Kontra - Warum die Elektroauto-Kaufprämie nichts bringt Sinnlose Zweitwagen-Subvention für Besserverdiener

Subventionsfan lädt nach: SPD-Chef Sigmar Gabriel will den Kauf von Elektroautos mit 5000 Euro Staatgeld fördern

Subventionsfan lädt nach: SPD-Chef Sigmar Gabriel will den Kauf von Elektroautos mit 5000 Euro Staatgeld fördern

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Auf die Frage, was er von Kaufprämien für Elektroautos halte, fand Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine glasklare Antwort: "Es ist nicht die Aufgabe des Staates, beim Absatz von Autos behilflich zu sein", beschied Schäuble vor wenigen Wochen der "Stuttgarter Zeitung".

Leider wird die Bundesregierung nun wohl doch zum Steigbügelhalter der Auto-Bosse, die sich seit Jahren nach einer staatlichen Subvention für ihre in Deutschland kaum verkäuflichen Stromer sehnen. SPD-Chef Sigmar Gabriel und CSU-Chef Horst Seehofer sind längst auf Pro-Prämien-Linie eingeschwenkt. Rund 5000 Euro soll die Förderung je verkauftem Elektroauto betragen. Selbst Alexander Dobrindt, bisher ein strammer Gegner des Zuschusses, hat "keine ideologischen Vorbehalte" mehr gegen solche Kaufprämien.

Vorbehalte sind allerdings angebracht - aus Sicht der Steuerzahler, die diese milde Gabe an die Autobranche zu einem großen Teil finanzieren werden. Zwar werden Elektroautos in Deutschland durch die staatliche Subvention etwas günstiger in der Anschaffung. An den alltäglichen Problemen ändert sich durch die Förderung nach dem Gießkannen-Prinzip jedoch nichts.

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Keines der von deutschen Autoherstellern derzeit angebotenen Elektromodelle bietet mehr als 200 Kilometer Reichweite mit vollem Akku. Fahrzeuge wie BMWs i3 oder VWs Elektro-Golf taugen damit vor allem für den Stadtverkehr. Doch öffentliche Lademöglichkeiten sind in vielen deutschen Städten nach wie vor nur spärlich vorhanden. Deshalb empfehlen die meisten Elektroauto-Anbieter, die Fahrzeuge zu Hause in der Garage zu laden - mit einer Schnelllade-Einrichtung für ein paar hundert Euro extra.

Gewerbliche Elektroauto-Käufer werden benachteiligt

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Ideale Elektroauto-Käufer sind aus Sicht der Autobranche offenbar Einzelhaus-Besitzer, die sich ihren Elektro-Flitzer als Zweitwagen für die Stadt gönnen. Allzu spitze Rechner dürfen die Kunden auch nicht sein. Selbst nach Abzug einer möglichen Prämie kostet VWs Elektro-Golf oder BMWs i3 noch immer 30.000 Euro in der Basisversion. Um bei den Gesamtkosten jemals mit einem Verbrenner-Auto gleichzuziehen, müssten sie Zehntausende, bei den aktuellen Benzinpreisen wohl mehr als 150.000 Kilometer gefahren werden. Das dürfte Privatleuten, die ihren Stromer vor allem in der Stadt bewegen, schwerfallen.

Für die Klimabilanz wäre es besser, wenn der Staat nicht private, wohlhabende Autokäufer mit der Gießkanne fördern würde, sondern Gewerbetreibende. Taxifahrer oder Handwerker fahren oft nur kurze Strecken, davon allerdings vergleichsweise viele. Von den deutlich geringeren Betriebskosten der Elektroautos würden sie also früher profitieren.

Dumm nur, dass sie bei den Subventionsplänen der Politiker nicht an erster Stelle stehen: Denn gewerblich genutzte Stromer sollen nur einen Zuschuss von 3000 Euro je Auto erhalten.

Deutsche überlassen Elektroauto-Massenmarkt kampflos der Konkurrenz

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Die politische Rechnung für die Kaufprämie ist eine einfache: Wenn die Elektroautos etwas billiger sind, werden sie die Deutschen schon in größeren Stückzahlen kaufen. Damit rückt dann auch wieder das von Angela Merkel ausgegebene Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu haben, in greifbarere Nähe.

Sollten die Autohersteller ihre Elektroautopreise noch vor Einführung der Kaufprämie deutlich erhöhen, dürfte sich auch dieses Kalkül schnell in Luft auflösen. Verkehrsminister Dobrindt selbst hat vor einigen Wochen auf diese Gefahr hingewiesen.

Fraglich ist zudem, ob die deutschen Subventionen die hiesigen Autohersteller tatsächlich dazu bewegen, global konkurrenzfähige Elektroautos auf die Straßen zu bringen. Die weltweit meistverkauften E-Modelle stammen bislang nicht von der sonst so stolzen deutschen Autoindustrie, sondern von Nissan und dem kalifornischen Hersteller Tesla. Ob daran Staatsgeld aus deutschen Kassen etwas ändert, darf bezweifelt werden.

US-Autohersteller führen die Deutschen schon wieder vor

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Elektromobilität: Deutsche Autobauer erhöhen das Tempo für ihre Tesla-Fighter

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Marktchancen für neue Elektroauto-Modelle sehen die deutschen Hersteller offenbar nur in der Oberklasse. Dort wollen etwa Audi, Mercedes, Porsche und auch BMW ab 2018 dem bisherigen Platzhirsch Tesla Paroli bieten.

Den möglichen Massenmarkt für rein batteriegetriebene Fahrzeuge überlassen die sonst so stolzen deutschen Autohersteller aber erst mal der Konkurrenz. Tesla etwa will sein Model 3 mit über 300 Kilometern Reichweite noch in diesem Jahr vorstellen, GM bringt ein ähnlich potentes Konkurrenzmodell bereits Anfang 2017 zu den Händlern. Beide Autos sollen rund 35.000 Dollar kosten.

Von Volkswagen, BMW, Mercedes oder Audi, die sonst ja kaum mit neuen Modellen hinter dem Berg halten, gibt es für solche leistungsstärkeren Massenmarkt-Modelle exakt null Ankündigungen. Dabei würden genau solche Modelle preislich am stärksten von der Kaufprämie profitieren. Doch offenbar sieht keiner der deutschen Hersteller in solchen Fahrzeugen richtig gute Marktchancen und investiert entsprechend. Daran wird auch die deutsche Prämie nichts ändern. Auch deshalb ist ihr Sinn mehr als fraglich.

Lesen Sie hier, welche Argumente für die Elektroauto-Kaufprämie sprechen.

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