Mittwoch, 18. September 2019

Mögliche Dacia-Kampfansage Warum sich Opel plötzlich billig gibt

Opels Kleinwagen Agila kostet neu rund 11.000 Euro - doch Opel will im Einstiegssegment unter die 10.000 Euro-Marke

Mit seinem Lob für die Kampfpreis-Automarke Dacia sorgt Opel-Chef Neumann für Aufregung. Dabei schiebt er die Konkurrenz nur vor, um für ein mögliches Opel-Einstiegsmodell zu trommeln. Denn an die Rumänen kommen die Rüsselsheimer nicht heran - und das ist gut so.

Eines muss man Opel-Chef Karl-Thomas Neumann lassen. Er hat ein Gespür dafür entwickelt, den Rüsselsheimer Autohersteller durchaus gekonnt in Szene zu setzen - und auch eher unspektakuläre Aussagen attraktiv zu verpacken.

So sinnierte Neumann gegenüber der Financial Times (FT) über die Erfolge von Renaults erfolgreicher rumänischer Billigmarke. "Dacia ist eine großartige Sache", lobte Neumann. Nun sei die Opel-Mutter GM zwar definitiv nicht Dacia, doch der Bereich Billigautos und Einstiegsmodelle sei "sehr interessant". "Wir sehen uns dieses Segment gründlich an", erklärte Neumann gegenüber der FT.

So weit, so wenig aufregend - denn der Opel-Chef ist damit nicht alleine. Volkswagen bastelt schon länger an einem günstigen Auto für Wachstumsmärkte. Vor einigen Monaten haben die VW-Chefstrategen grünes Licht für das "Budget Car" gegeben, wie manager magazin Mitte März berichtete. Toyota wiederum hat einen seiner Kleinwagen zum Günstig-Mobil abgespeckt. Hyundai bietet sein Modell Xcent in Indien ab rund 5700 Euro an. Nissan belebt seine Marke Datsun wieder - und will mit Neuwagen punkten, die weniger als 5000 Euro kosten sollen.

Bei diesen Kampfpreisen wird Opel niemals mithalten können, wenn die Modelle weiterhin in Westeuropa gebaut werden sollen. Neumann weiß das natürlich. Ein lupenreines Billigauto können die Rüsselsheimer mit ihrer derzeitigen Organisation nicht auf die Beine stellen. Ein günstigeres Auto ist jedoch im Bereich des Möglichen.

Der nebulöse Traum von der GM-Billigmarke

Neumann nützt sein Sinnieren über Dacia geschickt dazu, um eine strategisch viel sinnvollere Alternative zu bewerben: Er will die Opel-Palette um ein günstiges Einstiegsmodell für weniger als 10.000 Euro abrunden. Damit würde Neumann eine Lücke füllen, die der Abzug von Chevrolet aus Europa hinterlassen wird. Die von Opel ungeliebte Schwestermarke hatte mit dem Spark ein Auto für knapp 9000 Euro im Angebot. Opels günstigstes Modell, der Agila, kostet neu etwas weniger als 11.000 Euro.

Ein neues Modell für weniger betuchte Käufer ist aber eine wesentlich nüchternere Nachricht als ein möglicher Angriff auf Dacia. Doch Neumanns nicht gerade zufälliges Lob für Dacia und seine günstigen Fahrzeuge bescherte Opel heute Schlagzeilen - obwohl Neumanns zentrale Ankündigung nicht taufrisch ist. Schon Anfang Juni hatte der Opel-Chef vor Journalisten davon gesprochen, dass er sich ein Modell unterhalb des Adam gut vorstellen könne.

Kaum realistisch erscheint hingegen ein echtes "budget car" mit einem Opel-Logo am Kühlergrill, dass es preislich tatsächlich mit den Rumänen aufnehmen könnte. Neumann jedoch weicht diesem Umstand geschickt aus - indem er die Geschichte in Richtung seiner Konzernmutter General Motors (GM) weiterspinnt. GM erwägt laut Neumann einen kleinen SUV und einen Kompaktwagen unterhalb des Astra als Einstiegsfahrzeuge, die zu ähnlichen Preisen wie Dacia-Modelle angeboten werden sollen.

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