Klaus Zellmer Kein leichter Start für neuen Škoda-Chef

Mit Klaus Zellmer wird ein Vertriebsprofi neuer Chef beim tschechischen Autobauer Škoda. Die Volkswagen-Tochter steht vor großen Herausforderungen – von Corona über Lieferengpässe bei ukrainischen Zulieferern bis hin zum Stopp des Russland-Geschäfts.
Von Wolfsburg nach Prag: Der bisherige Vertriebschef der Marke Volkswagen, Klaus Zellmer, wird neuer Vorstandschef der Konzerntochter Škoda

Von Wolfsburg nach Prag: Der bisherige Vertriebschef der Marke Volkswagen, Klaus Zellmer, wird neuer Vorstandschef der Konzerntochter Škoda

Foto: Bernhard Huber Munich / dpa

Die tschechische Volkswagen-Tochter Škoda bekommt nach weniger als zwei Jahren einen neuen Chef: Der bisherige Vertriebsvorstand der VW -Kernmarke, Klaus Zellmer (54), wechselt zum 1. Juli nach Mladá Boleslav bei Prag. Das teilte der Autobauer am Montag mit, nachdem zuvor bereits mehrere Medien über die Pläne berichtet hatten. Škoda gehört seit 1991 zum Wolfsburger Konzern und stellt unter anderem den Mittelklassewagen Octavia, den Kompakt-SUV Karoq und das Elektroauto Enyaq iV her.

Zellmer wird auf Thomas Schäfer (52) folgen, der noch in diesem Jahr die Leitung der Marke Volkswagen Pkw übernehmen soll. Der 54-Jährige begann seine Karriere beim Sportwagenhersteller Porsche, wo der Diplom-Betriebswirt als Vorstandsassistent begann. Vor seinem Wechsel zu VW war er für das Nordamerika-Geschäft des Pkw-Herstellers mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen verantwortlich. Der Škoda-Aufsichtsratsvorsitzende Murat Aksel beschrieb Zellmer als einen "absoluten Auto-Fachmann", der strategischen und unternehmerischen Weitblick bewiesen habe.

Russland war für Skoda ein wichtiger Absatzmarkt

An der Skoda-Spitze erwarten den neuen Chef zahlreiche Herausforderungen und Unsicherheiten. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen aufgrund des Krieges in der Ukraine und der Lieferengpässe mit erheblichen Belastungen für das operative Geschäft. Die Entscheidung des VW-Konzerns, die Produktion und Exporte nach Russland auszusetzen, dürfte nicht ohne Auswirkungen für die tschechische Tochtermarke bleiben.

Russland war für Škoda 2021 der zweitwichtigste Absatzmarkt mit 90.400 ausgelieferten Fahrzeugen – gleich nach Deutschland mit 136.800 Auslieferungen und noch vor Tschechien. In die Ukraine wurden nur rund 6000 Fahrzeuge exportiert. Die meisten Škodas werden dort von der Partnerfirma Eurocar in Lizenz hergestellt. Doch die Ukraine ist auch ein wichtiges Zulieferland für die Autoindustrie. Bei Škoda in Tschechien sorgte das zuletzt für Probleme in der Lieferkette, weil etwa Kabelstränge fehlten.

Weltweit lieferte Škoda im vorigen Jahr 878.200 Fahrzeuge aus – erstmals seit 2013 wurde damit Schwelle von einer Million unterschritten. Zu den Problemen mit der Coronapandemie gesellten sich für den Autobauer aus Mladá Boleslav auch noch Engpässe bei Halbleitern.

Auch wenn heute vieles aus dem Konzernbaukasten kommt, setzt man bei Škoda seit jeher auf eine eigene Designsprache. Unter Schäfers Ägide präsentierte die Marke den neuen vollelektrischen SUV Enyaq iV. Der Kleinwagen Fabia kam in seiner vierten Generation heraus. Eine Kombiversion des Volumenmodells Fabia wurde indes wieder verworfen, um sich stärker auf die Elektromobilität zu konzentrieren.

In Prag macht man sich Hoffnungen, dass VW eine Batteriezellenfabrik in Tschechien bauen könnte. Bereits bekannt ist, dass der Konzern bis 2030 sechs solcher "Gigafabriken" in Europa betreiben will. Beobachter erwarten, dass nach Schweden, Deutschland und Spanien auch ein mittelosteuropäisches Land zum Zuge kommen könnte.

rei/dpa-afx