Deal mit US-Konzern Bizlink Autozulieferer Leoni schlägt Kabelgeschäft los

Eigentlich wollte Leoni-Chef Aldo Kamper braucht dringend Geld. Nachdem ein größerer Verkauf gescheitert war, hat er nun immerhin einen Abnehmer für das Industriekabelgeschäft.
Deal! Der Kabelspezialist Leoni verkauft sein Industriegeschäft

Deal! Der Kabelspezialist Leoni verkauft sein Industriegeschäft

Foto: Daniel Karmann/ picture alliance/dpa

Der angeschlagene Automobilzulieferer Leoni hat endlich einen Abnehmer für eine seit einiger Zeit zum Verkauf stehende Einheit der Kabelsparte gefunden. Das Unternehmen habe eine bindende Vereinbarung mit dem US-Konzern Bizlink über den Verkauf des Bereichs, der Kabel für die Industrie (Industrial Solutions) herstellt, unterzeichnet, teilte Leoni am Freitag in Nürnberg mit . Die Einheit wird dabei mit rund 450 Millionen Euro bewertet.

Vorstandschef Aldo Kamper erhofft sich dadurch dringend benötigten finanziellen Spielraum. Auch der österreichische Milliardär Stefan Pierer (64), der bei dem angeschlagenen Zulieferer eingestiegen war  und rund 15 Prozent der Anteile hält, unterstützte die Abspaltung. "Der erwartete Mittelzufluss nach Abzug unter anderem von Finanzverbindlichkeiten und Pensionslasten liegt bei mehr als 300 Millionen Euro und soll zur Stärkung der Liquidität eingesetzt werden", erkärte das Unternehmen nun. Der verkaufte Unternehmensteil erzielte 2020 einen Umsatz von rund 430 Millionen Euro. Er fertigt an 20 Standorten in zehn Ländern mit rund 3000 Mitarbeitern Kabel für verschiedene Branchen. Das Kerngeschäft von Leoni, die Fertigung von Bordnetzsystemen für die Automobilindustrie, bleibt von dem Verkauf unberührt.

Der Vollzug des Verkaufs bedarf noch der Zustimmung der Leoni finanzierenden Banken sowie der Aufsichtsbehörden. Dies soll bis Anfang 2022 erledigt sein.

An der Börse sorgte der angekündigte Verkauf für Kursgewinne. Die früher im MDax und SDax notierte Aktie stieg zeitweise um 5 Prozent. Da das Unternehmen bereits vor Corona in einer tiefen Krise steckte, ist die Unternehmensbewertung seit Jahren unter Druck. Vom Rekordhoch bei etwas mehr als 66 Euro im Januar 2018 ging es bis auf 4,30 Euro vor knapp einem Jahr nach unten. Doch der eingeleitete Sparkurs und der angekündigte Umbau sorgten für einen Stimmungsumschwung. Trotz der jüngsten Erholung ist das Unternehmen an der Börse nur 470 Millionen Euro wert und deshalb nicht mehr in einem der Deutsche-Börse-Auswahlindizes vertreten.

Der Verkauf des Bereichs gehört zum Plan, sich von verschiedenen Einheiten des Kabelsparte (WCS) zu trennen. Ein Komplettverkauf war im vergangenen Jahr unter anderem durch die Corona-Turbulenzen am Kapitalmarkt verhindert worden. Leoni konzentriert sich ganz auf die größere Bordnetzsparte (WSD), die zwar in den roten Zahlen steckt, aber nach Einschätzung von Unternehmenschef Kamper mittelfristig bessere Renditen verspricht.

Im ersten Halbjahr zog der Umsatz der Sparte um mehr als die Hälfte auf rund 1,66 Milliarden Euro an. Zudem konnte der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 145 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten 2020 auf 19 Millionen Euro reduziert werden. Vor Sondereffekten für das Sparprogramm, Kosten für Corona-Maßnahmen und anteiligen Kosten für die Refinanzierung des Konzerns war der Bereich sogar operativ profitabel.

In der Corona-Krise musste sich Leoni unter anderem mit einem staatlich verbürgten Kredit in Höhe von 330 Millionen Euro refinanzieren. Zuletzt hatte Leoni nicht damit gerechnet, diese Schulden nicht bis Mitte 2022 zurückzahlen zu können. Deshalb zählt dieser Kredit jetzt zu den langfristigen Finanzschulden von knapp 1,6 Milliarden. Einen Teil davon würde Leoni durch den geplanten Verkauf der Einheit Industrial Solutions los.

Leoni beschäftigte Mitte des Jahres weltweit knapp 102.000 Mitarbeiter - davon mit fast 94.000 den Großteil in der Bordnetzsparte.

lhy/dpa
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