Frankreichs Autobauer ziehen davon Wie Trump deutsche Autobauer im Iran ausbremst

Straße in Teheran: Die deutschen Autohersteller hofften auf gute Geschäfte im Iran, doch wegen US-Präsident Trump legen sie ihre Pläne vorerst auf Eis

Straße in Teheran: Die deutschen Autohersteller hofften auf gute Geschäfte im Iran, doch wegen US-Präsident Trump legen sie ihre Pläne vorerst auf Eis

Foto: AP/dpa
Fotostrecke

Zweitgrößter Automarkt im Nahen Osten: Die meistproduzierten Autos im Iran

Foto: IKCO

Wolfgang Bernhard fackelte nicht lange. Anfang Januar 2016, wenige Stunden nachdem die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben worden waren, saß der damalige Leiter von Daimlers Lkw-Geschäft schon im Flugzeug. Sein Ziel: Die iranische Hauptstadt Teheran. Zurück kam er mit zwei Verträgen, in denen die baldige Kooperationen mit zwei iranischen Partnern vereinbart war.

Noch im Jahr 2016 wollte Daimler die ersten Schwer-Lkw, säuberlich in einzelne Baugruppen zerlegt, in den Iran liefern und dort zusammenschrauben. Die Fertigung von Motoren und Achsen vor Ort sollte angeschoben, der Leicht-Lkw Canter so bald wie möglich ins Land geliefert werden.

Für ihrenVorwärtsdrang im Iran hatten die Stuttgarter plausible Gründe: Sie hofften auf gute Geschäfte im Mittleren Osten, da der Iran dort zu den größten Volkswirtschaften zählt und der Nachholbedarf nach Ende der Sanktionen groß ist. Mit dem Wiederaufleben-lassen jahrzehntelanger Kontakte hoffte Daimler, chinesischen Lkw-Herstellern und französischen Konkurrenten ein Schnippchen schlagen zu können.

Doch in den siebzehn Monaten, die seither vergangen sind, hat nicht nur Bernhard das Führerhaus bei Daimler verlassen. Auch ihre Pläne für das islamische Land haben die Stuttgarter offenbar stark zurückgefahren. Ein Indiz dafür: Seit Tagen versucht manager-magazin.de, von Daimler Antworten zu erhalten zum aktuellen Stand der Iran-Kooperationen. Trotz mehrerer Rückfragen blieben unsere Fragen bislang unbeantwortet.

"Wir können es uns nicht leisten, Risiken einzugehen"

Vorsicht statt Vorpreschen scheint Daimlers aktuelle Devise zu sein. Das legt ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters  nahe. Laut Reuters haben auch Volkswagen und BMW haben aktuell ihre Pläne für den Iran auf Eis gelegt, hat Reuters von Insidern erfahren. "Wir sind uns bewusst über das große Marktpotenzial im Iran. Aber wir können es uns nicht leisten, irgendwelche Risiken einzugehen", sagte ein Kenner der Materie zu Reuters.

BMW hat Möglichkeiten zur Produktion, Vertrieb und Import in den Iran untersucht. Die Münchner sind nun aber zu dem Schluss gekommen, dass die Zeit dafür noch nicht reif sei. Dabei haben die Autoverkäufe im Iran im ersten Quartal um 50 Prozent angezogen, zeigen Zahlen des Autodaten-Lieferanten IHS.

Den wirklichen Grund für die plötzliche Zurückhaltung der deutschen Autohersteller vermuten Kenner in einem ganz anderen Land: In den USA nämlich, in Person des US-Präsidenten Donald Trump. Der hat die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran, denen ein Vertrag über Nuklearwaffen voranging, im Wahlkampf hart und beständig kritisiert.

Warum Frankreichs Autohersteller viel unbekümmerter agieren können

Die USA haben ihrerseits jedoch Sanktionen in Kraft gelassen, die finanzielle Transaktionen mit dem Iran vollständig unterbinden sollen. Trumps Regierung, so fürchten die Deutschen wohl, könnte bei den deutschen Exporten nach Iran ganz genau hinschauen. Verstoßen die Geldflüsse zwischen den iranischen Importeuren und den Deutschen gegen US-Sanktionen, könnte das für die deutschen Autohersteller höchst unangenehm werden.

Dann hätte Trump ein Argument mehr, um etwa deutsche Luxuslimousinen mit Strafzöllen bei der Einfuhr zu belegen. Das wollen die deutschen Autobauer auf jeden Fall verhindern.

Und so überlassen sie den Markt für das Erste der französischen Konkurrenz. Denn die Autohersteller PSA und Renault müssen weniger Rücksicht nehmen auf amerikanische Befindlichkeiten. Sie haben keine Werke in den USA und verkaufen ihre Fahrzeuge auch nicht im zweitgrößten Automarkt der Welt.

Zur Fabrikseröffnung mit Präsident Rouhani

Europas zweitgrößter Autohersteller PSA Peugeot Citroën  hat Deals und Jointventures im Wert von 700 Millionen Euro nicht nur unterzeichnet, die künftige Opel-Mutter setzt diese auch um.

In diesem Monat ist im Werk von PSAs iranischem Kooperationspartner Iran Khodro die Fertigung des Peugeot 2008 angelaufen. Irans Präsident Hassan Rouhani, der nun mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt wurde, besuchte persönlich die Eröffnungszeremonie in der Fabrik.

Via Instagram erklärte Rouhani, dass Kritiker des Nukleardeals behaupteten, dass dessen Vereinbarungen niemals implementiert würden. "Nun können wir sehen, dass die Sanktionen in der Autoindustrie aufgehoben werden, Jointventure-Verträge abgeschlossen und ein neues Auto gebaut wird", meinte Irans Präsident.

PSAs Manager für den Mittleren Osten, Jean-Christophe Quemard, gab vor einiger Zeit gegenüber Reuters zu, dass der Druck der Trump-Regierung auf andere ausländische Rivalen PSA helfe. "Das ist unsere Gelegenheit zu beschleunigen", meinte Quemard. "Wir haben uns führende Position eröffnet und wir planen, diese zu halten". Für Deutschlands Autohersteller klingt das alles andere als einfach.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.