Freitag, 18. Oktober 2019

Mögliche Dacia-Kampfansage Warum sich Opel plötzlich billig gibt

Opels Kleinwagen Agila kostet neu rund 11.000 Euro - doch Opel will im Einstiegssegment unter die 10.000 Euro-Marke

2. Teil: Opel fehlen fast alle Voraussetzungen für ein echtes Billigauto

Konkreter wird Neumann nicht, und dafür hat er gute Gründe. Denn zu seiner eigenen Marke Opel würden echte Billigmobile zu Kampfpreisen um die 8000 Euro kaum passen. Der passionierte Läufer Neumann hat seit seinem Antritt viel Mühen darauf verwendet, das Image der Marke zu verbessern. Das ist ihm in den letzten Monaten offenbar auch in Deutschland gelungen, denn Opels Marktanteil stieg zuletzt leicht an.

Dacia hingegen vermarktet sich als unkonventionelle Alternative für moderne Sparfüchse, die auf automobiles Statusgehabe pfeifen. Was die Werbung allerdings nicht verrät, ist, wo genau für die Kampfpreise gespart wird. Erkennbar ist das zum einen im Innenraum, der bei den meisten Dacia-Modellen aus viel Hartplastik besteht. Auch bei Dämmmaterialien zeigt sich Dacia eher knausrig. Wer einmal längere Autobahnstrecken in einem Logan zurückgelegt hat, kann akustisch deutliche Unterschiede zu deutschen Fabrikaten erkennen.

Im TÜV-Mängelreport 2014 schneidet der Logan zudem in fast allen Altersklassen ziemlich schlecht ab. Opels Kleinwagen Meriva hingegen liegt hier ganz weit vorne. Ein abgespecktes Billigauto auf den Markt zu bringen wäre also vermutlich nicht gerade gut für Opels Pannenstatistik. Wohl auch aus diesem Grund setzen viele große Hersteller auf eigene Marken für ihre besonders günstigen Fahrzeuge. VW will sein "Budget Car" unter einer eigenen Marke vertreiben, Nissan und Renault tun dies ebenfalls. Dass Opel mitten in der Sanierung Geld für den Start einer eigenen Billigmarke übrig hat, scheint allerdings wenig wahrscheinlich.

Billig zu bauen ist ziemlich schwierig

Zumal den Rüsselsheimern dafür auch Werke an Standorten fehlen, die richtig günstig produzieren können. Denn nur dann geht die Rechnung mit den Billigautos auf: Renault lässt seine Dacia-Fahrzeuge in Rumänien und in Marokko fertigen, wo die Löhne weit unterhalb des Niveaus in Westeuropa liegen.

Um mit den "budget cars" Geld zu verdienen, müssen die Autos auch etwas anders konstruiert werden. Die Anzahl der im Auto verwendeten Teile sollte geringer sein, meinte der "Vater" der Dacia-Billigautos, Gerard Detourbet, einmal. Solche Autos kosten weniger in der Entwicklung und seien leichter zusammenzubauen. Gerade damit dürfte sich Opel aber aktuell mit seiner auf mehrere Länder verteilten Produktion eher schwertun.

Wohl auch deshalb tut Neumann wohl gut daran, lieber auf ein Auto im Einstiegssegment als auf ein richtiges Billigauto zu setzen. Denn Autos zu Kampfpreisen zu bauen ist alles andere als einfach, wie das Beispiel Volkswagen zeigt. Seit Jahren schon wollen die Wolfsburger in diesem Bereich mitmischen. Die geplante Zusammenarbeit mit dem japanischen Autohersteller Suzuki in diesem Bereich scheiterte jedoch. Und mit dem Alleingang tun sich Volkswagen nicht gerade leicht: Denn das OK für das Billigauto zog sich über Jahre - und benötigte mehrere Anläufe.

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