Pannenserie frisst GM-Gewinn auf Was nun, Frau Barra?

Kosten für Rückrufe und Entschädigungen von Unfallopfern verhageln GM die Bilanz. Der Gewinn der Opel-Mutter bricht um mehr als 80 Prozent ein. Opel steigert den Absatz, rutscht aber tiefer in die Verlustzone. Der Rivale Ford fährt GM davon.
Während der US-Rivale Ford davonzieht, muss GM-Chefin Mary Barra für das zweite Quartal eine Trümmer-Bilanz präsentieren

Während der US-Rivale Ford davonzieht, muss GM-Chefin Mary Barra für das zweite Quartal eine Trümmer-Bilanz präsentieren

Foto: DPA

Detroit/Hamburg - Enorme Kosten für den Rückruf von 29 Millionen Autos und die Entschädigung von Unfallopfern haben den Gewinn von General Motors (GM) weitgehend aufgezehrt. Während der US-Rivale Ford  sein Ergebnis im zweiten Quartal leicht steigern konnte und in Europa wieder profitabel ist, tut sich für GM ein Loch nach dem anderen auf.

Der Überschuss der Opel-Mutter sackte im Zeitraum April bis Juni um mehr als 80 Prozent auf umgerechnet 140 Millionen Euro ab, wie der Konzern aus Detroit am Donnerstag bekanntgab.

Rückrufe und Entschädigungen belasten mit 1,4 Milliarden Euro

GM steht massiv in der Kritik, weil der Autobauer die Öffentlichkeit zu spät über Probleme mit Zündschlössern informiert haben soll. Knapp 900 Millionen Euro musste der US-Platzhirsch bereits an Kosten für die Rückrufaktion verbuchen. Mindestens knapp 300 Millionen Euro will das Unternehmen nun zusätzlich in einen Entschädigungsfonds für Opfer einzahlen. Knapp 150 Millionen Euro könnten später noch hinzukommen. Das Geld ist für Hinterbliebene vorgesehen, deren Angehörige bei Unfällen zu Tode kamen, die mit den defekten Zündschlössern in Verbindung gebracht werden.

Kein Hersteller hat jemals mehr Autos wegen technischer Probleme in die Werkstätten zurückrufen müssen als GM in den vergangenen Monaten. Auch branchenweit haben die Rückrufe in den USA ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Einer Studie des Center of Automotive Management zufolge waren dort im ersten Halbjahr 37,2 Millionen Wagen betroffen.

"Damit markiert das Jahr 2014 bereits zur Halbzeit das größte Rückrufvolumen aller Zeiten", sagte Institutsleiter Stefan Bratzel. Hinter GM folgt Toyota. Auf Rang drei - gemessen an der Rückrufquote - kam der Elektroauto-Hersteller Tesla, der Probleme mit der Ladetechnik des Model S hat.

Opel steigert Absatz, rutscht aber tiefer in die Verlustzone

Weitgehend ungeschoren von dem Desaster blieb die Tochter Opel, weil deren Autos anders konstruiert sind und die Rüsselsheimer meist andere Bauteile als der Mutterkonzern verwenden. Allerdings sackte das von Opel geführte Europageschäft nach Sanierungserfolgen in den vergangenen Quartalen mit 220 Millionen Euro jetzt wieder tiefer in die operativen Verluste - drei Mal soviel wie im Vorjahreszeitraum. Bei Ford blieb dort dagegen mit gut zehn Millionen Euro vor Steuern ein kleiner Gewinn hängen. Im Vorjahr hatte noch ein hoher Verlust zu Buche gestanden.

Grund für den höheren Verlust von Opel sind Kosten für die Schließung der Bochumer Fabrik mit mehr als 3000 Beschäftigten. Das Aus des traditionsreichen Werks ist neben zahlreichen neuen Automodellen ein wichtiger Bestandteil der Strategie des US-Konzerns, um das chronisch defizitäre Europageschäft Mitte des Jahrzehnts in die Gewinnzone zu führen. Ford hat die schmerzhafte Sanierung seines Europageschäfts mit der Schließung von drei Werken in Großbritannien und Belgien weitgehend hinter sich.

Opel steigerte den Absatz im ersten Halbjahr in Europa um 4 Prozent auf 564.000 Fahrzeuge. Der Marktanteil kletterte leicht auf 5,9 Prozent. Er liegt damit noch weit entfernt von dem für 2022 gesteckten Ziel von 8 Prozent. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 7 Prozent auf sechs Milliarden Dollar.

Ford steigert Gewinn und arbeitet in Europa wieder profitabel

"Die Ergebnisse zeigen, dass wir hier in Europa gemeinsam weiter auf dem richtigen Weg sind", schrieb Opel-Finanzchef Michael Lohscheller in einer Mail an die Mitarbeiter. Er machte zugleich aber klar, dass Opel noch einen langen Weg vor sich hat, um profitabel zu werden. Dazu sei auch eine hohe Kostendisziplin nötig.

"Geben Sie jeden Euro so gewissenhaft aus als wäre es ihr eigenes Geld", appellierte er. Opel müsse zudem weiter an seinem Image arbeiten und den Vertrieb verbessern. "Denn einige europäische Märkte geben leider nicht den erhofften Rückenwind." Während es in Großbritannien, Spanien und Schweden gut laufe, stagnierten die Märkte in Frankreich und Italien weiter, "vom Marktabschwung in Russland ganz zu schweigen". In Russland ist die Pkw-Nachfrage schon seit langem auf Talfahrt, weil die Konjunktur dort schwächelt.

Während der Überschuss des Mutterkonzerns wegbrach, konnte Ford ihn leicht steigern. Der Vorsteuergewinn des zweitgrößten US-Autobauers belief sich im Frühsommer auf 2,6 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr 2014 will der Konzern vor Steuern sieben bis acht Milliarden Dollar verdienen, bekräftigte das Management.

In Europa arbeitet Ford wieder profitabel. Vor Steuern blieb dort im zweiten Quartal ein Gewinn von 14 Millionen Dollar hängen. Es ist das erste Plus seit drei Jahren. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Verlust von 306 Millionen Dollar zu Buche.

An der New Yorker Börse verloren GM-Aktien mehr als 3 Prozent. Ford-Papiere gewannen dagegen knapp 2 Prozent.

Fotostrecke

Langfristvergleich US-Rückrufe: Die US-Rückrufquoten der Autohersteller im Vergleich

Foto: AP/GM
rei/rtr/dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.