Dienstag, 21. Mai 2019

Umbau der Autoindustrie Deutsche Autoindustrie - vom Lobbyismus zur Öko-Ökonomie

Als Kenner der Autoindustrie ist mir die Bedeutung dieser Branche für Wohlstand, Wachstum und Beschäftigung bekannt. Genau so ist mir bewusst, dass sich diese Schlüsselindustrie, ausgehend von gesetzlichen Regelungen und technischen Neuerungen, in den nächsten Jahren verändern wird wie nie zuvor in ihrer Geschichte - und dass sich damit auch die gesellschaftliche Debatte über diese Industrie drehen wird. Mit diesem Beitrag möchte ich dazu beitragen, dass eine konstruktive, ideologiefreie Diskussion über den Umbau unserer Mobilitäts- und Autoindustrie erfolgreich und überzeugend geführt werden kann.

Klaus Franz
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    Oliver Ruether für manager magazin
    Klaus Franz wurde als oberster Arbeitnehmervertreter in dem Überlebenskampf 2008/10 von Opel/Vauxhall und General Motors in Europa zu einem wichtigen Krisenmanager. Dafür wurde der heute 64-Jährige unter anderem 2009 mit dem internationalen Preis "Kommunikator des Jahres" ausgezeichnet. Heute berät er ArbeitnehmerInnen und Management in Veränderungsprozessen.
    www.forum-urbanum.de

Arbeitsplätze versus Umweltschutz, das ist die Schützengraben-Mentalität der vergangenen Jahre. Jetzt gilt es, die Autoindustrie durch eine Kombination der beiden Sphären auf eine neue Ebene zu heben. Die Möglichkeit dazu ist da, vielen Warnrufen zum Trotz. Trends wie Digitalisierung und Industrie 4.0 müssen nur richtig genutzt werden; dann werden auch sie zu einem konstruktiven Miteinander von Ökonomie und Ökologie beitragen. Die Debatten auf dem von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann organisierten Autogipfel und auf dem Zukunftskongress der hessischen Grünen gingen in die richtige Richtung.

Leider zieht die Politik in Deutschland in dieser Frage noch nicht an einem Strang. Die gesellschaftliche Meinung zum Auto verändert sich mittlerweile ziemlich schnell. Doch zwischen kollektiver Einsicht und individuellem Handeln klafft beim Auto noch eine ordentliche Lücke.

Nach einer Studie von Autoscout24 aus dem Jahr 2015 erwarten 88,1 Prozent der Deutschen von ihrem nächsten Auto, dass es umweltfreundlich ist. Bei einem Ranking der Umweltfreundlichkeit von Automarken lag Toyota Börsen-Chart zeigen vorn. Es folgten - das war noch vor Dieselgate - VW Börsen-Chart zeigen W, BMW Börsen-Chart zeigen und auf Platz 4 schon Tesla Börsen-Chart zeigen. Die deutschen Hersteller sollten den Anspruch haben, besser abzuschneiden.

Insbesondere in den Städten wollen immer weniger Menschen ein eigenes Fahrzeug besitzen. Was langjährige grüne Überzeugungskraft nicht geschafft hat, haben der Dieselskandal und die wachsende Stickoxidbelastung in den Ballungszentren auf die Tagesordnung gebracht. Die Emissionen nehmen zu und sinken nicht, die Fahrzeugbestände wachsen weltweit; und das führt zu veränderten gesellschaftlichen Einsichten. Selbst Fahrverbote in den Städten sind plötzlich Thema.

Die Autoindustrie steht vor einer Zeitenwende. Technologie, Aufgaben der Mitarbeiter, Investitionen, Geschäftsmodelle und die Konzentration der Branche; alles wird sich ändern. Die amerikanischen Autokonzerne General Motors Börsen-Chart zeigen und Ford Börsen-Chart zeigen passen sich den neuen Trends bereits an. Sie bereiten einen radikalen Umbau vor; und über kurz oder lang wird sich auch die europäische Autoindustrie dieser Transformation nicht versperren können. Der Angriff neuer, technologiegetriebener Unternehmen wie Tesla, Google Börsen-Chart zeigen und Uber wird diese Entwicklung nur noch beschleunigen.

Die Diskussion über Ökologie oder Ökonomie erhält vor diesem Hintergrund eine ganz neue Dimension. Bislang haben es die Konzerne durch Lobbyismus geschafft, im Status quo zu verharren. Anstatt die Technik zum Schutz der Menschen weiter zu entwickeln und gleichzeitig die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, haben die Unternehmen insbesondere in Deutschland versucht, die Politik mit dem Argument der Arbeitsplätze zu erpressen - und so die Umweltvorschriften sehr zahm zu halten. Zu zahm sogar, das wird inzwischen immer klarer. Eindeutige Auflagen und Vorschriften hätten die Industrie zum Beispiel gezwungen, schneller bessere Elektroautos zu entwickeln und die notwendige Infrastruktur aufzubauen.

So aber müssen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Daimler-CEO Dieter Zetsche eingestehen, dass die für das Jahr 2020 versprochenen eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen nicht mehr realistisch sind. Heute sind lediglich 65.000 Plugin-Hybrid- und batterieelektrische Fahrzeuge in Deutschland zugelassen. Über die Ursachen allerdings und über die Konsequenzen dieses gemeinsamen Scheiterns von Industrie und Politik wird nicht geredet.

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