Sonntag, 31. Mai 2020

Pläne von Audi, BMW und Daimler für Kartendienst Wie Here zum "weltbesten Live-Abbild der Realität" werden soll

Der Kartendienst Here soll künftig Echtzeit-Daten aus den Fahrzeugen seiner neuen Eigentümer Audi, BMW und Daimler erhalten

2. Teil: Autohersteller sehen sich bei Here vor allem als Investoren - nicht als Mitbestimmer

Das große Ziel der Autohersteller ist klar: Here soll die Autobauer in die Lage versetzen, mit hochpräzisen Daten auch selbstfahrende Fahrzeuge zu navigieren. Herkömmliche Navigationskarten für Autos sind bis auf wenige Meter genau, Hochpräzisionskarten für autonome Fahrzeuge stellen die Umgebung dagegen zentimetergenau dar.

Die Here-Karten sollen genug Umgebungs-Informationen enthalten, damit ein Auto seine exakte Position auch ohne GPS-Satellitensignal feststellen kann. Diese Qualität hätten bereits einige Karten, mit denen selbstfahrende Fahrzeuge in den USA, Deutschland, Frankreich und Japan getestet würden, sagte Stadler.

Bereits heute sind zwei Millionen vernetzte Fahrzeuge der drei deutschen Hersteller unterwegs - die bald zu Here-Datenlieferanten werden sollen. Mit den anonymisierten Daten können in den Karten zum Beispiel die aktuelle Verkehrslage oder der Zustand der Straßen berücksichtigt werden.

Dabei ist eine breite Datenbasis besonders wichtig: Je mehr Informationen in das System einfließen, desto präziser funktioniert es. BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich betonte zugleich, man sammele Daten aus den Fahrzeugen, aber nicht über die Fahrer.

Offenheit bei Karten - aber nicht bei Organisastionsdetails

Eines ist den neuen Here-Eignern auch noch ganz wichtig: In die digitalen Präzisionsvermessung von Here mischen sie sich nicht aktiv ein. Die drei Partner halten jeweils ein Drittel der Anteile und wollen klar zwischen ihren Rollen als Investoren und Here-Kunden trennen. Auch die Konkurrenten der drei Eigentümer werden weiterhin als Kunden bedient, wie Here-Chef Sean Fernback unterstrich. Here werde unabhängig agieren.

Fragen nach möglichen personellen Veränderungen bei Here bügeln die Automanager gekonnt ab. Immerhin so viel verraten sie: Sie werden je einen Vertreter ins Here-Kontrollgremium entsenden. Die Zusammenarbeit zwischen den neuen Eigentümern und dem Kartendienst soll über Expertengruppen laufen, einen "spezifischen Austausch" von Personen soll es nicht geben. Here arbeitet bereits an einer Initiative für einen internationalen Standard für Fahrzeugdaten.

Wie viel die drei Autohersteller in den nächsten Jahren ins Wachstum von Here investieren wollen, bleibt unklar. Doch eine Erwartung haben die neuen Eigner an ihre unabhängige Tochter: Here ist bereits profitabel, auch in Zukunft erwarten die Autobauer Rendite.

Einen großen weißen Flecken gibt es allerdings noch auf den Here-Karten, die bereits für 195 Länder vorliegen: Der weltgrößte Automarkt China. Doch auch da könnte sich bald etwas ändern. Mit dem chinesischen Internet-Riesen Baidu, der sich zunächst gegen einen Einstieg bei Here entschied, gebe es noch Gespräche, sagte Here-Chef Sean Fernback. "Wir haben Optionen in China." Welche das genau sind, wollte Fernback jedoch nicht verraten - wie so viele andere Detailfragen blieb auch diese offen.

mit Material von dpa

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