Samstag, 25. Mai 2019

Belegschaft kann aufatmen Investorengruppe kauft Neue Halberg Guss

Mitarbeiter von Neue Halberg Guss bei einem Streik im Juni in Leipzig.

Nach monatelangem Streit mit der Belegschaft und Kunden ist der Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) an eine Investorengruppe verkauft worden. Knapp vier Wochen vor Weihnachten können die etwa 2000 Beschäftigten wieder hoffen.

Ein vom Münchner Sanierungsberater "One Square Advisors" beratenes Konsortium übernimmt das operative Geschäft des Unternehmens, wie beide Unternehmen am Donnerstag mitteilten. "Damit gehen sämtliche Vermögensgegenstände, die Produktionsstätten in Saarbrücken und Leipzig inklusive aller Grundstücke und Kundenbeziehungen auf die neuen Eigentümer über", hieß es in der NHG-Mitteilung. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Mitarbeiter hätten die Möglichkeit, im Rahmen eines Betriebsübergangs auf die neuen Gesellschaften zu wechseln, die das operative Geschäft der NHG fortführen. Sie werden nach dem Erwerb durch die AVIR Guß Holding den Angaben zufolge als Gusswerke Saarbrücken GmbH sowie Gusswerke Leipzig GmbH firmieren. Der Verkauf eröffne die Möglichkeit für einen Neuanfang, sagte Bernd Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig.

Ebenfalls in den Deal involviert ist offenbar der Motorenbauer Deutz aus Köln. Die Deutz AG begrüße und unterstütze den Eigentümerwechsel, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Sowohl für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als auch für die mit Gussteilen belieferten Kunden der NHG sei damit eine tragfähige Lösung gefunden. Deutz werde die neuen Eigentümer in Form einer Teilfinanzierung aktiv unterstützen, so die Mitteilung weiter. Die neue Eigentümersituation stelle die Belieferung der Deutz AG mit den für die Motorenproduktion benötigten Motorblöcken, Kurbelgehäusen und Zylinderköpfen sicher.

Damit endet ein monatelanger Streit zwischen dem bisherigen Eigentümer und der Belegschaft. Der Hersteller von Motorblöcken und Antriebswellen gehört seit Jahresbeginn zur bosnisch-deutschen Prevent-Gruppe der Familie Hastor, die sich mit dem VW -Konzern erbittert um Lieferkonditionen gestritten und Aufträge verloren hat.

Nur wenige Monate nach der Übernahme hatte die Prevent-Gruppe angekündigt, bis Ende 2019 das Werk in Leipzig mit 700 Beschäftigten schließen zu wollen. Zudem sollten in Saarbrücken mehrere hundert Arbeitsplätze abgebaut werden. Nach gescheiterten Verhandlungen mit der Gewerkschaft um einen Sozialplan hatte die komplette Belegschaft 48 Tage lang gestreikt. Auch eine Schlichtung scheiterte.

Die AVIR Guss Holding wird nach Aussage von One Square nach der Übernahme mit den Beteiligungen Gusswerke Saarbrücken und Gusswerke Leipzig "zu den größten und bedeutendsten Gießereien in Europa gehören". Sie sei damit ein wichtiger Faktor in der Lieferkette für bedeutende Automobil- und Motorenhersteller. Der neue Eigentümer stelle zunächst unmittelbar die Stabilisierung und Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs sicher.

"Wir haben mit dem neuen Besitzer One Square Advisors einen erfahrenen Geschäftspartner, von dem wir glauben, dass es zu vernünftigen und sachlichen Lösungen kommen wird", sagte die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). "Das Ziel muss es sein, in neue Produkte, Märkte und Anlagen zu investieren, um die Zukunftsfähigkeit der Standorte und vor allem die Arbeitsplätze zu sichern."

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bewertete den Verkauf als gute Nachricht für die Mitarbeiter und deren Familien. "Wir glauben fest an die Wettbewerbsfähigkeit der neuen Holding. Mit der strategischen Neuausrichtung werden profitable Geschäftsfelder entstehen, die geeignet sind, sich auf die Veränderungen in der Automobilindustrie einzustellen."

Gewerkschaftsvertreter Kruppa lobte die Solidarität zwischen den Beschäftigten. "Ein Ost- und ein West-Standort waren gemeinsam betroffen, haben sich auch in kritischen Phasen nicht spalten lassen und immer solidarisch gemeinsam gehandelt."

cr/dpa/rtr

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