Samstag, 17. August 2019

Elektroauto-Rebell Karabag "Unser Elektroauto-Konzept ist billiger als ein konventioneller Pkw"

Unternehmer Sirri Karabag mit einem E-Käfer: "Unser Zusammenspiel aus Elektroauto und Solaranlage ist heute schon billiger als ein herkömmlicher Neuwagen samt Stromkauf beim Versorger"

2. Teil: "Wir können jedes vorhandene Auto zum Elektroauto umrüsten"

mm: Warum haben sie sich mit der Wemag einen kleineren kommunalen Versorger an Bord geholt - und sich nicht an einen der richtig großen Energieversorger herangetraut?

Karabag: Wir haben es schon mal mit einem Großversorger versucht. Wir präsentierten mit diesem sogar gemeinsam unsere Fahrzeuge auf dem Genfer Automobilsalon. Doch dieser hat das Potenzial möglicherweise falsch eingeschätzt - vielleicht erkannte man dort aber auch eine Gefahr für das eigene Geschäftsmodell. Das beendete unsere Partnerschaft sehr schnell.

mm: Was macht ihr neuer Investor Wemag anders als die Branchenriesen?

Karabag: Wir sind interessant für Stromversorger, die sich auf erneuerbare Energien konzentrieren. Es gibt in Deutschland nur einen einzigen Energieversorger und Netzbetreiber, der die Erzeugung von regenerativem Strom als Kerngeschäftsmodell begreift: Das ist die Wemag, und deshalb habe ich mich an sie geheftet. An unserem jetzigen Projekt haben wir gemeinsam zwei Jahre lang gearbeitet. Auch bei der Wemag waren Vorstände zunächst skeptisch, ob das funktionieren würde. Doch am Ende stellten sie fest, dass das eine Lösung ihrer Speicherprobleme sein könnte.

mm: Wie profitiert die Wemag vom Verkauf von Karabag-Elektroautos?

Karabag: Als Energieversorger muss die Wemag versuchen, möglichst viele Elektroautos auf die Straße zu bekommen. Mit jedem verkauftem Fahrzeug verzichten sie auf eine entsprechende Menge an Speicher, den sie sonst bauen müssten. Abgesehen von der Solaranlage stellt die Wemag als Energieversorger auch noch ihre Verwaltungssoftware und ihr Stromnetz zur Verfügung. An der Verwaltung und der Überwachung der produzierten Strommenge verdient die Wemag etwas. Doch mit jedem verkauften Elektroauto hat die Wemag mehr Speicherkapazitäten zur Verfügung und muss nicht selbst teure Batterieparks bauen. Denn auf die Akkus in unseren Elektroautos hat die Wemag Zugriff.

mm: Ihre Elektroautos müssen gegen mächtige Konkurrenz bestehen: BMW sorgt mit seinem Karbon-Stromer i3 für Aufsehen, Volkswagen bietet seinen Kleinstwagen Up und den Golf auch als Elektroauto-Version an. Was machen Sie anders als die großen deutschen Autohersteller?

Karabag: Wir können jedes bereits vorhandene Auto zum Elektroauto umrüsten - ob Neuwagen oder Oldtimer. So bauen wir etwa einem Käfer oder einer Ente einen von deutschen Behörden bereits zugelassenen elektrischen Antriebsstrang samt Batterie ein. In den vergangenen zwölf Wochen haben wir 325 Partner gewonnen, die als Werkstatt oder Vertragspartner etwa neue Fiat 500 zu Elektroautos umbauen, verkaufen wollen und diese später auch warten. Durch unseren Kooperationspartner Still, eine Tochter des Gabelstaplerherstellers Kion, bieten wir bereits jetzt 300 Elektroauto-Servicepunkte in Deutschland. Das kann derzeit keiner der großen Automobilhersteller leisten.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung