Freitag, 19. Juli 2019

Öko-Bewertung von Zulieferern geplant VW will Vorreiter bei CO2-freier Autoproduktion werden

Prototyp des VW-Elektroautos ID Neo: Der Wagen soll in der Herstellung komplett CO2-neutral sein

Es sind große Versprechungen, die der Autohersteller in einer aktuellen Presseaussendung gibt: Volkswagen stelle "die Weichen für eine nachhaltige Mobilität" und übernehme eine "Vorreiterrolle" mit dem Elektromodell ID - denn das Auto werde "über die gesamte Lebensdauer bilanziell CO2-neutral sein". Die Wolfsburger garnieren ihr Vorhaben auch gleich mit einer großen Zahl: Eine Million Tonnen CO2 will Volkswagen bei der Produktion des Elektromodells ID Neo in Zwickau einsparen, die im Herbst starten soll. Das ist in etwa so viel, wie bei 2000 Flügen von Frankfurt nach New York in vollbesetzten Jumbo-Jets anfällt.


Mehr dazu: VW-Werk in Zwickau - das wichtigste Projekt der deutschen Autoindustrie


Hinter dem Vorhaben soll mehr stecken als oberflächliche Imagepolitur. Denn VW will nicht nur das Elektroautowerk mit Ökostrom betreiben. Der Konzern will die Emissionen seiner Fahrzeuge über den gesamten Lebenszyklus hinweg drücken - also von der Herstellung der Rohstoffe über die Fahrphase bis hin zur Verschrottung. Und dafür nehmen sich die Wolfsburger nun auch ihre Lieferanten vor.

Denn die bloße CO2-Neutralität der Autofabriken reicht nicht für ein grünes Aushängeschild. Damit die Wende zum ökologisch vorbildlichen Autohersteller glaubwürdig wird, will Volkswagen seine 40.000 Zulieferer künftig auch nach Nachhaltigkeitskriterien bewerten. Die Zulieferer müssen dann nachweisen, dass sie Energie aus nachhaltiger Erzeugung beziehen, wo es technisch möglich ist. Es ist ein "Ultimatum", wie es die "Financial Times" (FT) nennt. "Sollte es Verstöße geben, werden unsere Partner nicht mehr unsere Partner sein", drückt es ein VW-Manager gegenüber der Zeitung unverblümt aus.

Warum sich Batteriezellen-Hersteller mit Öko-Initiativen schwer tun

Damit VW-Elektroautokäufer nicht schmutzigen Kohlestrom in ihre Batterien laden, hat VW im vergangenen Monat "Elli" gegründet. Der Energiedienstleister soll Eigenheimbesitzern den Bezug von Ökostrom zum Laden der Elektroautos ermöglichen. Über "Elli" hinaus ist der Volkswagen-Konzern als Mitgründer Teil des Ionity-Konsortiums, das 400 Schnelladesäulen bis 2020 entlang europäischer Autobahnen errichten will.

All das sei ein "Indiz, dass es Volkswagen ernst meint mit der Elektromobilität", meint Florian Hacker vom Öko-Institut. Über Standards, die Volkswagen seinen Zulieferern vorgebe, könne der Autohersteller vieles steuern. "Der Teufel liegt aber in den Details der Umsetzung", warnt er.

Wenn VW rund um sein Werk in Zwickau etwa Extra-Windräder für die Fabrik errichte, hätte das tatsächlich positive Auswirkungen für die deutsche Klimabilanz. Kaufen die Wolfsburger für das Werk hingegen bloß Grünstrom-Zertifikate ein, sei der Effekt nur sehr gering. Um die Anstrengungen von VW besser bewerten zu können, müsse der Konzern die konkreten Maßnahmen offenlegen, fordert Hacker - und am besten sollten sich die Wolfsburger das auch unabhängig prüfen lassen.

"Grundsätzlich ist es löblich, dass Volkswagen diese Anstrengungen unternimmt", meint Lars Mönch, der beim Umweltbundesamt das Fachgebiet Schadstoffminderung und Energieeinsparung leitet. Volkswagen gewinne dadurch beim Image, was völlig legitim sei. Wenn sich große Firmen zu Klimaschutzzielen bekennen, habe dies eine hohe öffentliche Wirkung. Der reine Einkauf von Strom aus regenerativer Erzeugung werde aber vor allem der CO2-Bilanz des Konzerns helfen, meint er. Aber ein echter Zugewinn für den Klimaschutz entstehe erst, wenn VW seinen eigenen Ökostrom produziere- und etwa eigene Windmühlen rund um seine deutschen Werke baue, die nicht EEG-gefördert sind.

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