Montag, 23. September 2019

Tiefschlag für VW, BMW, Daimler - und andere US-Importzoll würde auch US-Hersteller treffen

Produktion bei Ford: Auch US-Hersteller importieren Fahrzeuge in ihren Heimatmarkt

Die von Donald Trump angedrohten Erhöhungen von Einfuhrzöllen in die USA bereitet den deutschen Autobauern Probleme - und hat die im Dax notierten Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW kräftig ins Minus gedrückt. "Die deutsche Automobilindustrie beobachtet die aktuelle Entwicklung aufmerksam und mit Sorge", erklärte der Präsident des Branchenverbandes (VDA), Bernhard Mattes am Donnerstag. Der VDA forderte, höhere Zollschranken zu vermeiden. Die USA sind nach China der zweitwichtigste Markt für die deutschen Autobauer.

Überrascht waren die Unternehmen nach mehrfachen Beschwerden von US-Präsident Donald Trump über zu hohe Importe ausländischer Autos allerdings nicht. Auf sein Geheiß soll das US-Handelsministerium prüfen, ob Auto-Einfuhren die nationale Sicherheit der USA bedrohten. Mit dem gleichen Vorgehen verhängte er Zölle auf Stahl und Aluminium, von denen die EU noch bis zum 1. Juni ausgenommen ist.

USA drohen mit Strafzoll von 25 Prozent

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" könnte der Aufschlag auf Autos, Lkw und Autoteile bis zu 25 Prozent betragen. Bisher beträgt die Einfuhrabgabe in die USA nur drei Prozent, während die EU für Wagen aus den USA zehn Prozent aufschlägt. "Importzölle auf Autos wären ein Alptraum für die deutsche Autoindustrie und würden massive Absatzeinbußen bedeuten", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

China senkt Zölle für Autohersteller auf 15 Prozent

Anfang der Woche hatte noch die Ankündigung Chinas, im Gegensatz zu den USA Importzölle auf Autos um zehn Prozentpunkte zu senken, Autoaktien Auftrieb verschafft.

Die deutschen Autobauer äußerten sich zurückhaltend. Freier Marktzugang sei ein entscheidender Faktor sowohl für das Geschäftsmodell von BMW als auch die globale Wirtschaft, erklärte der Münchener Konzern.

VW und Daimler äußern sich zurückhaltend

Volkswagen teilte mit, die Erfahrung zeige, dass einseitiger Protektionismus langfristig niemandem geholfen habe. Nur freier und fairer Handel sichere Wohlstandsgewinne. Daimler erklärte: "Wir beobachten die Situation aufmerksam und spekulieren nicht über laufende Verhandlungen."

Die drei Konzerne haben in den vergangenen Jahren die Produktion in ihren US-Werken hochgefahren. Mit insgesamt 36.500 Beschäftigten stellten sie nach Zahlen des VDA im vergangenen Jahr 804.000 Pkw her, von denen mehr als die Hälfte aus den USA exportiert werden.

Ein Drittel Importautos in USA - Importzoll würde auch US-Hersteller treffen

Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer erklärte, ein genereller Importzoll würde angesichts eines Einfuhranteils von gut einem Drittel der zuletzt 17,2 Millionen Fahrzeugen Jahresabsatz die Autokonjunktur in den USA abwürgen.

Nicht nur die deutschen und japanischen, auch die amerikanischen Hersteller würde ein genereller Importzoll treffen: Sie verkaufen in ihrem Heimatmarkt mehr Autos, als sie dort bauen, da auch sie selbst im Ausland hergestellte Fahrzeuge in die USA einführen. "Ein Szenario genereller Importzoll ist ökonomisch für Trump nicht umsetzbar. Zu groß wären die unmittelbaren Schäden für sein Land", schrieb der Chef des CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg.

Im vergangenen Jahr führten die europäischen Autobauer nach Zahlen des Marktforschers Autodata rund 70 Prozent ihrer in den USA verkauften Fahrzeuge ein. Die VW-Töchter Porsche und Audi verkaufen ausschließlich Importfahrzeuge. Frank Schwope, Autoanalyst von der NordLB, schätzt, die Zölle könnten die Autobauer mindestens dreistellige Millionenbeträge kosten. Schwope rechnet nicht damit, dass die Hersteller die Kosten voll an die Autokäufer weiterreichen können: "Ich vermute mal, dass ein Teil der Strafzölle bei den Herstellern hängenbleibt."

la/reuters/dpa

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