Dienstag, 15. Oktober 2019

Britischer Autobauer in Nöten Jaguar Land Rover will 2019 wohl tausende Jobs streichen

Neuer Range Rover Velar: Auch die Konzernmutter JLR muss aktuell mit Kostensenkungen durch ruppiges Terrain
Jaguar Land Rover
Neuer Range Rover Velar: Auch die Konzernmutter JLR muss aktuell mit Kostensenkungen durch ruppiges Terrain

Unter seinem indischen Eigentümer Tata Motors eilte der britische Autohersteller Jaguar Land Rover (JLR) lange von einem Verkaufsrekord zum nächsten. Doch bekommt die Erfolgsstory Kratzer, und daran ist nicht alleine der Brexit schuld. Wie die Financial Times (FT) berichtet, will JLR Anfang kommenden Jahres den Abbau tausender Jobs in Großbritannien verkünden.

Die Stellenstreichungen bei JLR sind laut dem Zeitungsbericht Teil eines milliardenschweren Kosteneinsparungsplans, den der Autohersteller bereits vor einigen Wochen ankündigte. JLR hat im dritten Quartal einen Verlust von 90 Millionen Pfund eingefahren, die weltweiten Verkäufe waren im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13 Prozent gefallen.

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Der größte britische Autohersteller, der im Königreich alleine 40.000 Menschen beschäftigt, kämpft aktuell mit einer Reihe von Problemen: Die zurückgehende Nachfrage nach Dieselmodellen trifft die Briten hart, zuletzt sanken die Verkaufszahlen in China deutlich. Zudem kommen auf JLR höhere Kosten durch den Austritt Großbritanniens aus der EU zu.

Im Oktober hatte JLR ein Turnaround-Programm angekündigt, das mittelfristig 2,5 Milliarden Pfund (2,8 Milliarden Euro) einsparen soll. Eine Milliarde Pfund an Kosteneinsparungen wollte JLR davon in den kommenden 18 Monaten schaffen. Damals bezifferte das Unternehmen aber die Zahl möglicher Stellenstreichungen nicht genauer.

Die Briten sind nicht die einzigen, die kräftig sparen wollen und dafür auch Jobstreichungen erwägen. Der US-Autoriese General Motors hat vor wenigen Wochen angekündigt, in Nordamerika mehrere Werke schließen zu wollen. Bis zu 15.000 Stellen könnten bei GM wegfallen. Konkurrent Ford hat ein milliardenschweres Sparprogramm angekündigt. Im deutschen Werk in Saarlouis laufen bereits Gespräche über einen Stellenabbau, alleine in dem deutschen Werk könnten bis zu 1600 Jobs wegfallen.

Bis zu 5000 Jobs von Streichungen bedroht, meinen Analysten

Laut FT will JLR noch im Januar Details zu den kurzfristigen Kosteneinsparungen veröffentlichen. Diese sollen auch den Verlust tausender Stellen beinhalten, wie die Zeitung unter Bezugnahme auf dem Unternehmen nahestehenden Personen berichtet.

In den vergangenen Monaten hatte JLR bereits angekündigt, 1000 Stellen in seinem Hauptwerk in Solihull abzubauen. Grund dafür waren laut JLR vor allem der Nachfrageeinbruch bei Dieselfahrzeugen. Zuletzt hatte JLR auch die Produktion im Jaguar-Werk in Castle-Bromwich gedrosselt: Seit Oktober bis noch Ende Dezember fährt Jaguar dort eine Drei-Tage-Woche.

Laut FT rechnen Analysten damit, dass JLR insgesamt bis zu 5000 Jobs in Großbritannien streichen könnte. Das Unternehmen müsse um sein Überleben kämpfen, warnt ein Analyst gegenüber der FT. Es sei in den vergangenen Jahren schlecht gemanagt worden, leide unter ausufernden Kosten und Produkten, die am Markt nicht gut ankommen.

Im ersten Halbjahr 2018 hatte JLR den ersten Verlust seit einem Jahrzehnt verzeichnen müssen. Die JLR-Mutter Tata Motors habe die Unternehmensberatung Boston Consulting Group mit der Erstellung eines Turnaround-Plans beauftragt, heißt es in der FT. Insgesamt will JLR die Kosten um eine Milliarde Pfund senken, bei Investitionen eine weitere Milliarde Pfund sparen und weitere Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Pfund erzielen. Der Autohersteller hat bereits einen sofortigen Einstellungsstopp verfügt, Dienstreisen eingeschränkt und überprüft den Einsatz von Leiharbeitskräften.

Im Zuge des mittelfristigen Sparplans, schreibt die FT, dürfte JLR auch nicht um Bereinigungen seiner Modellpalette herumkommen. Jaguar verkaufe aktuell mehrere SUV-Modelle, die direkt mit Land Rover-Fahrzeugen konkurrieren. Und bei Range-Rover-Modellen gebe es deutliche Überschneidungen etwa zwischen dem neuen Velar und dem Range Rover Sport.

Im dritten Quartal verzeichneten nur drei der insgesamt 13 Modelle von JLR steigende Verkaufszahlen: Der Range Rover Velar, Jaguars neuer Kompakt-SUV E-Pace und das Elektromodell I-Pace. Die Verkäufe des bisherigen Bestsellers von JLR, der erst vor knapp eineinhalb Jahren runderneuerte Land Rover Discovery, sanken dagegen um 11 Prozent von Juli bis September.

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