Sonntag, 22. September 2019

Analyst spricht von Restrukturierungsfall Leoni kassiert Prognosen

Kabelspezialist Leoni verdient deutlich weniger

Der Autozulieferer und Kabelspezialist Leoni Börsen-Chart zeigen will nach einem überraschend schwachen Jahresgewinn die Dividende streichen. Zudem rechnet das Unternehmen nicht mehr damit, die bisherigen Mittelfristziele für 2020 zu erreichen. Das geht aus einer am Donnerstagabend veröffentlichten Mitteilung hervor.

Bei Anlegern schrillen am Freitag in der Folge die Alarmglocken. Die Leoni-Aktien rauschten am Vormittag im SDax Börsen-Chart zeigen zeitweise um ein Viertel auf 22,55 Euro nach unten und erreichten den tiefsten Stand seit siebeneinhalb Jahren, erholten sich danach aber wieder etwas.

"Es war zwar zu erwarten, dass Leoni seine Ziele nicht erreichen wird, aber das Ausmaß ist alarmierend", schrieben die Experten der Bank Hauck & Aufhäuser in einem Kurzkommentar. Die Tatsache, dass Leoni auch seine mittelfristigen Ziele nach unten geschraubt habe, zeige, dass die Firma zum Restrukturierungsfall geworden sei. Die Kosten für einen möglichen Konzernumbau seien noch nicht abzuschätzen. Analyst Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe erklärte, Leonis Ausblick sei ein "Desaster".

Bereits Ende Oktober hatte Leoni seine Gewinnerwartungen für 2018 wegen der Schwäche des wichtigen chinesischen Automarktes, der Verunsicherung von Autokäufern durch die aktuellen Handelskonflikte und der Umstellung auf den neuen Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP in Europa gesenkt. Statt der damals erhofften 196 Millionen Euro wurden 2018 beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) nur 144 Millionen Euro erreicht. Im vierten Quartal verzeichnete Leoni sogar einen Verlust von 19 Millionen Euro. Unter anderem seien Einsparziele nicht erreicht worden und die Anlaufkosten im neuen mexikanischen Werk seien höher als geplant ausgefallen, hieß es.

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Der Umsatz lag 2018 mit 5,1 Milliarden Euro etwas höher als im Vorjahr. Im vierten Quartal lag der Erlös bei 1,2 Milliarden Euro. Mit Blick auf den Zahlungsmittelfluss und die Verschuldungslage will Leoni der Hauptversammlung vorschlagen, für 2018 keine Dividende auszuschütten. Für 2019 prognostizierte das Unternehmen, dass der Umsatz nur leicht auf 5,2 Milliarden Euro steigen werde. Das Ebit werde hingegen auf 100 bis 130 Millionen Euro sinken. "Das ist rund die Hälfte dessen, was bisher am Markt erwartet wurde", kommentierte Ludwig vom Bankhaus Lampe.

dpa/rtr/akn

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