Opel und Mercedes jagen VW Das waren 2016 die Lieblingsautos der Deutschen

Zwar hat der VW-Konzern trotz des Abgasskandals auch im Jahr 2016 die Top 10 der Neuzulassungen dominiert. Doch Mercedes und Opel kamen den jahrelangen VW-Bestsellern gefährlich nahe, wie die Neuzulassungsstatistik zeigt.
Opel Corsa: Der Polo-Gegner fand im Jahr 2016 einige neue Fans

Opel Corsa: Der Polo-Gegner fand im Jahr 2016 einige neue Fans

Foto: Opel

Seit Anfang 2015 ist der Kleinwagen aus Rüsselsheim nun in fünfter Generation bei den Händlern, im vergangenen Jahr hatte er einen guten Lauf, wie die Neuzulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts zeigen. Von Januar bis Dezember wurden deutschlandweit 55.191 neue Fahrzeugbriefe für den Corsa ausgestellt.

Seinem Erzkonkurrenten Polo kann damit noch nicht das Wasser reichen, allerdings legte der kleine Rüsselsheimer im Jahresvergleich stärker zu als sein Wolfsburger Gegenspieler. Im Jahr 2016 stiegen die Corsa-Neuzulassungen um 4,6 Prozent, beim Polo waren es 1,5 Prozentpunkte weniger. Im Kleinwagen-Segment hielt der Corsa zuletzt einen Marktanteil von 11,3 Prozent. Punkten soll die fünfte Generation im Vergleich zum Vorgänger mit sparsameren Motoren, einem frischeren Design mit Anleihen bei Opels Kleinstwagen Adam - und einem für Kleinwagen besonders ausgefeilten Infotainmentsystem.

Audi A3: Der noble Golf-Bruder schlägt sich ziemlich wacker

Audi A3 e-tron: Den noblen Golf-Bruder gibt es auch als Plugin-Hybrid mit 50 Kilometer E-Reichweite

Audi A3 e-tron: Den noblen Golf-Bruder gibt es auch als Plugin-Hybrid mit 50 Kilometer E-Reichweite

Foto: Audi

Platz 9: Audi A3

Der noble Bruder des Golf hat eine solide Fan-Basis. Die lässt sich vom Abgasskandal der Konzernmutter Volkswagen nicht allzu sehr beeindrucken, wie die Jahres-Neuzulassungszahlen zeigen: Von Januar bis Dezember fanden 57.176 A3-Neuwagen ihre Erstbesitzer. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Zulassungen um sehr moderate 1,2 Prozent.

Ganz taufrisch ist der A3 nicht mehr, deshalb spendierten die Ingolstädter ihrem Kleinen ein Facelift. Seit November kann der A3 mit einem Dreizylinder, volldigitalem Cockpit und zig Assistenzsystemen auffahren. Das könnte die Verkaufszahlen in diesem Jahr wieder nach oben treiben. Denn zuletzt hielt der A3 bei einem Marktanteil von 6,8 Prozent in der Kompaktwagen-Klasse. Da stand auch schon mal eine 7 vor dem Komma.

Von seiner Konkurrenz hebt sich der Nobel-Kompakte mit einer Vielzahl an Motorisierungen ab: Neben konventionellen Benzin- und Dieselmotoren ist der Kompaktwagen auch mit Gas- oder Plugin-Hybridantrieb erhältlich.

Leichte Einbußen für Skodas Mittelklassewagen mit VW-Golf-Genen

Skoda Octavia Scout: Ein bisschen Unvernunft gönnt sich auch der grundsoliden Mittelklassewagen

Skoda Octavia Scout: Ein bisschen Unvernunft gönnt sich auch der grundsoliden Mittelklassewagen

Foto: Skoda

Platz 8: Skoda Octavia

In den letzten 12 Monaten hatte der Mittelklassewagen einen grundsoliden Lauf: Er kam auf 58.683 Neuzulassungen, um 1,3 Prozent mehr als im Gesamtjahr 2015.

Der bei Familien beliebte Octavia setzt auf Vernunft statt Überfluss. Seit dreieinhalb Jahren ist die dritte Generation des Octavia im Handel. Wie der VW Golf baut der Octavia auf dem modularen Querbaukasten der Wolfsburger auf. Billiger als sein Konzern-Pendant ist der Octavia obendrein.

Doch ein Quäntchen Unvernunft leisten sich sogar die Tschechen: Seit zwei Jahren gibt auch eine um 5 Zentimeter höhergelegte Allrad-Variante des Wagens mit dem Zusatz Scout.

Audi A4: Modellwechsel sorgt für kräftig Aufwind

Audi A4: Der Neue sieht dem Alten ziemlich ähnlich, hat aber elektronisch mächtig aufgerüstet

Audi A4: Der Neue sieht dem Alten ziemlich ähnlich, hat aber elektronisch mächtig aufgerüstet

Foto: Audi

Platz 7: Audi A4

Der neue A4 sieht fast wie der alte aus - diesen Vorwurf haben sich die Audi-Leute in den letzten Monaten oft gefallen lassen müssen. Doch warum allzu viel Bewährtes über Bord werfen, wenn das Design offenbar funktioniert?

Die A4-Fans überzeugen wohl die aufgepeppten Inneren Werte des Mittelklasse-Lieblings. Die seit November 2015 erhältliche 9. Generation des Wagens trumpft mit modernsten Assistenzsystemen auf. Auch ein Head-Up-Display, das Geschwindigkeit und Navi-Anweisungen in die Windschutzscheibe projiziert, ist nun für den Wagen erhältlich.

Der Lohn: Von Januar bis Dezember 2016 entschieden sich 61.597 Neuwagenkäufer für einen A4, das waren um 17 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das Auto war übrigens von Anfang an als Limousine oder als Kombi erhältlich - kein Wunder, denn die Kombi-Version hat besonders in Deutschland viele Fans.

Neues Kleid passt VWs Kompakt-SUV gut

VW Tiguan: Die zweite Generation hat nicht nur mehr Knicke, sondern auch mehr Assistenzsysteme - Rang 5

VW Tiguan: Die zweite Generation hat nicht nur mehr Knicke, sondern auch mehr Assistenzsysteme - Rang 5

Foto: VW

Platz 6: VW Tiguan

Er läuft frisch eingekleidet zu neuer Form auf: Volkswagens Pseudo-Geländegänger Tiguan ist schon lange Deutschlands meistverkaufter SUV. Seit April 2016 verkaufen die Wolfsburger die zweite Generation ihres Erfolgsmodells, und der Modellwechsel beflügelt die Absatzzahlen: Im Gesamtjahr registrierten die Neuzulassungsstellen 63.978 Tiguan-SUVs, um 8,5 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Die Wolfsburger wissen, wie sie ihre verwöhnten Kunden ködern: Denn Tiguan-Käufer sitzen nicht nur hoch, sie können auch eine ganze Armada an Assistenzsystemen ordern. Die Rücksitzlehnen lassen sich nun per Fernentriegelung umlegen, die Rückbank um 18 Zentimeter verschieben, das Kofferraumvolumen liegt bei maximal 1655 Litern.

Der Modellname des Fahrzeugs setzt sich aus den Worten Tiger und Leguan zusammen und stammt aus einer Umfrage der Zeitschrift Auto Bild. Deren Leser durften auf VW-Geheiß im Jahr 2006 über den Namen des Kompakt-SUVs abstimmen. "Tiguan" lag damals vor den Alternativen "Nanuk", "Namib" und "Rockton".

Opels Golf-Fighter fährt in die Top 5 vor

Opel Astra: Die Neuauflage des Kompaktwagens legt ein Absatzplus von 16 Prozent auf den Asphalt

Opel Astra: Die Neuauflage des Kompaktwagens legt ein Absatzplus von 16 Prozent auf den Asphalt

Foto: Opel

Platz 5: Opel Astra

Seit Ende 2015 liefert Opel die Neuauflage des Kompaktklasse-Kämpfers aus. Und das verleiht dem Astra zwar nicht Flügel - aber kräftig Auftrieb, der die Rüsselsheimer Vertriebsleute fröhlich stimmen dürfte.

Mit 65.173 Neuzulassungen lässt der Astra den Tiguan knapp hinter sich und zieht in die Top 5 ein. Das gelingt dem Golf-Fighter auch dank eines beachtlichen Absatzpluses von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hin. Und ein wenig dürfte den Rüsselsheimern dabei die Formschwäche von Volkswagen helfen.

Die neue, elfte Astra-Generation hat einige Pfunde, mit denen sie bei Kompaktwagen-Käufern wuchern kann. Zum einen ist sie bis zu 200 Kilogramm leichter als ihr Vorgänger, was sich positiv auf den Verbrauch auswirkt. Und zum anderen lässt sich Opels Traditionsmodell nun mit Komfortextras ordern, die bisher nur in der Oberklasse angeboten wurden. Dazu zählen etwa Massagesitze - oder auch ein LED-Matrixlicht.

Mittelklasse-Benz robbt sich an die VW-Trias heran

Mercedes-Benz C-Klasse: Hält den Erfolgskurs - und wird VWs Bestsellern gefährlich

Mercedes-Benz C-Klasse: Hält den Erfolgskurs - und wird VWs Bestsellern gefährlich

Foto: Daimler

Platz 4: Mercedes C-Klasse

Mit der Neuauflage seines Mittelklasse-Wagens hat Mercedes den Geschmack der Kunden wohl genau getroffen. Im Gesamtjahr 2016 kam der schicke Benz, den es auch als Plugin-Hybiden mit einer Elektro-Reichweite von 30 Kilometern gibt, auf 66.898 Neuzulassungen deutschlandweit.

Das sind zwar im Vergleich zu 2015 um ein Prozent weniger Fahrzeugbriefe für das Brot- und Buttermodell der Schwaben. Doch wir wollen da jetzt nicht kleinlich sein: Mit Preisen ab 30.000 Euro ist der Benz alles andere als billig - dennoch kommt er von den Zulassungszahlen her einem VW-Modell nahe, das gerade mal die Hälfte kostet.

Mittlerweile hält die C-Klasse im Mittelklasse-Segment bei einen Marktanteil von 16 Prozent. Das ist schon eine ordentliche Leistung für den Schwaben-Bestseller - denn Mercedes hat mit der A- und B-Klasse auch merklich günstigere Fahrzeuge im Programm.

VWs Kleinwagen-Klassiker lässt den Abgasskandal links liegen

VW Polo: Der Kleinwagen-Klassiker legt trotz Abgasskandals bei den Verkaufszahlen im Gesamtjahr zu

VW Polo: Der Kleinwagen-Klassiker legt trotz Abgasskandals bei den Verkaufszahlen im Gesamtjahr zu

Foto: Volkswagen

Platz 3: VW Polo

Der Kleinwagen-Klassiker aus Wolfsburg hat offenbar besonders treue Anhänger. Denn der Polo kam 2016 auf 72.017 Neuzulassungen. Das waren um 3 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Damit legt der Polo nochmal eine Schippe drauf - erstaunlich, denn bei dem Modell steht im kommenden Jahr ein Modellwechsel an. Zudem zählt der Kleinwagen zu jenen Modellen, deren Dieselmotoren vom VW-Abgasskandal betroffen sind. Die Image-Delle dürfte für das Auto in Deutschland nicht allzu groß sein - und damit unterscheidet er sich von zwei größeren Konzernbrüdern ...

VWs Dienstwagen-König lässt im Vergleich zum Vorjahr deutlich Federn

VW Passat: Der Dienstwagen-König legt im Jahresvergleich eine Bremsspur auf den Asphalt - dennoch Rang 2

VW Passat: Der Dienstwagen-König legt im Jahresvergleich eine Bremsspur auf den Asphalt - dennoch Rang 2

Foto: Volkswagen

Platz 2 : VW Passat

Deutschlands beliebtester Dienstwagen drehte im Vorjahr für seine Verhältnisse lahme Runden: Im Gesamtjahr wurden 72.017 Fahrzeugbriefe für Passat-Käufer ausgestellt, das waren um 17 Prozent weniger als noch 2015. Vielleicht waren die Leasing-Angebote nicht attraktiv genug? Denn neun von zehn Passats werden als Dienstwagen zugelassen.

Oder die Fuhrpark-Manager sind vom Abgasskandal verunsichert - und setzen auf andere Modelle und Marken. Denn die neueste Version des Passats ist noch ziemlich frisch am Markt: Seit Anfang 2015 als achte Generation des Mittelklasse-Wagens verkauft.

Für den Wagen lassen sich über einem Dutzend Assistenzsysteme ordern. Das soll Langstrecken-Dienstfahrten deutlich angenehmer machen. Und immerhin: Trotz des deutlichen Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr ist noch immer fast jeder fünfte in Deutschland georderte Mittelklasse-Wagen ein Passat.

Der ewige VW Bestseller bleibt vorne - mit Bremsspuren

VW Golf: Er blieb auch 2016 Nummer 1 bei den Neuzulassungen, doch ganz so golden wie das Auto ist die Jahresbilanz nicht

VW Golf: Er blieb auch 2016 Nummer 1 bei den Neuzulassungen, doch ganz so golden wie das Auto ist die Jahresbilanz nicht

Foto: Volkswagen

Platz 1: VW Golf

Er läuft und läuft und läuft vom Band: Seit Jahrzehnten ist der Golf meistgekaufter Neuwagen. Das war auch von Januar bis Dezember nicht anders. Da ließ der Golf mit 235.935 Neuzulassungen alle anderen Fahrzeugmodelle in Deutschland weit hinter sich.

Der Golf war jedoch schon mit höheren Dreh- und Verkaufszahlen unterwegs. Denn im Gesamtjahr 2015 lagen die Verkaufszahlen noch um ganze 13 Prozent höher.

Eine naheliegende Deutung: Der VW-Abgasskandal zieht die Absatzzahlen des VW-Bestsellers nach unten. Denn seit Januar sind die Golf-Neuzulassungen im Vergleich zu den Vorjahresmonaten fast durchgängig gesunken. Das deutet darauf hin, dass VW-Kunden mit dem Golf-Kauf zurückhalten.

Werben können die Autohäuser bald mit dem Facelift des Golf: Denn die Ingenieure haben dem Wagen zur Mitte seines Produktzyklus nun sparsamere Motoren und verbesserte elektronische Assistenten und Anzeigen spendiert. Das könnte 2017 die Verkaufszahlen wieder nach oben bringen.

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