Daimler glänzt mit Bilanz für 2015 Zetsche setzt zum finalen Manöver an

Für 2015 hat Daimler-Chef Dieter Zetsche eine fulminante Bilanz vorgelegt. In diesem Wachstumstempo wird es kaum weitergehen. Doch nun ist die Basis da, auch BMW zu überholen - und das möglichst dauerhaft.
Daimler-Chef: Dieter Zetsche nimmt nun Kurs auf Erzkonkurrenten BMW

Daimler-Chef: Dieter Zetsche nimmt nun Kurs auf Erzkonkurrenten BMW

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Dieter Zetsche hätte jeden Grund dazu, verbal kräftig aufzudrehen. Für das Jahr 2015 hat er eine goldgeränderte Bilanz abgeliefert: Daimlers Konzerngewinn stieg im vergangenen Jahr um ein Viertel, der Absatz von Mercedes-Pkw um ein Achtel. Und auch bei der Umsatzrendite im Pkw-Geschäft hat Daimler eine Punktlandung hingelegt. Sie lag bei zehn Prozent vom Umsatz - und damit exakt bei der Zielmarke, die Zetsche vor einigen Jahren ausgegeben hatte.

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Dennoch hielt sich Zetsche mit Superlativen zurück. "2015 war ein gutes Jahr für Daimler", erklärte der Vorstandschef das schöne Zahlenwerk erstaunlich nüchtern. "Es ist schwer, an die Spitze zu kommen", resümierte Zetsche - das wisse Daimler aus eigener Erfahrung. Noch schwerer sei es, vorne zu bleiben. Doch Daimler gehöre dauerhaft an die Spitze. Das sei der Anspruch des Unternehmens.

Dieses Ziel hat Zetsche schon vor zwei Jahren in konkrete Zahlen gegossen: Bis 2020 soll etwa Daimlers Pkw-Sparte im Schnitt eine Umsatzrendite von 10 Prozent erreichen, die zufriedensten Kunden haben - und bei den Absatzzahlen wieder klar an erster Stelle vor den Erzkonkurrenten BMW und Audi liegen.

Günstige Ausgangslage für Rekordjagd

Im vergangenen Jahr hat Zetsche einige dieser Ziele bereits erfüllt. Bei der Mercedes-Rendite etwa legte er eine Punktlandung hin. Das Problem dabei ist nur: Das zuletzt vorgelegte Tempo mit seinen beeindruckenden Steigerungsraten kann er nicht halten. Bei der Jagd nach Wachstumsrekorden dürfte das Jahr 2015 deshalb Zetsches Zenit markieren. Doch es legt eine gute Basis für ein letztes Überholmanöver des Daimler-Chefs.

Daimlers Höhenflug haben zuletzt auch ein paar externe Faktoren beflügelt. In den USA etwa lief die Autokonjunktur auf Hochtouren, auch in Europa zog der Markt merklich an. Das half Lkw-Spartenchef Wolfgang Bernhard dabei, die kräftigen Rückgänge in Russland und Brasilien auszugleichen.

Doch auch das Pkw-Geschäft hat vom guten Absatzklima in den beiden Kontinenten profitiert. Der schwache Euro und niedrige Ölpreise haben dem Export von Mercedes-Luxusfahrzeugen zusätzlich Schub verliehen. Mit der 2013 eingeführten neuen S-Klasse hatte Mercedes ein leichtes Spiel gegen die Konkurrenten - denn Audi und BMW haben ihre Oberliga-Flagschiffe erst im vergangenen Jahr rundum erneuert.

Rasante Aufholjagd in China geht zu Ende

Im Pkw-Bereich hat Daimler dabei gekonnt vorgeplant: Die C-Klasse ließ Zetsche vor zwei Jahren generalüberholen, zuletzt hat sich Mercedes vor allem auf SUV-Modelle konzentriert. Jetzt kann Mercedes neue oder überarbeitete Gelände-Varianten in fast jeder Größe vorfahren. Ganz neu im Programm ist etwa der C-Klasse-Abkömmling GLC - und die Coupéversion des E-Klasse-Ablegers GLE. Die Hochbock-Varianten verkaufen sich bestens. In diesem Jahr soll die neue E-Klasse die Dienstwagen-Konkurrenz aus Ingolstadt und München ausstechen.

Dennoch werden Daimlers Wachstumsraten in diesem Jahr niedriger liegen als zuletzt, warnt Zetsche - der Gewinn soll 2016 nur noch leicht steigen. Ein Hauptgrund dafür liegt in Asien: Die rasante Aufholjagd von Mercedes in seinem mittlerweile größten Absatzmarkt China geht zu Ende. Um 41 Prozent steigerte Daimler seinen Absatz zuletzt im Reich der Mitte.

Knackt Daimler die Zwei-Millionen-Marke?

In diesem Jahr wird die Wachstumsrate im Reich der Mitte allerdings moderater ausfallen, heißt es bei Daimler - was die Aktionäre gar nicht freut. Und auch im Nutzfahrzeug-Geschäft fallen die Wachstumsaussichten nur verhalten aus.

Doch selbst das erwartete niedrigere Wachstum im Pkw-Geschäft könnte für Zetsches letztes großes Manöver ausreichen. Denn im vergangenen Jahr hat die Hauptmarke Mercedes-Benz 1,87 Millionen Fahrzeuge abgesetzt und damit Audi überholt. Nun liegen die Schwaben im weltweiten Absatzrennen der Luxusautomarken nur mehr knapp hinter Platzhirsch BMW.

In diesem Jahr könnte Daimler noch die Zwei-Millionen-Marke knacken, prognostiziert das Analysehaus IHS Automotive. Damit würde Daimler BMW überrunden und läge nach gut zehn Jahren wieder auf Platz eins.

Damit wäre die Erfolgsfahrt von Dieter Zetsche dann komplett - wenn es ihm gelingt, die ehrgeizigen Rendite- und Absatzvorgaben noch zwei Jahre zu halten. Denn Zetsches Vertrag wird demnächst bis 2019 verlängert. Nach außen hin dämpft Zetsche zwar die Erwartungen für dieses Jahr. Doch intern dürfte er seine Mannschaft weiter kräftig antreiben und Erzkonkurrent BMW das Leben ziemlich schwer machen.

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