Donnerstag, 25. April 2019

Apple spricht aus, was alle wissen Na endlich! Apple äußert sich zu selbstfahrenden Autos

Apple-Logo im Seitenspiegel: Der Konzern äußert nun offiziell großes Interesse an selbstfahrenden Autos

Muss man das nun unter Adventsüberraschung verbuchen, oder war es ein Versehen der sonst so verschwiegenen Kalifornier? Seit zwei Jahren berichten Medien über Apples Börsen-Chart zeigen möglichen Einstieg ins Automobilgeschäft. Hunderte Ingenieure sollen in einem eigenen Gebäude für das "Projekt Titan" arbeiten - Apples Codename für einen geplanten Vorstoß bei Elektroautos und im Bereich autonomes Fahren.

Auch mit deutschen Autoherstellern, so berichtete manager magazin im Frühjahr, soll es Gespräche gegeben haben. In den vergangenen Monaten soll es aber beim Elektroauto-Team kräftig geknistert haben, nachdem der bisherige Projektchef das Handtuch warf. Sein Nachfolger soll der einstige Leiter der Apple-Hardwaresparte sein, den die Kalifornier aus dem Ruhestand zurückholten.

Die Verwendung des Konjunktivs ist bei diesen Meldungen leider Standard. Denn bisher gab es keine offizielle Bestätigung von Apple über die Existenz oder Arbeitsrichtung seines Auto-Teams. Das hat sich nun geändert - also beinahe, jedenfalls. Denn nun gibt es erstmals einen veröffentlichten, von einem Apple-Manager unterschriebenen Brief, in dem der Konzern deutlich wie nie zuvor sein Interesse an selbstfahrenden Autos bekundet.

Der iPhone-Konzern schrieb an die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA, er investiere "massiv in die Erforschung von maschinellem Lernen und der Automatisierung und ist enthusiastisch angesichts des Potenzials automatisierter Systeme in vielen Bereichen inklusive des Verkehrs".

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In dem Brief, der auf der NHTSA-Website veröffentlicht wurde, spricht sich Apple unter anderem dafür aus, dass Entwickler von Roboterwagen anonymisierte Daten zu Unfällen und kritischen Situationen miteinander teilen, um den Fortschritt zu beschleunigen. Apple will bei den anstehenden Richtlinien für selbstfahrende Autos in den USA seine Meinung einbringen.

Die Krux dabei: An keiner Stelle bestätigt der Konzern ausdrücklich, selbst an selbstfahrenden Autos zu arbeiten. Apple wolle mit dem Brief aber zu einer nationalen Debatte über das Thema beitragen.

Dass Apple die Automobilbranche mit einem eigenen Mobilitätsdienst angreifen will, gilt in der Branche als offenes Geheimnis. Der Stand des Projekts ist aber unklar. Zunächst hieß es in mehreren Berichten, Apple wolle zum Jahr 2020 mit einem eigenen Elektroauto in den Markt einsteigen. Nach jüngsten Informationen soll sich der Fokus nun auf die Entwicklung von Software für selbstfahrende Fahrzeuge verlagert haben, während viele Mitarbeiter das Elektroauto-Projekt verlassen hätten.

Technologie für Roboterwagen wird derzeit bei einzelnen Herstellern, mehreren Branchenzulieferern sowie bereits seit 2009 bei Google entwickelt. Mehrere Automarken kündigten selbstfahrende Autos für den regulären Straßenverkehr für 2021 an. Es wird davon ausgegangen, dass solche Fahrzeuge zunächst eher als Robotertaxis in Flotten statt als Privatwagen zum Einsatz kommen.

Der deutsche Autohersteller BMW baut wie seine deutschen Konkurrenten da bereits Verteidigungswälle auf. Gegenüber der Financial Times erklärte ein BMW-Manager zwar, dass Firmen wie Apple, Google und Uber mit ihren Software-Kenntnissen "sehr gefährliche Spieler" auf dem Markt seien.

Allerdings, so meinen die Bayern, liege die Zukunft der Branche in der Kombination aus Hardware und Software liege. Sobald Roboterautos marktreif seien, müssten die Anbieter schnell Flotten aufbauen, um wichtige Daten zu generieren. Das könne BMW bereits jetzt, die Konkurrenten allerdings erst später.

mit Material von dpa und Reuters

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