Luminar-Gründer Austin Russell Alle setzen auf diesen 25-jährigen Milliardär - nur Elon Musk nicht

Mit 19 brach er das Studium in Stanford ab, jetzt ist Austin Russell einer der jüngsten Milliardäre der Welt. Die Lidar-Sensoren seiner neu an der Nasdaq gehandelten Firma Luminar gelten Partnern wie Volvo und Daimler als Durchbruch für autonomes Fahren - im Gegensatz zu Tesla.
"Awesome and surreal": Luminar-Gründer Austin Russell kann sich noch über die Börsenwelt freuen und wundern. Real: ein Lidar-Sensor in seiner Hand, der mit Laserstrahlen Abstände misst.

"Awesome and surreal": Luminar-Gründer Austin Russell kann sich noch über die Börsenwelt freuen und wundern. Real: ein Lidar-Sensor in seiner Hand, der mit Laserstrahlen Abstände misst.

Foto: Nasdaq Inc.

Austin Russell (25) ist jetzt einer der jüngsten Milliardäre der Welt. Das rechnet das "Wall Street Journal " nach dem ersten Handelstag der Luminar-Aktie  an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq vor. Am Donnerstag durfte der junge Chef des Herstellers von Lidar-Sensoren die Börsenglocke läuten. Zum Handelsschluss war die von ihm 2012 gegründete Firma mit einem Kurs von 23 Dollar 28 Prozent mehr wert: 7,8 Milliarden Dollar, wovon rund ein Drittel Russell gehören, der sogar über 83 Prozent der Stimmrechte verfügt. Am Freitag legte die Aktie weitere 40 Prozent zu und kletterte über die Marke von 30 Dollar (siehe Chart ).

Das "Forbes"-Magazin  fand im April weltweit nur zehn Milliardäre unter 30, drei davon sind jünger als Russell: Reality-TV-Star und Beautyunternehmerin Kylie Jenner (23) sowie die norwegischen Tabakerbinnen Alexandra (24) und Katharina Andresen (25). "Auf manche Art ist es irre und surreal, ein Teil davon zu sein, hier an die Börse zu gehen", zeigte sich Austin Russell beeindruckt. "In anderer Hinsicht ergibt es einfach ziemlich viel Sinn."

Russell, der angeblich schon als 11-Jähriger an Supercomputern und optisch-elektronischen Systemen bastelte, hatte mit 19 Jahren sein Studium an der Universität Stanford abgebrochen und Luminar gegründet, das heute als einer der großen Hoffnungsträger mit Technik für den Sprung von Fahrassistenzsystemen zu voll autonomem Fahren gilt.

Verträge mit Volvo, Daimler und Intel

So sehen das jedenfalls die Industriepartner wie Volvo, der im Mai den ersten Produktionsvertrag für den Einbau der Lidar-Sensoren in Autos unterschrieb. Die Fahrzeuge sollen ab 2022 auf den Markt kommen. Inzwischen haben auch Daimler für seine mithilfe von Waymo geplanten autonomen Trucks und der zu Intel gehörende Roboautospezialist Mobileye bei Luminar bestellt. Volvo investierte auch in den Luminar-Börsengang.

Von Anfang an dabei war der Silicon-Valley-Investor und nun Luminar-Großaktionär Peter Thiel (53), der gezielt Stipendien an Studienabbrecher vergab, um technologische Durchbrüche zu fördern. Einer der Empfänger war Austin Russell. Thiel habe ihn in der Vision bestärkt, Hard- wie Software der Lidar-Systeme von Grund auf neu zu entwickeln, erklärte Russell. Herausgekommen sei nicht nur extrem leistungsfähige Technik - sondern vor allem eine drastische Senkung der Kosten, die es für Fahrzeughersteller erst wirtschaftlich mache, mithilfe von Laserstrahlen Abstände zu messen und so ihre Gefährte zu steuern. Auch das "Wall Street Journal" hebt den Kostenvorteil hervor.

Luminar sieht sich selbst nun als Marktführer auf diesem Feld, das von fünf Milliarden Dollar Umsatz heute bis 2030 auf 150 Milliarden Dollar wachsen solle. Allerdings ist umstritten, ob die relativ großen Dachaufbauten zum kommerziellen Einsatz taugen. Mehrere Start-ups wetteifern um den Lidar-Durchbruch, etwa Velodyne, Microvision, Aeye oder Aeva. An Aeva als "bester Lidar-Lösung auf dem Markt" hatte sich Volkswagen Ende 2019 beteiligt.

"Für autonome Systeme würde ich zu 100 Prozent sagen, man braucht sehr leistungsfähige Lidar-Fähigkeiten", erklärte Austin Russell. "Man muss sehr weit in die Ferne leuchten können und alle denkbaren Grenzfälle verstehen."

Elon Musk will die Technik nicht mal geschenkt nehmen

Die Technik hat auch Kritiker. Tesla lehnt den Einsatz von Laserstrahlen ab und betont, die autonome Steuerung müsse ausschließlich mit Kameras funktionieren. Menschliche Fahrer verließen sich ja auch auf ihre Augen, und das funktioniere ziemlich gut. Im Oktober ätzte Tesla-Chef Elon Musk (49), er würde Lidar-Technik nicht einmal nehmen, wenn es sie umsonst gebe.

Neues Geschäftsmodell: Warum Tesla viel mehr ist als ein Autobauer

Luminar schrieb im vergangenen Jahr einen Verlust von 94,7 Millionen Dollar, bei einem Umsatz von 12,6 Millionen Dollar. Inzwischen sei das Auftragsbuch aber mit 1,3 Milliarden Dollar gut gefüllt, erklärte Russell. Er rechne mit starken Gewinnmargen bei jedem einzelnen verkauften Produkt.

Um die Risiken eines herkömmlichen Börsengangs zu vermeiden, wählte Luminar wie inzwischen viele Firmen den Umweg über den Kauf einer bereits notierten Zweckgesellschaft. Diese mit dem Namen Gores Metropoulos wurde nun mit Luminar unter eigenem Namen (mit dem Börsenkürzel "LAZR") verschmolzen. Bis Donnerstag hatten außenstehende Aktionäre keine Gelegenheit zum Einstieg.

ak