Öko-Bewertung von Zulieferern geplant VW will Vorreiter bei CO2-freier Autoproduktion werden

Prototyp des VW-Elektroautos ID Neo: Der Wagen soll in der Herstellung komplett CO2-neutral sein

Prototyp des VW-Elektroautos ID Neo: Der Wagen soll in der Herstellung komplett CO2-neutral sein

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Details zu geplanten Elektroauto-Modellen: So will VW in die neue Elektro-Ära starten

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Es sind große Versprechungen, die der Autohersteller in einer aktuellen Presseaussendung  gibt: Volkswagen stelle "die Weichen für eine nachhaltige Mobilität" und übernehme eine "Vorreiterrolle" mit dem Elektromodell ID - denn das Auto werde "über die gesamte Lebensdauer bilanziell CO2-neutral sein". Die Wolfsburger garnieren ihr Vorhaben auch gleich mit einer großen Zahl: Eine Million Tonnen CO2 will Volkswagen bei der Produktion des Elektromodells ID Neo in Zwickau einsparen, die im Herbst starten soll. Das ist in etwa so viel, wie bei 2000 Flügen von Frankfurt nach New York in vollbesetzten Jumbo-Jets anfällt.


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Hinter dem Vorhaben soll mehr stecken als oberflächliche Imagepolitur. Denn VW will nicht nur das Elektroautowerk mit Ökostrom betreiben. Der Konzern will die Emissionen seiner Fahrzeuge über den gesamten Lebenszyklus hinweg drücken - also von der Herstellung der Rohstoffe über die Fahrphase bis hin zur Verschrottung. Und dafür nehmen sich die Wolfsburger nun auch ihre Lieferanten vor.

Denn die bloße CO2-Neutralität der Autofabriken reicht nicht für ein grünes Aushängeschild. Damit die Wende zum ökologisch vorbildlichen Autohersteller glaubwürdig wird, will Volkswagen seine 40.000 Zulieferer künftig auch nach Nachhaltigkeitskriterien bewerten. Die Zulieferer müssen dann nachweisen, dass sie Energie aus nachhaltiger Erzeugung beziehen, wo es technisch möglich ist. Es ist ein "Ultimatum", wie es die "Financial Times" (FT) nennt . "Sollte es Verstöße geben, werden unsere Partner nicht mehr unsere Partner sein", drückt es ein VW-Manager gegenüber der Zeitung unverblümt aus.

Warum sich Batteriezellen-Hersteller mit Öko-Initiativen schwer tun

Damit VW-Elektroautokäufer nicht schmutzigen Kohlestrom in ihre Batterien laden, hat VW im vergangenen Monat "Elli" gegründet. Der Energiedienstleister soll Eigenheimbesitzern den Bezug von Ökostrom zum Laden der Elektroautos ermöglichen. Über "Elli" hinaus ist der Volkswagen-Konzern als Mitgründer Teil des Ionity-Konsortiums, das 400 Schnelladesäulen bis 2020 entlang europäischer Autobahnen errichten will.

All das sei ein "Indiz, dass es Volkswagen ernst meint mit der Elektromobilität", meint Florian Hacker vom Öko-Institut. Über Standards, die Volkswagen seinen Zulieferern vorgebe, könne der Autohersteller vieles steuern. "Der Teufel liegt aber in den Details der Umsetzung", warnt er.

Wenn VW rund um sein Werk in Zwickau etwa Extra-Windräder für die Fabrik errichte, hätte das tatsächlich positive Auswirkungen für die deutsche Klimabilanz. Kaufen die Wolfsburger für das Werk hingegen bloß Grünstrom-Zertifikate ein, sei der Effekt nur sehr gering. Um die Anstrengungen von VW besser bewerten zu können, müsse der Konzern die konkreten Maßnahmen offenlegen, fordert Hacker - und am besten sollten sich die Wolfsburger das auch unabhängig prüfen lassen.

"Grundsätzlich ist es löblich, dass Volkswagen diese Anstrengungen unternimmt", meint Lars Mönch, der beim Umweltbundesamt das Fachgebiet Schadstoffminderung und Energieeinsparung leitet. Volkswagen gewinne dadurch beim Image, was völlig legitim sei. Wenn sich große Firmen zu Klimaschutzzielen bekennen, habe dies eine hohe öffentliche Wirkung. Der reine Einkauf von Strom aus regenerativer Erzeugung werde aber vor allem der CO2-Bilanz des Konzerns helfen, meint er. Aber ein echter Zugewinn für den Klimaschutz entstehe erst, wenn VW seinen eigenen Ökostrom produziere- und etwa eigene Windmühlen rund um seine deutschen Werke baue, die nicht EEG-gefördert sind.

CO2-Ausgleich auch über Investitionen in Klimaprojekte

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Es dürfte auch nicht einfach werden, alle VW-Zulieferer zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen. Gerade bei der energieaufwändigen Batteriezellenerzeugung seien die Margen sehr schmal, sagte ein Analyst gegenüber der "FT". Deshalb dürften nur wenige Zulieferer derzeit das Geld für Öko-Initiativen aufbringen können. Aktuell seien Hersteller eher darauf fokussiert, den Kobaltanteil in den Batterien und die Herstellungskosten zu senken. CO2-Neutralität in der Batterieproduktion, so der Analyst, sei zwar für die Unternehmen ein Ziel - aber erst im kommenden Jahrzehnt.

Für seine Elektroautofabrik in Zwickau bezieht Volkswagen Batteriezellen vom koreanischen Hersteller LG Chem, der dafür ein Fertigungswerk in Polen aufbaut. Mit den Koreanern hat VW vereinbart, dass für die Fertigung der Zellen ausschließlich zertifizierter Grünstrom verwendet wird. Die CO2-Emissionen aus diesem Bereich sinken laut VW so fast auf Null. Um hier wirklich glaubwürdig zu sein, müsste VW die Zertifikate seiner Zulieferer konkret benennen, meint Hacker. Erst dann könne man den Anspruch der CO2-Neutralität gut überprüfen.

Auch die Konkurrenz arbeitet an CO2-neutralen Autofabriken - ist damit aber auch noch nicht am Ziel. Der US-Elektroautohersteller Tesla etwa will seine Gigafactory-Batteriefabrik ausschließlich mit Ökostrom betreiben und so in der Fertigung CO2-neutral sein. Allerdings wird die Fabrik laut Tesla-Chef Elon Musk erst Ende 2019 komplett mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Dafür bestückt Tesla das Fabrikdach und einen Teil des Bodens mit tausenden Solarpanelen.

Auch BMW und Daimler trimmen ihre Fabriken auf Nachhaltigkeit. Daimler etwa will seine deutschen Werke ab 2022 komplett CO2-neutral betreiben und Strom nur aus regenerativen Energien beziehen. BMW zielt etwa in seinem Werk Leipzig, wo das Elektroauto i3 hergestellt wird, auf eine möglichst CO2-neutrale Produktion ab: Auf dem Werksgelände sorgen Windräder für grünen Strom, ausrangierte i3-Batterien dienen als Ökostrom-Speicher.

Bei den Lieferanten von Volkswagen aber fallen bei der Herstellung des ID noch größere CO2-Emissionen an - etwa in der Stahlerzeugung, bei dem Bau von Elektroautomotoren oder der Aufbereitung von Rohstoffen. Solche "nicht vermeidbaren Emissionen im gesamten Herstellungsprozess" wollen die Wolfsburger über Investitionen in zertifizierte Klimaprojekte ausgleichen, damit die ID-Herstellung zum Marktstart auf dem Papier komplett CO2-neutral ist.

Auch intern schafft VW mehr Bewusstsein für CO2-Emissionen

Nicht nur in der Autoproduktion, auch unternehmensintern will Volkswagen seinen Mitarbeitern mehr Sensibilität bei CO2-Emissionen einimpfen. So sollen die Angestelltennach einem "Spiegel"-Bericht  künftig für den Ausstoß des Klimagases CO2 etwa bei Flugreisen bezahlen. Eine interne "CO2-Steuer" solle Anreize schaffen, den Kohlendioxidausstoß zu verringern, schrieb das Magazin unter Berufung auf einen Brief von VW-Chef Herbert Diess (60) an seine Führungskräfte.

Der hauseigene Flugservice wird demnach den Managern je verursachter Tonne CO2 100 Euro in Rechnung stellen. Mit dem Geld will VW Klimaschutzprojekte mitfinanzieren. Nach VW-Angaben steht das Unternehmen zu seiner Verantwortung und den Klimazielen von Paris. Es sei noch keine endgültige Entscheidung gefallen, wie das genau aussehen werde.

Laut Konzern ist es das Ziel, die gesamte Wertschöpfungskette CO2-neutral zu gestalten. Dies müsse auch intern gelten. Ohnehin will Diess dafür sorgen, dass die Manager mit Anspruch auf einen Dienstwagen auf Batterieautos umsteigen. Diess hatte im vergangenen Jahr vor Managern kritisiert, es dürfe nicht sein, Kunden den Kauf sparsamer, sauberer Autos ans Herz zu legen und selbst schwere, PS-starke Geländewagen zu fahren.

mit Material von dpa