Samstag, 25. Januar 2020

Strafzahlungen Erst China, jetzt Indien - Preiswächter strafen Autohersteller ab

Neuwagen in der Tata-Fabrik in Pune: Der indische Autohersteller muss die größte Einzelstrafe wegen Wettbewerbsvergehen im Ersatzteilmarkt zahlen

Indien nimmt sich ein Beispiel an Chinas scharfem Vorgehen gegen Autobauer: Indische Wettbewerbshüter verdonnern 14 Autokonzerne wegen Verfehlungen bei Ersatzteilen zu millionenschweren Strafzahlungen. Betroffen sind auch deutsche Autobauer.

Hamburg - Die zwei wichtigsten Autoländer in Asien sind in diesen Tagen kein einfaches Pflaster für die großen Autohersteller. Wettbewerbsbehörden in China gingen zuletzt scharf gegen Autobauer und Zulieferer vor. Audi und Daimler drohen in China millionenschwere Strafen wegenPreisabsprachen bei Ersatzteilen. Gegen zwölf japanische Autozulieferer haben Chinas Wettbewerbshüter zuletzt eine Strafe von 151 Millionen Euro verhängt.

Nun droht der Branche auch im Nachbarland Indien Ungemach. Wie die Financial Times berichtet, hat Indiens Wettbewerbskommission CCI wegen ähnlicher Vorwürfe Strafen gegen mehr 14 Autokonzerne verhängt. Die Hersteller sollen für die Vergehen insgesamt 422 Millionen Dollar an Strafzahlungen leisten.

Abgestraft wurde unter anderem Suzuki Maruti, Indiens größter Autohersteller nach Absatzzahlen. Der indische Autobauer Tata Motors erhielt die größte Einzelzahlung über etwas mehr als 200 Millionen Dollar aufgebrummt. Auch viele große ausländische Automarken sind von der CCI-Strafe betroffen, darunter auch Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen und General Motors.

Die CCI wirft den Unternehmen vor, unabhängigen Werkstätten und Mechanikern keinen Zugang zu Originalersatzteilen und Diagnosegeräten gewährt zu haben. Dieses wettbewerbswidrige Verhalten habe die Ausweitung des Marktes für Ersatzteile und unabhängige Mechaniker "bis zum vollen Potenzial" eingeschränkt - zulasten von Konsumenten, Dienstleistern und Händlern. Die Unternehmen hätten ihre monopolistische Kontrolle über den Markt dazu genutzt, willkürliche und hohe Preise für ihre Ersatzteile zu verlangen. Die Wettbewerbskommission schätzt, dass davon 20 Millionen Konsumenten im Land betroffen sind.

Tata kennt noch zu wenige Details des Urteils

Laut FT haben Indiens Wettbewerbshüter zuletzt einen härteren Kurs eingeschlagen, da im Land momentan schärfer gegen Korruption in den Führungsetagen vorgegangen wird. So gab es etwa zuletzt ein hartes Durchgreifen der Behörden bei Fällen von Insider Trading.

Für Indiens ohnedies kämpfende Autoindustrie ist die Strafe ein weiterer Schlag. In den vergangenen zwei Jahren sind die Absatzzahlen bei Autos gesunken, da das Wirtschaftswachstum unter fünf fiel. Analysten rechnen jedoch mit einer schrittweisen Erholung. Indiens neue Regierung hat angekündigt, das industrielle Wachstum wiederzubeleben. Das dürfte auch das Konsumentenvertrauen wieder heben.

Noch wollen sich die betroffenen Autohersteller allerdings nicht zu dem Urteil der Wettbewerbskommission äußern. Tata Motors erklärte gegenüber der FT, dass man erst die kompletten Details des Urteils bekommen wolle, um es besser zu verstehen - und es erst dann kommentieren wolle.

Allerdings bekrittelt das Urteil auch die schlechte Regulierung von Sicherheitsstandards für Ersatzteile. Die Absenz der passenden rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen dafür sei ein Handicap. Dies müsse der Regierung separat zur Kenntnis gebracht werden, um die passenden Maßnahmen zu ergreifen, schreiben die Wettbewerbshüter.

Tatsächlich zeichneten Crashtests der internationalen Testorganisation NCAP ein besorgniserregendes Bild der Sicherheitsstandards mancher indischer Autos: Anfang des Jahres erhielten fünf Kleinwagen indischer Marken je null von fünf Sternen - die schlechtestmögliche Platzierung. Schuld daran waren kaum verstärkte Fahrzeugstrukturen und das Fehlen von Airbags.

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