Lucid Motors US-Börsenaufsicht untersucht weiteren Tesla-Rivalen

Lucid Motors war im Juli per Spac-Börsengang an die Wall Street gegangen und zählt inzwischen zu den zehn wertvollsten Autofirmen der Welt. Nun rücken die Aufseher an – wie zuvor schon bei Nikola, Canoo oder Lordstown.
Schnell an die Börse: Lucid-Boss Peter Rawlinson beim Wall-Street-Debüt des Autobauers im Juli

Schnell an die Börse: Lucid-Boss Peter Rawlinson beim Wall-Street-Debüt des Autobauers im Juli

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ANDREW KELLY / REUTERS

Ein Lautsprecher wie Elon Musk (50) ist der Brite Peter Rawlinson (63) eher nicht. Anders als der Tesla-Boss treibt sich dessen früherer Topangestellter nicht auf Twitter herum, pöbelt nicht öffentlich und inszeniert sich auch sonst nicht so offensiv. Sein eigenes Unternehmen Lucid Motors beflügelt gleichwohl die Fantasien der Kleinanleger und Investoren. An der Börse zählt Lucid mit einer Bewertung von mehr als 70 Milliarden Dollar zu den zehn wertvollsten Autobauern. Doch nun droht Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC.

Am Montag war bekannt geworden, dass die Behörde Lucids Spac-Börsengang im Juli untersucht. Das Unternehmen habe eine Vorladung bekommen, um weitere Dokumente einzureichen, teilte Lucid in einem offiziellen SEC-Dokument  mit. Die Untersuchung scheine sich auf den Geschäftszusammenschluss sowie auf bestimmte Prognosen und Aussagen zu beziehen. Lucid würde vollumfänglich kooperieren. Der Aktienkurs brach zwischenzeitlich deutlich ein.

Es ist nicht der erste Spac-Börsengang eines gefeierten Elektroautobauers, den sich die Börsenaufseher genauer ansehen. Auch die wilden Kapitalmarktstarts  von Nikola, Canoo und Lordstown Motors werden untersucht. Die Beamten fokussieren sich dabei auf die Prognosen zu den Geschäftsaussichten sowie auf konkrete Angaben wie etwa die Zahl angeblich bereits bestellter Fahrzeuge, mit denen die Unternehmen um Investoren warben.

Der Gründer und Ex-Chef von Nikola, Trevor Milton (39), war bereits Anfang des Jahres aufgrund von Anschuldigungen der SEC sowie paralleler Untersuchungen des US-Justizministeriums wegen Betrugs angeklagt worden; das Unternehmen hat kürzlich 125 Millionen Dollar für einen erwarteten Vergleich mit den Behörden zurückgelegt. Der CEO von Lordstown Motors, Steve Burns, trat im Juni zurück, nachdem eine interne Untersuchung ergeben hatte, dass er irreführende Behauptungen über Vorbestellungen für den Elektro-Pick-up gemacht hatte; die Untersuchungen von SEC und Justizministerium laufen noch. Und Canoo hat erst im November erklärt, weiterhin mit der SEC zu kooperieren.

Bei einem Spac-Börsengang schließen sich Unternehmen mit einer bereits an der Börse gelisteten Mantelfirma zusammen. Im Vergleich zu herkömmlichen IPOs sind sie weniger stark reguliert. Das macht es auch jungen Firmen einfacher, Kapital über einen Börsengang aufzunehmen. Auf diese Weise kamen zuletzt einige Autobauer an die Börse, ohne schon wirklich Autos zu bauen. Darunter ist auch das Mega-Start-up Rivian.

Lucid war im Juli über einen Zusammenschluss mit der Mantelfirma Churchill Capital IV an die Nasdaq gekommen. Lucid-Chef Rawlinson musste allerdings mühsam um die Unterstützung der Anteilseigner betteln und den Start sogar um einen Tag verschieben. Letztendlich konnte das 2007 gegründete Unternehmen aber 4,4 Milliarden Dollar einsammeln. Erst seit Oktober wird überhaupt das erste Elektromodell des Start-ups, der Lucid Air, ausgeliefert.

lhy
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