Dienstag, 20. August 2019

Elektroauto-Rebell Karabag "Unser Elektroauto-Konzept ist billiger als ein konventioneller Pkw"

Unternehmer Sirri Karabag mit einem E-Käfer: "Unser Zusammenspiel aus Elektroauto und Solaranlage ist heute schon billiger als ein herkömmlicher Neuwagen samt Stromkauf beim Versorger"

3. Teil: Weshalb Karabag das Privatkunden-Geschäft forciert

mm: Ihre Partner sollen aber nicht nur Autos, sondern gleich das Gesamtpaket inklusive Solaranlage verkaufen …

Karabag: Ja. Aber unsere Vertriebspartner verdienen an einem elektrifizierten Fiat 500 zehn Mal so viel wie an einem konventionellen Neuwagen. Wir haben derzeit 200 Vorbestellungen für unsere Autos - dabei haben unsere Vertriebspartner noch gar nicht so richtig mit der Vermarktung angefangen. Wir haben da etwas ins Rollen gebracht, was wir als kleiner Mittelständler gar nicht mehr unter Kontrolle halten konnten. Deshalb haben wir uns mit der Wemag einen starken Partner mit entsprechenden Strukturen und finanziellen Ressourcen gesucht.

mm: Welches Wachstum peilen Sie an?

Karabag: Noch in diesem Jahr wollen wir 3000 Kunden gewinnen, innerhalb der nächsten vier Jahre planen wir mit 20.000 verkauften Fahrzeug-Antriebssträngen. Jetzt forcieren wir das Geschäft mit Privatkunden. Für uns sind vor allem Leute interessant, die zu Hause einen Stellplatz haben und eine Solaranlage auf dem Dach installieren können. Wie viele unserer Kunden sich für das Gesamtpaket inklusive Solaranlage entscheiden, wollten wir aber noch nicht prognostizieren.

mm: Im ersten Quartal dieses Jahres sind die deutschen Zulassungszahlen für Elektroautos zwar gestiegen, dennoch gelten die Fahrzeuge wegen ihres hohen Preises als schwer verkäuflich. Wie schätzen Sie den Markt für Elektroautos in Deutschland ein?

Karabag: Wir haben in Deutschland einen Bestand von 60 Millionen Fahrzeugen. Davon interessieren mich nur drei Millionen Autobesitzer, denn bei denen passen alle Parameter: Die wollen Elektroautos fahren, die können sich das leisten, und sie fahren nicht mehr als 100 Kilometer pro Tag. Laut statistischem Bundesamt werden die Fahrzeuge alle zehn Jahre gewechselt. Wir haben also ein gesichertes Marktpotenzial für Elektroautos von 300.000 Stück pro Jahr. Davon wird gerade mal ein Prozent bedient - und das halte ich für eine sträfliche Unterlassungssünde.

mm: Auch die Bundesregierung will Elektroauto-Batterien zur Stabilisierung der deutschen Stromnetze verwenden. Was ist das Problem dabei?

Karabag: Deren Konzepte bauen auf einer dezentralen Energieversorgung auf. Der Strom, der etwa durch Windparks in der Ostsee erzeugt wird, soll dann flächendeckend in Elektroautos im Bundesgebiet abgespeichert werden. Das ist schwierig, weil der Strom dann über verschiedene Netztarifgebiete transportiert wird. Wir gehen da anders vor und nehmen pro Auto ein Haus. Mit diesen Kleinstnetzen funktioniert das technisch schon heute ohne Nachrüstung.

mm: Vorerst bieten sie ihre Elektroauto-Solaranlagen-Kombination vor allem in Deutschland an. Wann wird sich das ändern?

Karabag: Wir haben bereits Distributoren in den Niederlanden, in Litauen und in Österreich. Doch erstmal wollen wir deutschen Markt bedienen und die Prozesse optimieren. Erst wenn das hier funktioniert, wollen wir uns ins europäische Ausland wagen. Das wollen wir dann aber nicht selbst machen, sondern wie in den drei Ländern mit Importeuren arbeiten, die das dann für uns übernehmen.

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