Samstag, 28. März 2020

Pläne von Audi, BMW und Daimler für Kartendienst Wie Here zum "weltbesten Live-Abbild der Realität" werden soll

Der Kartendienst Here soll künftig Echtzeit-Daten aus den Fahrzeugen seiner neuen Eigentümer Audi, BMW und Daimler erhalten

Präzise digitale Karten sind eine der Grundzutaten für selbstfahrende Autos. Audi, BMW und Daimler haben deshalb drei Milliarden Euro für die Nokia-Kartentochter Here ausgegeben. Nun haben sie erstmals ehrgeizige Pläne für den Kartendienst vorgestellt - ohne dabei allzu konkret zu werden.

Dabei ging es um nicht weniger als die Zukunft der Autobranche und ein paar deutliche Abgrenzungen gegen die Konkurrenz. Um Offenheit versus geschlossene Ökosysteme. Um Sicherheit von persönlichen Daten und um den wichtigsten Rohstoff für selbstfahrende Autos: Hochpräzise digitale Karten, die der Kartendienst Here heute schon entwickelt - und die nach Auskunft seiner neuen Eigentümer nicht nur der Autoindustrie dienen sollen.

Es ist eine "beispiellose Kooperation unter Rivalen", sagte Audi-Chef Rupert Stadler am Montag vor einer weißen Wand mit grauen Here-Logos. Tatsächlich gab es so etwas in der Autobranche bislang noch nicht. Nur sollen die Here-Kunden von den neuen Herren im Haus erstmal wenig mitbekommen: Die deutschen Autohersteller wollen den Kartendienst auch für Konkurrenten offenhalten und außerhalb der Autoindustrie vermarkten.

Daten aus vernetzen Autos sollen Here-Karten verbessern

"Wir laden weitere Partner ein, sich mit uns zusammenzutun, aus der Autobranche oder sonstwoher", warb Stadler für die Offenheit des Kartendienstes. Autozulieferer haben bereits erstes Interesse signalisiert. Seinen Vision für Here fasste er so zusammen: Der Kartendienst solle die weltbeste Live-Abbildung der Realität werden - also ein Service, "der weiß, was wo im konkreten Augenblick passiert".

Damit dies klappt, überlegen die Autokonzerne, Daten von Sensoren aus ihren vernetzten Fahrzeugen in Here einfließen zu lassen - die Autos sollen sozusagen als Echtzeit-Vermesser für Here fungieren. Zwei Millionen solcher Autos sind bereits unterwegs. Welche Daten sie künftig an Here übermitteln dürfen, wollen die Autokonzerne in den kommenden Monaten festlegen.

Denn bei dem Thema Datensicherheit sind die Autohersteller vorsichtig und wollen sich merklich von anderen großen Kartenanbietern Google und TomTom abgrenzen: Sie wollen ihre Kunden klar um Erlaubnis fragen, welche Daten aus ihren Autos übermittelt werden. "Mit den Daten wollen wir unsere Kunden unterstützen - nicht sie kontrollieren", wagt Daimler-Technikchef Thomas Weber einen kleinen Seitenhieb auf die Datensammelwut der IT-Konzerne.

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