Montag, 14. Oktober 2019

Traditionsfirma pleite Jetzt soll Boris Johnson auch noch Londons Busse retten

Berühmte Busse auf Londons Straßen: Der Hersteller Wrightbus ist pleite - und die britische Regierung soll helfen.

Auch das noch: Wrightbus, Hersteller der roten Doppeldecker-Busse, die das Stadtbild von London prägen, ist nach Gewerkschaftsangaben pleite - und ausgerechnet der britische Premierminister Boris Johnson soll das Unternehmen retten.

Die nordirische Firma mit rund 1300 Mitarbeitern sei unter Zwangsverwaltung gestellt worden, gab die Gewerkschaft Unite am Mittwoch bekannt. Die Arbeitnehmervertreter appellierten an Premierminister Johnson, der 2012 in seiner Zeit als Londons Bürgermeister 600 "Boris-Busse" geordert hatte, einzugreifen, um das Unternehmen zu retten.

Johnson habe sich bereits großartig für die britische Wirtschaft eingesetzt, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Gewerkschaftsvertreter. Jetzt solle der Premier dafür sorgen, dass Wrightbus mit staatlicher Hilfe wieder auf die Beine komme.

Ein Vertreter der britischen Regierung teilte auf Twitter mit, er befinde sich bereits in Gesprächen mit Verantwortlichen über das Schicksal des Unternehmens. Er werde sich weiterhin für Wrightbus einsetzen.

Was hat die Pleite mit dem Brexit zu tun?

Die Frage drängt sich auf: Hängt die Pleite des Busherstellers womöglich mit dem bevorstehenden Austritt der Briten aus der EU zusammen? Immerhin meldete die Cornerstone Group, Muttergesellschaft von Wrightbus, laut Reuters noch 2016, im Jahr des Brexit-Votums also, einen Gewinn von 10,9 Millionen britischen Pfund. 2017 war dann bereits ein Verlust von 1,7 Millionen Pfund daraus geworden. Und bemerkenswert: Wrightbus-Gründer William Wright war 2016 der erste bedeutende Unternehmenslenker in Nordirland, der sich offen für den Brexit aussprach.

Parlamentsmitglied Ian Paisley jedoch sieht keinen Zusammenhang. Die Probleme des Unternehmens hingen nicht mit dem Austrittsentscheid zusammen, so Paisley. Schließlich säßen die wichtigsten Kunden von Wrightbus in Großbritannien.

Ein Problem allerdings: Wrightbus brachte 2012 ein neues Modell seines Routemaster-Busses auf den Markt, das jedoch auf Kritik stieß. Londons neuer Bürgermeister Sadiq Kahn etwa teilte 2016 mit, die britische Hauptstadt verdiene eine grüne, bezahlbare und funktionierende Busflotte. Das sei der Grund dafür, dass er keine weiteren Routemaster bestellen werde.

Bleibt die Frage, was Boris Johnson zur Rettung des Traditionsunternehmens beitragen wird. Wohl eher wenig, dürfte die Antwort lauten. Schließlich hat Johnson derzeit jede Menge anderer Sorgen.

Unterhaus kommt wieder zusammen

Nach Johnsons krachender Niederlage vor Gericht, das die von ihm verordnete Zwangspause des britischen Parlaments zu Beginn dieser Woche für unrechtmäßig erklärt hatte, trat das Unterhaus in London am heutigen Mittwoch erstmals wieder zusammen. Die britische Regierung wolle demnächst erneut über eine Neuwahl im Parlament abstimmen lassen, sagte dabei der britische Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox.

Cox hatte das Parlament zuvor als "Schande" bezeichnet, weil es bislang zwei Anträge der Regierung auf eine Neuwahl abgelehnt hatte. Es habe kein "moralisches Recht" zu tagen, sagte Cox. Er wirft den Abgeordneten vor, den geplanten EU-Austritt verhindern zu wollen und damit den beim Brexit-Referendum im Jahr 2016 zum Ausdruck gebrachten Willen des Volkes zu untergraben.

Johnson kehrte erst am Mittag aus New York zurück, wo er an der UN-Vollversammlung teilgenommen hatte. Er muss sich nun auf unangenehme Fragen einstellen, nicht nur über seine Entscheidung, das Parlament in eine Zwangspause zu schicken.

Seit Tagen machen auch Vorwürfe die Runde, eine mit Johnson befreundete US-Geschäftsfrau habe Geld aus Kassen der britischen Hauptstadt erhalten, als Johnson dort Bürgermeister war. Und die Abgeordneten könnten auch weitere Dokumente aus den als "Operation Yellowhammer" bekannten No-Deal-Plänen der Regierung verlangen.

Für Johnson, der erst vor zwei Monaten das Amt des Premierministers übernommen hat, war das Urteil des Supreme Courts die bislang heftigste Niederlage. Er will das Urteil nach eigenen Worten respektieren, hält es aber für falsch. Noch am Dienstag telefonierte er nach Angaben von Regierungsbeamten mit der Queen. Zum Inhalt des Gesprächs wurde jedoch nichts bekannt. Zurücktreten wolle er jedenfalls nicht, hieß es aus Regierungskreisen.

cr/dpa-afx/rtr

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