Donnerstag, 21. November 2019

Automobilindustrie Warum Audi auf Öko-Gas setzt

Audi A3 g-tron: Mit synthetischem Erdgas kann das Auto künftig CO2-neutral fahren

Audi geht unter die Kraftstoffhersteller: In einer neuen Anlage produziert der Autohersteller künftig aus Ökostrom und Wasser synthetisches Erdgas. Damit will Audi seine Fahrzeuge besonders umweltfreundlich machen - und modifiziert gleichzeitig seine Strategie für alternative Antriebe.

Werlte - Für gestresste Großstädter ist Werlte im Emsland ein idealer Ort, um ein paar Tage auszuspannen: Satte grüne Felder säumen die 10.000-Einwohner-Gemeinde in Niedersachsen. Drei Naturschutzgebiete liegen in unmittelbarer Umgebung, der nächste Autobahnanschluss ist 35 Straßenkilometer entfernt.

Hochrangige Politiker, Umweltschutz-Experten oder Manager von Autokonzernen fanden eher selten ihren Weg nach Werlte - bis vor kurzem jedenfalls. Denn wenige Kilometer außerhalb des Ortes hat der Anlagenbauer Etogas im Auftrag des Autoherstellers Audi Börsen-Chart zeigen ein Gewirr aus silbrig glänzenden Rohren, mehren Meter hohen Metallzylindern und weiß getünchten Gebäuden errichtet. Damit will Audi jährlich 1000 Tonnen synthetisches Methan herstellen und in das Erdgasnetz einspeisen. Die Zutaten dazu: Ökostrom, Wasser und Kohlendioxid (CO2), das aus einer benachbarten Biogasanlage stammt.

Die gesamte Apparatur, die auf rund 5000 Quadratmetern Fläche steht, ist die weltweit größte Power-to-Gas-Anlage im industriellen Maßstab, hieß es bei der Eröffnung der Anlage in dieser Woche. Entsprechend groß sind auch die Erwartungen. "Was sie hier machen, ist ein Stück Geschichte", sagte Bundesumweltminister Peter Altmeier in seinem Grußwort. Heinz Hollerweger, Leiter der Gesamtfahrzeugentwicklung bei Audi, sprach von einem "großen Schritt in die Mobilität der Zukunft".

Solche Aufmunterungen kann der Ingolstädter Luxusautohersteller derzeit gut gebrauchen. Denn in letzter Zeit stand Audi in der Kritik, seinen Werbeslogan, "Vorsprung durch Technik" kaum mehr einzulösen. Bei der Eröffnung der Anlage in Werlte nutzte Audi die Chance, sich als umweltfreundlicher und besonders innovativer Luxusautohersteller zu präsentieren. Doch dabei setzte das Unternehmen nicht auf Marktschreierei - sondern präsentierte in leisen Tönen ein durchaus stimmiges Gesamtkonzept.

Dabei ging eines fast unter: Audi richtet seine Strategie für die Zukunft neu aus - und geht bei alternativen Antrieben einen anderen Weg als die Erzkonkurrenten BMW und Daimler.

Per Tankkarte CO2-neutral fahren

Mit dem künstlich hergestellten Erdgas, das Audi als E-Gas bezeichnet, will der Autohersteller zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen lässt sich mit der Anlage überschüssiger Strom aus Windkraftanlagen in Form von Erdgas speichern, was Energiewende-Verfechter wie Altmeier auf die Seite des Autoherstellers bringt. Zwar hat die Anlage derzeit nur einen Wirkungsgrad von 54 Prozent, da in mehreren Umwandlungsschritten Energie in Form von Wärme verloren geht. Doch Audi hofft, diesen Wert auf 70 Prozent steigern zu können.

Zum anderen will der Autohersteller mit dem Gas vorerst ein Modell seiner Marke möglichst CO2-arm fahren lassen. Ab Ende dieses Jahres bietet Audi sein Kompaktauto A3 auch mit einem Gasmotor an - gegen einen Aufpreis von 2500 Euro. Die Anlage in Werlte soll es Käufern des g-tron getauften Modells ermöglichen, ihr Modell mit Gasmotor fast völlig CO2-neutral zu fahren, wenn sie dem Audi-Gesamtkonzept folgen und beim Tanken eine spezielle Karte vorlegen (Erklärung siehe Kasten links).

Damit betritt die Luxusmarke Audi ungewohntes Terrain. Zwar bieten zahlreiche Autohersteller längst Modelle mit Gasmotoren an. Doch bislang galt der Antrieb eher als Alternative für kühle Rechner. Die Spritkosten sind im Gasbetrieb zwar deutlich niedriger, und der CO2-Ausstoß ist um bis zu 20 Prozent niedriger als beim Verbrennen von Diesel oder Benzin. Bauartbedingt sind Gasmotoren allerdings etwas weniger zugstark als ihre Benzinbrüder - und das dürfte die Fahrspaß-Fraktion unter den Audi-Fahrern nicht so gerne hören.

Auch der A3 g-tron fällt mit 110 PS etwas schwachbrüstiger aus als das herkömmliche Einstiegsmodell, das mindestens 122 PS bietet. Dennoch fährt sich das Fahrzeug im Sportmodus spritzig, auch wenn der Motor in den höheren Drehzahlbereichen deutlich zu hören ist.

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