Freitag, 19. Juli 2019

Volkswagen-Strategiechef Sedran zur E-Auto-Offensive "Ab 2023 sind Elektroautos billiger als Benziner"

E-Golf beim Laden: Bis 2025 soll es im Volkswagen-Konzern über 30 elektrisch angetriebene Modelle geben
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E-Golf beim Laden: Bis 2025 soll es im Volkswagen-Konzern über 30 elektrisch angetriebene Modelle geben

VW-Konzernstratege Thomas Sedran

Mit einer Elektroauto-Offensive und neuen Mobilitätsdiensten will der Volkswagen-Konzern die Kehrtwende weg vom Diesel-Skandal schaffen. Die Fäden für diesen Zukunftsweg laufen bei Thomas Sedran zusammen: Der 52-jährige ist Volkswagens Konzernstrategie-Leiter - der allererste in dieser Funktion in der Geschichte des Konzerns. Sedran kennt die Branche bestens: Zwei Jahrzehnte lang arbeitete der promovierte Ökonom als Unternehmensberater im Automotive-Bereich, bevor er 2012 auf die operative Seite wechselte und unter anderem als Interims-Chef von Opel fungierte. Seit November 2015 ist er für den Volkswagen-Konzern tätig.

Mit manager-magazin.de sprach Sedran auf dem Pariser Autosalon ausführlich über seine Rolle als Konzernvordenker, über preiswertere Elektroautos und dringende Entscheidungen über Batteriefabriken.

manager-magazin.de: Jahrzehntelang legten im Volkswagen-Konzern Marken-Vorstände und der Vorstandschef die strategische Marschrichtung fest. Nun gibt es mit Ihnen, Herr Sedran, erstmals einen eigenen Verantwortlichen für die Konzernstrategie. Wie erklären Sie 620.000 VW-Mitarbeitern die Notwendigkeit ihres Jobs?

Thomas Sedran: Der Konzern ist mit seinen nun bald 13 Marken sehr viel komplexer als noch vor wenigen Jahren. In nächster Zeit stehen der Branche auch massive Veränderungen bevor: Der Übergang vom Verbrennungsmotor zu Elektroantrieben ist eine komplett neue Welt. Weltweit gibt es immer mehr Menschen, die Autos nur mehr pro Minute oder je Kilometer nutzen wollen. Für diese Herausforderungen brauchen wir eine Mannschaft, die sich nur damit beschäftigt, wie man bei diesen Themen zu den richtigen Entscheidungen kommt, wo wir zukünftig unsere Schwerpunkte setzen - und was wir vielleicht nicht mehr machen.

mm.de: Vergangenen Sommer hat Konzernchef Matthias Müller die Strategie 2025 vorgestellt. Demnach soll der Konzern sehr schnell mit neuen Mobilitätsdiensten Geld verdienen und in neun Jahren ein Viertel seines Gesamtabsatzes mit Elektroautos schaffen. Bislang galt Volkswagen nicht gerade als Vorreiter der Elektromobilität.

Sedran: Zunächst einmal: Unser Angebot an Elektro-Modellen ist schon heute groß. Wir haben deutlich mehr Fahrzeuge mit E- oder Plugin-Antrieb im Angebot als der Wettbewerb. Vielleicht haben wir das bisher nicht so offensiv vermarktet. Zudem haben wir bestehende Modelle wie den Golf oder up! elektrifiziert und nicht wie manche Konkurrenten neue Karosserien gewählt. Heute sind diese Fahrzeuge aufgrund der Batteriekosten 5000 bis 10.000 Euro teurer als jene mit einem vergleichbaren Verbrennungsmotor.

mm.de: Warum sollten Menschen denn wenigen Jahren in Scharen teure Elektroautos kaufen, wenn sie auch merklich günstigere Benziner oder Dieselfahrzeuge anschaffen können?

Sedran: Weil die CO2-Gesetzgebung schrittweise verschärft wird. Um den Verbrennungsmotor gesetzeskompatibel zu halten, müssen wir sehr viele Technologien zur Abgasnachbehandlung einbauen. Diese sind teuer, da kommen schnell mal 1000 oder 2000 Euro zusätzlich auf die Uhr. Gleichzeitig sinken die Kosten bei Batteriezellen. Zudem wird es wohl bald Einfahrtbeschränkungen in Städten geben, die Elektroautos deutlich attraktiver werden lassen.

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