Krim-Krise Autobauer spüren Rubelschwäche

Die in Russland tätigen Autobauer bekommen den schwachen Rubel zu spüren. Beispiel BMW: Der Konzern will zwar an seiner Prognose festhalten, so lange die Krim-Krise nicht weiter eskaliert. Doch Kiew sieht akute Kriegsgefahr.
Russisches Auto: Lada könnte die Rubelschwäche nützen - ausländischen Herstellern eher nicht

Russisches Auto: Lada könnte die Rubelschwäche nützen - ausländischen Herstellern eher nicht

Foto: LADA

Berlin - Der durch die Krim-Krise ausgelöste Wertverlust der russischen Währung sorgt bei Autoherstellern für erste Einbußen. "Wir spüren bereits Belastungen durch den Wechselkurs des Rubels", sagte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann der Branchenzeitung "Automobilwoche". Russland ist der wichtigste Wachstumsmarkt für Opel.

Neumann setzt auf eine Normalisierung der Lage: "Sicher ist: Russland wird 2020 der größte Automarkt Europas sein. Und die Entwicklung bis dahin wird wie bei einem Marathon verlaufen - es wird Höhen und Tiefen geben."

Auch Ford  und Renault  sehen die Entwicklung mit Sorge und wollen langfristig stärker vor Ort produzieren, um Kursschwankungen zu umgehen. Ford-Deutschlandchef Bernhard Mattes sagte: "Kurzfristig können wir darauf nur mit dem Preis reagieren. Langfristig geht es um einen höheren Lokalisierungsgrad." Ähnlich äußerte sich Renault-Europa-Vorstand Stefan Müller.

Rubel-Absturz und Inflation werden nach Einschätzung von Audi eher Volumenhersteller treffen. "Ich glaube, dass wir im Premiumbereich mit geringeren Auswirkungen rechnen können", sagte Audi-Chef Rupert Stadler. Jedoch sei das Wechselkursrisiko eine große Herausforderung.

Kiew sieht akute Kriegsgefahr

BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner betonte: "Wo wir die Risiken spüren, ist auf der Währungsseite: Der Rubel ist sehr schwach geworden". Solange die Krise nicht weiter eskaliere, müsse BMW  seine Prognose für 2014 aber nicht ändern.

Im Westen wächst derweil die Sorge vor neuen Gebietsansprüchen Russlands. Die ukrainische Übergangsregierung in Kiew hatte am Sonntag erklärt, sie halte die russischen Truppen an der Ostgrenze des Landes für eine akute Bedrohung. Die Soldaten seien "jederzeit zu einem Angriff bereit", sagte der Chef des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Andrij Parubij. Putins Ziel sei "nicht die Krim, sondern die gesamte Ukraine". Der Kreml wies die Berichte zurück. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) drohte Moskau mit schärferen Sanktionen.

Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger stärkte der Politik beim Thema Wirtschaftssanktionen den Rücken. "Sanktionen sind wichtig, um Russland, insbesondere auch Herrn Putin, zu zeigen, dass er sich nicht alles erlauben kann", sagte Dulger dem SWR. Zwar mache sich die Branche Sorgen um wirtschaftliche Auswirkungen. "Auf der anderen Seite können wir uns aber auch nicht alles bieten lassen. Denn das wird letzten Endes auch irgendwann wirtschaftliche Konsequenzen für uns haben." Dulger betonte zugleich, man müsse mit Russland im Dialog bleiben. "Ein neuer Kalter Krieg bringt keinem was."

Aktuell machten die Ausfuhren nach Russland ungefähr vier Prozent der Exporte der Metall- und Elektroindustrie aus. "Wir sprechen hier über roundabout 25 Milliarden Euro. Es ist bedeutend, damit dürfen wir nicht leichtfertig umgehen." Anzustreben sei eine politische Lösung.

ts/dpa-afx/rtr/afp
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