Montag, 11. November 2019

Künstliche Intelligenz-Anwendungen im Autobau Begeisterung der Autobranche für den KI-Einsatz verfliegt

Künstliche Intelligenz: Wo Autobauer und Zulieferer bereits mit KI arbeiten
Audi

Die Bundesregierung will ihre Anwendung und Forschung mit Millionen Euro fördern. Jeder Tech-Konzern, der etwas auf sich hält, baut sie in "smarte" Produkte und Dienste ein: Künstliche Intelligenz soll nicht nur Dienstleistungen verbessern oder die Interaktion mit Maschinen erleichtern. Sie soll auch, so versprechen es ihre Verfechter, Unternehmen beim effizienten Produzieren und Forschen helfen. Und dabei könnte KI möglicherweise viele Jobs vernichten, warnen ihre Gegner.

Von solchen unerwünschten Nebenwirkungen ist Deutschlands wichtigste Branche, die Autoindustrie, noch weiter entfernt als vor zwei Jahren. Das legt eine Umfrage der Unternehmensberatung Capgemini unter 500 Automotive-Führungskräften in acht Ländern nahe.

Autoherstellern und Zulieferern, so zeigt die Studie, vergeht die Lust auf den KI-Einsatz im eigenen Unternehmen. Zwar ist der Anteil der Unternehmen, die KI unternehmensweit einsetzen, in den beiden letzten Jahren von 7 auf 10 Prozent leicht angestiegen. Der Anteil der Unternehmen, die einzelne KI-Maßnahmen umsetzen, ist seit 2017 jedoch von 27 Prozent auf 24 Prozent gesunken. Und die Zahl der KI-Abstinenten in der Autobranche ist zugleich deutlich gestiegen. Laut der Umfrage setzen 39 Prozent der befragten Unternehmen gar keine KI ein, 2017 waren es nur 26 Prozent.

Auch werden offenbar viele KI-Projekte gestoppt: 2017 hatten noch 41 Prozent der befragten Unternehmen Pilotprojekte für künstliche Intelligenz laufen, jetzt sind es nur mehr 26 Prozent. "Der anfängliche Hype um das Thema Künstliche Intelligenz ist bei vielen Unternehmen einer pragmatischeren Sichtweise gewichen, da sie nun mit der konkreten Umsetzung konfrontiert sind", meint Ingo Finck von Capgemini, einer der Autoren der Studie.

In Deutschland ist der Anteil der Automobilunternehmen, die keine KI implementieren, von 12 auf 32 Prozent gestiegen. Im Gegenzug sank der Anteil der Unternehmen, die KI-Piloten aufgesetzt haben von 52 auf 30 Prozent. Die größten Herausforderungen aus technologischer Sicht sehen die befragten Unternehmen bei der Integration bestehender Systeme und Tools (38 Prozent), im mangelnden Wissen und Bewusstsein für Next-Generation-KI-Tools (36 Prozent) sowie fehlenden Trainingsdaten (35 Prozent).

KI-Einsatz kann Betriebsgewinn deutlich steigern, meint Capgemini

Führend bei der Umsetzung von KI sind laut der Studie Automobilunternehmen in den USA, gefolgt von Großbritannien und Deutschland. Autohersteller kommen dabei im internationalen Vergleich besser bei der KI-Umsetzung voran als Zulieferer und Händler: Rund 14 Prozent der Hersteller implementieren KI umfassend, verglichen mit 4 Prozent der Lieferanten und 4 Prozent der Händler.

Automobilunternehmen, die trotz aller Schwierigkeiten künstliche Intelligenz umfassend einsetzen, gewinnen laut der Studie aber unter dem Strich: Das Betriebsergebnis kann durch umfassende KI-Maßnahmen um bis zu 16 Prozent steigen, haben die Unternehmensberater errechnet. Im Durchschnitt wurden der Capgemini-Studie zufolge in der Forschung und Entwicklung (F&E) Produktivitätssteigerungen von 16 Prozent erreicht. In den Bereichen Lieferkette und Produktion/Operations operative Effizienzsteigerungen waren es 15 beziehungsweise 16 Prozent. Beim Kundenerlebnis führte die Anwendung von KI zu einer Reduzierung der direkten Kosten von 14 und 17 Prozent in der IT sowie zu einer Verkürzung der Markteinführungszeit um 15 Prozent in F&E und 13 Prozent in Marketing/Vertrieb.

Einige Beispiele für den erfolgreichen Einsatz von KI bei deutschen Autoherstellern und Zulieferern Mobilitätsdiensten gibt es bereits (siehe Bildergalerie). Dennoch falle es den meisten Unternehmen noch schwer, sich auf die besten Anwendungsfälle zu konzentrieren, meint Studienautor Finck. Sein Rat: "Automobilunternehmen sollten KI nicht als Einzelmaßnahme betrachten, sondern vielmehr als strategische Notwendigkeit für das gesamte Unternehmen" - und sich bereits jetzt damit eingehend beschäftigen.

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