Ex-Ferrari-Chef Luca di Montezemolo im Interview "Die Formel 1 benötigt eine bessere Show - und muss massiv investieren"

Ex-Ferrari-Chef di Montezemolo, Formel-1-Boss Ecclestone: "Ecclestone sollte im Amt bleiben und für einen glatten Übergang in die Zukunft sorgen. Aber er benötigt Topleute neben sich, Experten für Finanzen, für Marketing und die Digitalwelt."

Ex-Ferrari-Chef di Montezemolo, Formel-1-Boss Ecclestone: "Ecclestone sollte im Amt bleiben und für einen glatten Übergang in die Zukunft sorgen. Aber er benötigt Topleute neben sich, Experten für Finanzen, für Marketing und die Digitalwelt."

Foto: Ker Robertson/ Getty Images

mm: Herr di Montezemolo, halbleere Tribünen, sinkende TV-Quoten, Teams in Finanznot. Was ist los mit der Formel 1?

Luca di Montezemolo: Zunächst einmal: Die Formel 1 ist eine sehr starke Marke, bietet fantastischen Sport. Sie ist wie ein Unternehmen, das trotz enormer Wachstumschancen Marktanteile verliert.

mm: Sie waren 23 Jahre Ferrari-Chef, haben die besten Jahre der Formel 1 erlebt, aber auch den beginnenden Niedergang. Wie lässt sich die Rennserie retten?

Luca di Montezemolo: So wie andere Unternehmen auch: mit einem klaren Plan, einer Strategie 2020. Die Eigentümer müssen investieren, sie müssen klare Prioritäten setzen; und sie müssen ein Management engagieren, das sich voll auf die neuen Ziele konzentriert. Und sie müssen die wichtigsten Stakeholder, zum Beispiel Rennorganisatoren und Sponsoren, mit ins Boot holen und gemeinsam mit ihnen unter anderem die Kosten massiv senken.

mm: Ein neues Management? Sie wollen Bernie Ecclestone in Rente schicken? Das würde die Szene erschüttern.

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Luca di Montezemolo: Das haben Sie falsch verstanden. Herr Ecclestone kennt die Formel 1 wie kein anderer; er sollte im Amt bleiben und für einen glatten Übergang in die Zukunft sorgen. Aber er benötigt Topleute neben sich, Experten für Finanzen, für Marketing und die Digitalwelt.

mm: Was sollte dabei an erster Stelle stehen?

Luca di Montezemolo: Die Formel 1 benötigt eine bessere Show, mehr Spannung, mehr Überholvorgänge. Sie benötigt besseren Zugang zu jungen Menschen, zum Beispiel über soziale Netzwerke. Die Formel 1 muss, geführt von CVC, endlich den US-Markt erschließen, dort massiv investieren; sie muss aufpassen, dass Deutschland als einer der Kernmärkte nicht verloren geht. Sie sehen, es gibt viel zu tun; aber im Zentrum muss der Zuschauer stehen.

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mm: Bislang stehen dort die Interessen der Teams, vor allem aber der Formel-1-Eigner, Investoren wie CVC, Waddell & Reed und Blackrock. Herr di Montezemolo, Sie haben als Ferrari-Chef dem Aufsichtsrat der Formel-1-Holding Delta Topco angehört. Jetzt hat man Sie wieder berufen. Wann passiert etwas?

Luca di Montezemolo: Das hängt vor allem von den Eignern ab, ...

mm: ... die sich zuletzt hohe Sonderdividenden gegönnt haben, statt zu investieren.

Luca di Montezemolo: Die Formel 1 gehört Finanzinvestoren. Hauptaktionär CVC muss jetzt entscheiden: Will er verkaufen oder nicht. Aber wenn CVC dabei bleiben will, müssen sie ihre Geschäftsphilosophie ändern. Dann müssen sie investieren, so den Wert ihrer Anteile steigern. Und sie sollten sich beeilen. Sonst wird es wirklich gefährlich für die Formel 1.

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