Freitag, 20. September 2019

Ladesäulen-Chaos Diese Landkarte zeigt, warum Deutschland ein Elektroauto-Entwicklungsland ist

Viele Ladestationen westlich der Grenze, wenige östlich: Die Niederlande treiben die Elektromobilität beherzter voran als Deutschland. Zur vollständigen Ansicht bitte auf das Bild klicken (Desktop-Version).
plugsurfing.com
Viele Ladestationen westlich der Grenze, wenige östlich: Die Niederlande treiben die Elektromobilität beherzter voran als Deutschland. Zur vollständigen Ansicht bitte auf das Bild klicken (Desktop-Version).

In Sachen Elektroautos hinkt Deutschland anderen Ländern hinterher. Weshalb das so ist, zeigt der Kartenausschnitt eines Ladesäulen-Suchanbieters: In manchen Landstrichen sind Stromtankstellen kaum zu finden. Ganz anders sieht es direkt hinter der holländischen Grenze aus.

Hamburg - In regelmäßigen Abständen setzt in Deutschland das große Elektroauto-Wehklagen ein. Kunden hätten einfach kein Interesse an den Wagen, das Ziel von einer Million Batterieautos bis zum Jahr 2020 sei nicht mehr zu erreichen. Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr ganze 6000 Stück verkauft, plus einige Hundert mit Reichweitenverlängerer (Plug-in-Hybrid).

Doch dafür gibt es Gründe. Ein Kartenausschnitt (Link für Desktop-Version) des Ladesäulen-Suchanbieters Plugsurfing zeigt, dass es in ganzen Landstrichen kaum Stromtankstellen gibt. So ist das Gebiet östlich der niederländischen Grenze ziemlich ladesäulenfrei, lediglich Osnabrück und Oldenburg weisen eine gewisse Steckdosen-Konzentration auf.

Ganz anders stellt sich die Lage westlich der Grenze dar: Dicht an dicht sind die Niederlande mit einem Netz von Ladestationen überzogen. Dies und Steuervorteile für Käufer von Elektroautos haben dazu geführt, dass im vergangenen Jahr gut 23.000 Elektroautos verkauft wurden.

Allein der Großanbieter e-laad verfügt in den Niederlanden über ein Netz vom knapp 3000 Ladesäulen. Deutschland mit fünfmal so vielen Einwohnern kommt insgesamt nur auf gut 2000 Säulen (Stand: 2013), die sich auf Ballungsräume konzentrieren. Zusätzlich entsteht in Holland derzeit ein Netz von Schnellladesäulen entlang den Autobahnen. Die 200 Anlagen von ABB Börsen-Chart zeigen sollen 2015 fertig sein. Dann soll kein Niederländer weiter als 50 Kilometer von einer solchen Station entfernt leben.

Besonders komfortabel für Elektroauto-Fahrer in Holland: Mit einer Zugangskarte können sie fast alle Ladestationen benutzen. In Deutschland dagegen prägt ein Flickwerk von Anbietern die Stromtankstellen-Landschaft. Autofahrer müssen einen bunten Strauß von Zugangskarten der einzelnen Anbieter mit sich führen, um flächendeckend eine große Anzahl von Ladesäulen zur Auswahl zu haben.

Das kann zu erheblichen Komforteinbußen führen, wie ein Praxistest von manager magazin ergeben hat. Die Industrie arbeitet nach eigenen Angaben an einer Lösung des Problems.

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