Lightyear in Geldnot Das nächste Solarauto-Desaster

Nach Sono Motors geht einer weiteren Solarauto-Hoffnung das Geld aus. Nur wenige Wochen nach dem Start, stellt Lightyear die Produktion seines ersten Fahrzeugs wieder ein.
Sonnenuntergang: Der Lightyear 0 kommt nicht auf die Straße

Sonnenuntergang: Der Lightyear 0 kommt nicht auf die Straße

Foto: James Atoa / IMAGO / UPI Photo

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Die CES ist die Bühne für Träumereien aus der Automobilwelt. Ein Setting wie gemacht für Lightyear. Das Start-up aus den Niederlanden will sich mit Solarautos zu Weltverbesserern aufschwingen. Am Las Vegas Strip trommelte Gründer Lex Hoefsloot (31) für sein vermeintlich zweites Modell, den Lightyear 2.

Dumm nur, dass der erste Wagen der Marke, der Lightyear 0, noch gar nicht auf der Straße ist – und es auch nicht mehr dorthin schaffen wird. Fühlte sich Hoefsloot in den USA noch "geladen für alles, was kommt", schockte er am Montagabend seine Anhänger: Lightyear hat sich verkalkuliert, der Lightyear 0 wird eingestellt. Dabei war die Produktion des Luxusschlittens, den das Unternehmen für 250.000 Euro verkaufen wollte, erst im Dezember beim finnischen Auftragsfertiger Valmet angelaufen. 946 Einheiten sollten entstehen, mehr als eine Handvoll wurden es nicht. Was mit den fertigen Autos passiert, ist unklar.

Die Bruchlandung versuchte Hoefsloot als "neue Fokussierung" zu verkaufen. Lightyear wolle sich nun voll auf sein eigentlich zweites Modell konzentrieren. Der Lightyear 2 soll mit Preisen ab 40.000 Euro ein Auto für die Massen werden. 40.000 Privatkäufer hätten bereits vorbestellt, Flottenkunden wie der Leasinggigant Arval sollen 20.000 Fahrzeuge reserviert haben. 2025 will Lightyear den Crossover auf den Markt bringen. Das Auto preist das Start-up mit rund 800 Kilometern Reichweite an. 70 Kilometer davon sollen Solarpanele in der Außenhaut an sonnigen Tagen frei Haus beisteuern.

Doch danach sieht es trotz Hoefsloots Beteuerungen, aus dem Desaster mit dem Lightyear 0 "viele wertvolle Erfahrungen" mitzunehmen, nicht aus. Bislang hat das Unternehmen rund 210 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Neue Fahrzeugprojekte verschlingen jedoch häufig Milliardenbeträge. Zuletzt fiel es Lightyear wie vielen anderen Start-ups schwer, weiteres Geld zu bekommen.

Gelingt es den Gründern nicht, schnell weitere Investoren zu gewinnen, wird auch der Lightyear 2 nicht über den Projektstatus hinauskommen. Vielleicht hilft ja ein bekannter Name bei der Suche: Seit November 2022 sitzt Bernd Martens (56) als COO im Lightyear-Vorstand. Er war zwischen 2012 und 2020 Einkaufschef bei Audi und dürfte wissen, wie teuer neue Fahrzeugprojekte sein können. Doch reicht das, um den Turnaround zu schaffen?

Auch der Sono Sion steht vor dem Aus

Andere Start-ups träumen ebenfalls vom Sonnenauto. Allen voran: Sono Motors. Doch auch deren Projekt "Sion" steht vor dem Aus. Seit Mitte Dezember betteln  die Gründer Laurin Hahn (28) und Jona Christians (29) um Spenden in Form von Vorbestellungen. Nur wenn man knapp 105 Millionen Euro von der Crowd bekomme, könne der Sion weiter in Richtung Serie entwickelt werden. 330 Millionen Euro, die Sono bislang eingesammelt hat, sind dafür bei Weitem nicht genug.

Knapp drei Tage vor dem anvisierten Ende der Kampagne sieht es mau aus für Sono. Bislang sind etwa 46 Millionen Euro zusammengekommen. Halten Hahn und Christians Wort, müsste der Sion aller Voraussicht nach noch diese Woche Geschichte sein. In die AGBs zu ihrem Spendenaufruf haben sich die Gründer allerdings die Option eingebaut, die Kampagne zu verlängern.

Sollte sich die Sono-Spitze dagegen entscheiden oder auch das nicht helfen, will das Unternehmen als Solar-Zulieferer für Fahrzeughersteller weitermachen. Einen Großteil der etwa 450 Mitarbeiter würde das den Job kosten.

Wie lange es für die rund 600 Beschäftigten bei Lightyear noch weitergeht, ist unklar. Nachdem das Management für seine operative Betriebsgesellschaft "Atlas Technologies B.V." Zahlungsaufschub beantragt hat, übernimmt vorläufig die niederländische Arbeitsagentur UWV die Gehälter.

Die Zeit bei der CES in Las Vegas Anfang Januar beschrieb das Lightyear-Management kurz nach Ende der Messe noch enthusiastisch als "viertägigen Wirbelwind". Nun ist daraus ein schwerer Sturm entstanden.

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