Frank Lindenberg Daimler-Veteran wird Aufsichtsrat für Lucid Motors

Ein weiterer Topmanager aus der deutschen Autoindustrie zieht ins Silicon Valley. Die Firma Lucid, die mit Elektroautos der Luxusklasse Tesla herausfordert, holt den langjährigen Mercedes-Finanzvorstand Frank Lindenberg in den Aufsichtsrat.
Prototyp: Lucid Motors gilt mit seinem Luxuselektroauto Lucid Air als einer der hoffnungsvollsten Nachahmer des Geschäftsmodells von Tesla

Prototyp: Lucid Motors gilt mit seinem Luxuselektroauto Lucid Air als einer der hoffnungsvollsten Nachahmer des Geschäftsmodells von Tesla

Foto: Lucid

Kurz vor dem geplanten Börsengang über eine Zweckgesellschaft (Spac) hat das kalifornische Elektroauto-Startup Lucid Motors Kandidaten für seinen künftigen Aufsichtsrat benannt. Mit dabei ist Frank Lindenberg (57), der mehr als 25 Jahre Erfahrung aus dem Daimler-Konzern mitbringt, zuletzt als Finanzvorstand der Autotochter Mercedes-Benz. Über die Besetzung des Gremiums solle eine Aktionärsversammlung am 22. Juli abstimmen, teilte das Spac namens Churchill Capital IV am Freitag mit . Tags darauf sei der Zusammenschluss des bereits börsennotierten Spac mit dem Start-up Lucid und der Beginn des Börsenhandels an der Nasdaq vorgesehen.

Lucid gilt als eine der aussichtsreichsten unter den vielen hoch gewagten Wetten , nach dem Vorbild von Tesla einen Börsenstar der Elektromobilität hochzuziehen - und lehnt sich besonders eng an Tesla an. Geführt wird das Unternehmen, dessen Zentrale am Ort des Tesla-Stammwerks im kalifornischen Fremont sitzt, vom langjährigen Tesla-Manager Peter Rawlinson. Den Markteintritt will Lucid über die Oberklasse mit dem Modell Lucid Air nehmen, dessen erste Version eine Reichweite von mehr als 800 Kilometer, gut 1000 PS und einen Verkaufspreis von 161.500 Dollar verspricht. Die Fabrik dafür wurde in der Wüste Arizonas hochgezogen, die Produktion soll im zweiten Halbjahr anlaufen.

Verantwortlich dafür ist Peter Hochholdinger, der früher für Tesla und zuvor für Audi arbeitete - nicht der einzige Topmanager mit Erfahrung aus der deutschen Autoindustrie, den die Finanz- und Innovationskraft der vielen neuen Elektroauto-Startups in den USA lockte. In schwere Turbulenzen geriet zuletzt Canoo mit seinen Plänen für einen elektrischen Minibus. Der frühere BMW-Elektroautoentwickler Ulrich Kranz (63) trat im April als Chef zurück und heuert nun bei Apple an. Ex-Opel-Chef Karl-Thomas Neumann (60) war schon vorher gegangen, ebenso wie der Mitgründer Stefan Krause (58), der ebenso wie Frank Lindenberg eine Karriere als Finanzvorstand hinter sich hat: zuerst für BMW, später die Deutsche Bank. Inzwischen hat Krause sich an weiteren Spac-Deals  um Elektroautofirmen beteiligt und arbeitet nun als Vorstand der kanadischen Lithiumfirma Rock Tech.

Frank Lindenberg arbeitete mehr als 25 Jahre für Daimler, von 2009 bis 2012 als Finanzvorstand der Lkw-Sparte und anschließend in selber Funktion für Mercedes-Benz. Er galt im Konzern schon länger als Fürsprecher einer stärkeren Elektrifizierung, während er teure Investitionen in neue Projekte mit Verbrennungsmotoren mehrfach kritisierte. Unter dem früheren Chef Dieter Zetsche konnte er seinen Kurs jedoch nicht durchsetzen. Dessen Nachfolger Ola Källenius zeigte sich aufgeschlossener, Lindenberg musste seinen Posten aber im März 2020 zugunsten des neuen Konzernfinanzchefs Harald Wilhelm (55) abgeben. Damals kündigte er an, "ein neues Kapitel in meiner beruflichen Laufbahn aufschlagen" zu wollen.

Den Aufsichtsrat von Lucid führen soll Andrew Liveris (67), der bis 2018 Chef des Chemiekonzerns Dow war und auch im Kontrollgremium des saudi-arabischen Ölriesen Aramco sitzt. Neben weiteren unabhängigen Mitgliedern steht an Lindenbergs Seite mit Turqi Alnowaiser auch ein Vertreter des saudischen Staatsfonds PIF, der in Lucid Motors eine Milliarde Dollar investiert hat und zuletzt die Anteilsmehrheit hielt. Laut mehreren Berichten wird auch über eine weitere Fabrik in Saudi-Arabien verhandelt. Das Börsenvehikel Churchill wird aktuell mit gut sechs Milliarden Dollar bewertet. Da die Churchill-Aktionäre nach der Transaktion knapp ein Sechstel der Lucid-Anteile halten sollen, ergäbe sich daraus ein Börsenwert von rund 40 Milliarden Dollar.

ak