Saab plant Comeback Schnapsidee der schwedischen Untoten

Ist das eine Meldung aus dem schwedischen Sommerloch - oder ist es ernst gemeint? Die Ende 2011 pleitegegangene Automarke Saab will als Elektroauto-Hersteller zurückkehren und stellt wieder Mitarbeiter ein. Doch die Eckdaten des Projekts lassen Schlimmes befürchten.
Saab 9-3: Das elf Jahre alte Modell soll als Basis für ein E-Mobil herhalten

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Foto: Saab Automobile

Ob Zündschlösser in der Mittelkonsole oder ein kantig-schräges Äußeres: In ihren besten Jahren war die schwedische Automarke Saab immer für eine Überraschung gut. Die liegen zwar jetzt schon einige Jahrzehnte zurück. Doch ihre Schrulligkeit hat sich die Marke aus Trollhättan offenbar bewahrt.

Anders kann man sich die jüngste Meldung der Schweden kaum erklären, ab 2014 Elektroautos auf Basis eines elf Jahre alten Saab-Modells zu bauen. Schon seit längerem gilt Saab als Untoter unter den Automarken - denn totzukriegen sind die Schweden auch unter widrigsten Umständen nicht.

Geliefert haben sie jedoch außer großen Versprechungen schon lange nichts mehr. Im April vor zwei Jahren rollten in Trollhättan die letzten Saab-Modelle vom Band, seither steht das Werk still. Mehrere Verkaufsversuche scheiterten, Ende 2011 musste Saab Insolvenz anmelden. Vor knapp einem Jahr gelang endlich der Verkauf der Traditionsmarke: Seither gehört Saab einem Unternehmen namens National Electric Vehicle Sweden (NEVS), das indirekt von dem chinesisch-schwedischen Geschäftsmann Kai Johan Jiang kontrolliert wird.

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Fotostrecke: Saabs kantige Autoklassiker

Foto: Saab Automobile

Schon bei dem Verkauf spukte NEVS große Töne: Saab sollte sich zu einem führenden Hersteller nobler Elektroautos wandeln. Wie das funktionieren sollte, blieb lange unklar. Doch die Schweden scheinen es tatsächlich ernst zu meinen: Saab stellt in Trollhättan wieder Mitarbeiter an - und hofft laut Aussagen eines NEVS-Sprechers, bereits im Herbst mit der Produktion neuer Saabs beginnen zu können.

Zunächst wird NEVS den alten Saab 9-3 fertigen - ein Fahrzeug, das bereits 2002 auf den Markt kam. Das klingt zu schön, um wahr zu sein, aber es kommt noch besser: Bis 2014 wollen die Schweden den Saab-Oldie zum Elektroauto ummodeln.

Dass Saab mit einem angejahrten Modell zurückkehrt, hat einen einfachen Grund: Die Rechte für neuere Modelle wollte die ehemalige Saab-Mutter General Motors den neuen Eigentümern nicht überlassen. Und die Elektrifizierung des alten 9-3 ist vermutlich eine Notlösung. Zwar hat Saab unter seinem Kurzzeit-Besitzer Spyker eine neue, Phoenix genannte Architektur entwickelt, die auf Automessen für Furore sorgte. Doch diese neue Plattform soll erst später eingesetzt werden, heißt es auf der Saab-Website.

Am Saab-Elektroautokonzept sind bereits andere gescheitert

So muss NEVS für den Neustart ein über ein Jahrzehnt altes Auto zum Elektroauto ummodeln - und fährt damit vermutlich von Anfang an hinterher. Die Chancen, mit einem solchen abgeleiteten Fahrzeug nennenswerte Stückzahlen zu verkaufen, stehen eher schlecht. Ford etwa bietet seit einiger Zeit eine Elektroauto-Variante seines Kompaktwagens Focus an, die Absatzzahlen liegen unter den Erwartungen. Ähnlich ist die Lage bei Renaults Stromer-Version der Limousine Fluence oder Mitsubishis Kleinwagen i-Miev.

Echte Verkaufserfolge mit seinen Stromern kann bisher nur ein Autohersteller vorweisen: Das US-Unternehmen Tesla Motors. Dessen Model S ist allerdings Anfang an als Elektroauto konzipiert worden und basiert nicht wie Saabs künftiges Auto auf einem jahrzehntealten Fahrzeugkonzept. Zudem haben die Amerikaner mehrere hundert Millionen Dollar in die Entwicklung gesteckt.

Dass Saab mit seinem chinesischen Geldgeber über ähnliche Summen verfügt, ist bislang noch nicht durchgedrungen. An dem Konzept "altes Auto, frischer Elektroantrieb" hat sich vor den Saab-Aufrechten bereits ein anderer Hersteller abgearbeitet: Das US-Startup Coda Automotive nutzte für sein Elektroauto aus Kostengründen die Karosserie eines chinesischen Herstellers. Genau 117 Autos lieferte Coda aus, bevor das Unternehmen im März 2013 Insolvenz anmelden musste. Auch andere Pioniere der Elektroauto-Szene - wie etwa der Autohersteller Fisker - sind trotz geduldiger Kapitalgeber gescheitert.

Ein ähnliches Schicksal könnte auch dem Saab-Elektroauto drohen. Denn die Konkurrenz für den Saab-Stromer, der ab 2014 verkauft werden soll, ist hart: BMW ist dann bereits mit seinem Elektroauto i3 am Start. Teslas Model S bekommt spätestens 2015 einen Geländewagen-Bruder. Und in China will Daimler mit seiner Elektroautomarke Denza den Markt aufrollen.

Wo da genau die Schweden-Stromer noch Platz finden sollen, hat Saab bislang noch nicht erklärt. Wie teuer das Auto werden soll, ist noch ebenso unklar wie die Reichweite des Fahrzeugs. Es spricht also vieles dafür, dass der Saab-Neuanfang eher zum Rohrkrepierer wird. Immerhin: Mit Insolvenzen haben die Schweden schon einiges an Erfahrung gesammelt.

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