Sportwagenbauer Geely prüft Lotus-Börsengang

Die chinesischen Eigner haben große Pläne mit der Traditionsmarke. In nur sechs Jahren soll Lotus rund 60-mal so viele Autos verkaufen wie 2021. Nun lässt Milliardär Li Shufu den Börsengang prüfen.
Chairman: Markensammler Li Shufu, dessen Vermögen auf 27 Milliarden Dollar geschätzt wird

Chairman: Markensammler Li Shufu, dessen Vermögen auf 27 Milliarden Dollar geschätzt wird

Foto: SUN YILEI / REUTERS

Der chinesische Auto-Mogul Li Shufu (58) lässt den Börsengang der britischen Sportwagentochter Lotus prüfen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre könnte das Unternehmen an die Börse gehen, um Kapital für die geplante Expansion einzusammeln, erklärte der Lotus-Chef Matt Windle (50) der "Financial Times" . Die Gespräche seien aber noch in einem frühen Stadium.

Supersportwagen: Der Lotus Evija wird elektrisch angetrieben – mit 2000 PS

Supersportwagen: Der Lotus Evija wird elektrisch angetrieben – mit 2000 PS

Foto: Charlie Magee

Die britische Traditionsmarke gehört seit 2017 zum Geely-Konzern. Milliardär Li Shufu, der auch zu den größten Aktionären von Mercedes-Benz zählt, hatte die Mehrheit des Unternehmens 2017 erworben. Geely hatte sich damals den Zugriff auf den malaysischen Autobauer Proton gesichert, um mit dessen Brot-und-Butter-Modellen den südostasiatischen Markt zu attackieren – Lotus gab es quasi obendrauf.

Inzwischen verfolgt Li Shufu aber eine aggressive Wachstumsstrategie mit dem Sportwagenbauer. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen zweigeteilt. Im britischen Norfolk werden weiter Sportwagen hergestellt; im chinesischen Wuhan gründete Lotus eine neue Luxus-Lifestyle-Firma, die künftig elektrische Geländewagen und SUVs herstellen soll und an der sich auch der chinesische Autobauer Nio beteiligt hat. Die Börsenpläne beziehen sich auf diesen Luxuszweig.

Das Kapital soll Lotus helfen, den Autoabsatz innerhalb von nur sechs Jahren um das 60-fache zu steigern. Bis 2028 sollen weltweit 100.000 Fahrzeuge verkauft werden, so Windle, der seit vergangenem Jahr Chef der Sportwagen-Sparte und oberster Lotus-Manager ist. Zum Vergleich: 2021 verkaufte Lotus weltweit 1710 Autos,  das beste Ergebnis seit 2011.

Die Überlegungen fügen sich in die Gesamtstrategie von Geely-Patron Li Shufu. Im vergangenen Jahr bereits hatte er mit einigen Schwierigkeiten seine schwedische Tochter Volvo  an die Börse manövriert. Für das erste Halbjahr 2022 ist auch ein Börsengang der gemeinsamen Elektromarke Polestar geplant, angepeilte Bewertung: 20 Milliarden Dollar. Mit Lotus könnte in der Folge eine weitere Tochter als eigenständiges Unternehmen am Kapitalmarkt platziert werden.

Seit dem Einstieg hat Geely mehr als drei Milliarden Pfund in das Unternehmen investiert, um sowohl den Antrieb auf Elektro umzustellen als auch Segmente jenseits der reinen Sportwagen-Nische zu erreichen. Vorbild ist dabei Porsche, denen es gelungen war, das Image ihrer Sportwagen auf das SUV-Segment zu übertragen. Noch 2022 oder Anfang 2023 soll der erste Lotus-SUV in China in die Produktion gehen. Auf einer Veranstaltung vor Investoren in London, auf der in der vergangenen Woche die Kapitalmarktpläne getestet worden waren, soll der Wagen bereits vorgeführt worden sein.

Neben den SUVs setzt Lotus weiter auf Supersportwagen. Der Emira ist der letzte Sportwagen mit Verbrennungsmotor; der Evija wird bereits elektrisch betrieben. Laut den Plänen sollen bis 2028 rund 10 Prozent der Verkäufe auf die Sportwagen entfallen; die in China hergestellten Fahrzeuge sollen 90 Prozent ausmachen.

lhy