Mittwoch, 24. April 2019

Führungskrise bei Volkswagen Machtkampf um Winterkorn-Nachfolge bricht wieder auf

Der Mann im Rücken: VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (l) mit seinem Vorstandschef Martin Winterkorn im Mai 2013.

Der Machtkampf um die VW-Spitze ist mit voller Wucht wieder ausgebrochen. NDR, "Welt" und auch die Nachrichtenagentur dpa hatten am Donnerstagmittag gemeldet, VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch versuche derzeit, in seiner Familie eine Mehrheit für die Ablösung des Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai zu organisieren. Dies geschah jeweils ohne Nennung der Quelle. Offen sei, ob Piëch dabei Porsche-Chef Matthias Müller oder Skoda-Chef Winfried Vahland durchsetzen wolle. Die dpa hatte ihre Nachricht sogar als "Eilmeldung" versendet, was die Nachrichtenagentur in der Regel nur dann unternimmt, wenn sie eine gesicherte, von offizieller Seite bestätigte Faktenlage hat.

Am frühen Nachmittag dementierte Piëch diese Darstellung: "Herr Winterkorn und ich haben uns vergangene Woche ausgesprochen und uns auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt", sagte Piëch dem SPIEGEL. "Ich betreibe seine Ablösung nicht."

Der kommunikative Stellungskrieg illustriert die feindselige Atmosphäre unter den Mitgliedern der Führungsmannschaft von Volkswagen. Nach Informationen des manager magazins halten wesentliche Entscheidungsträger die Situation für zu instabil, um damit in zwölf Tagen vor die Aktionäre zu treten.

Diess: rückständige Produktion

Winterkorn war zuletzt intern in Erklärungsnot geraten. Nach Informationen des manager magazins (Erscheinungsdatum 24. April) hatte der künftige VW-Markenchef Herbert Diess, der am 1. Juli von BMW zu VW wechselt, nach einer Erkundungstour durch VW-Werke die Rückständigkeit der Produktion beklagt. Auch Piëch interessierte sich für Diess' Analyse.

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Das Land sowie der einflussreiche VW-Betriebsrat hatten sich bei einem Krisentreffen des Aufsichtsratspräsidiums am Donnerstag vergangener Woche an Piëchs Sitz in Salzburg zusammen mit der Familie Porsche hinter Winterkorn gestellt, der den Konzern seit 2007 führt. Diese Rückendeckung erneuerten die Akteure nach den Meldungen von NDR, "Welt" und dpa.

Piëch hatte Winterkorn zuvor überraschend das Vertrauen entzogen und Europas größten Autokonzern damit in eine tiefe Führungskrise gestürzt. Bei der Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums kam es daraufhin fast zu einer Revolte gegen den mächtigen Porsche-Enkel. Seither halten sich Gerüchte, Piëch wolle Winterkorn noch vor der Hauptversammlung ablösen.

Unklar ist, ob Wolfgang Porsche, der im VW-Präsidium für seinen Familienzweig spricht, bei seiner Unterstützung für Winterkorn bleibt. Die Familien Porsche und Piëch haben bisher immer an einem Strang gezogen. Selbst im Übernahmepoker zwischen Porsche und Volkswagen Börsen-Chart zeigen vor einigen Jahren fanden beide Familien letztlich einen Kompromiss - "weil Blut eben doch dicker als Wasser ist", wie ein Familieninsider vor kurzem sagte. Konzernkenner hatten schon vor einigen Tagen vermutet, Piëch werde sich nicht an den Präsidiumsbeschluss halten.

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soc, Reuters, dpa

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