ganze Reihe spezialisierter Start-ups wie Velodyne, AEye oder Aeva versprochen, dass sie die Kosten für die Bauteile durch Massenherstellung weiter drücken können. Bei Luminars US-Konkurrent Aeva war Ende 2019 der Volkswagen-Konzern eingestiegen. Luminar bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer

Partnerschaft mit Volvo

Luminar hegt auch Pläne für den Einsatz in der Serienproduktion. Der schwedische Autobauer Volvo hatte im Mai angekündigt, die Lidar-Sensoren von Luminar ab dem Jahr 2022 einzusetzen. Mit weiteren Topherstellern sollen Kooperationsvereinbarungen bestehen. Nun stützt Volvo auch den Gang an die US-Technologie-Börse Nasdaq.

"Dieser Meilenstein ist nicht nur für uns, sondern auch für die gesamte Automobilindustrie von entscheidender Bedeutung", erklärte Russell. "Vor acht Jahren haben wir uns eines Problems angenommen, über das die meisten dachten, es gäbe keine technisch oder kommerziell tragfähige Lösung."

Der Weg an die Wall Street führt über eine sogenannte Special Purpose Acquisition Company (SPAC). Das sind Mantelgesellschaften, die ohne eigenes Geschäft zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um dieses in einem zweiten Schritt in die Übernahme eines Unternehmens zu investieren. Zuletzt positionierten sich zahlreiche solcher SPACs.

Thiel bleibt Großaktionär

Das SPAC Gores Mitropoulos, eine Tochter der US-Investmentfirma Gores Group, hatte erst zum Jahresbeginn im Zuge des eigenen Börsengangs gut 400 Millionen Dollar eingesammelt – die nun in rund 11 Prozent der Luminar-Anteile investiert werden. Nach der Fusion wird das Unternehmen dann unter dem Namen Luminar gelistet sein.

Die ungewöhnliche Variante des Börsengangs ist aus Sicht von Luminar-Chef Russell ein vergleichsweise sicherer Weg – gerade angesichts der weltweiten Verunsicherung infolge der Coronavirus-Pandemie. Statt wie üblich im Zuge eines eigenen Initial Public Offering (IPO) Geld von Anlegern einzuwerben, sind nun schon 570 Millionen Dollar zusammengekommen.

Investor Thiel bleibt allerdings weiterhin einer der wichtigsten Anteilseigner. Luminar und die bisherigen Anteilseigner sollen auch nach der Fusion rund 80 Prozent der Anteile halten.

lhy/dpa-afx