Samstag, 21. September 2019

Zwischen PS-Parade und Elektro-Festival Diese 7 Trends werden die Autoindustrie bestimmen

IAA in Frankfurt (Archiv): Die Hersteller werben mit Elektromodellen, doch die Kassen füllen (noch) die schweren SUVs
Uli Deck/DPA
IAA in Frankfurt (Archiv): Die Hersteller werben mit Elektromodellen, doch die Kassen füllen (noch) die schweren SUVs

Die IAA 2019 pendelt zwischen publikumswirksamer PS-Parade und Elektro-Festival mit Porsche Taycan, VW ID.3 und e-Corsa. Die Kunden werden mit High-Tech-"Greenness" umworben, die Kassen füllen allerdings SUVs und PS-starke Limousinen. Wie lange geht das noch gut? Eine Orientierungshilfe entlang von 7 Themen, die die kommenden zehn Jahre bestimmen werden.

Die neue Autowelt: Wo der Verbrenner nicht zu vertreiben ist

Zwar ist der Elektromobilitätspionier Tesla ein durch und durch US-amerikanisches Unternehmen. Doch die USA werden noch sehr lange Verbrenner-Land sein. Präsident Donald Trump und die breite Masse wollen Bigblock-Motoren in mächtig großen SUVs und Pickups blubbern lassen. Bei Spritkosten von rund 60 Cent pro Liter ist das kein Problem. Kaum ein Land hat so viele fossile Energieträger wie die USA. Und kaum ein Land holt so viel Rohöl über Fracking aus der Erde. Fossile Energie wird in den USA wohl noch über viele Jahrzehnte preiswert den amerikanischen Traum freier Mobilität für alle befeuern.

Christian Malorny
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    Christian Malorny leitet bei der Unternehmensberatung AT Kearney den Sektor Automobilindustrie.

Auch in Südamerika werden Verbrennungsmotoren nicht so schnell von der Straße kommen. Brasilien, der größte Automarkt Südamerikas, fährt mit "Flexible Fuel"-Technik. 90 Prozent aller Pkw vertragen sowohl Benzin als auch den Bio-Treibstoff aus Zuckerrohr oder einen Mix aus beiden. Diesel-Pkw sind seit 1975 verboten. Elektroautos sind für die meisten Brasilianer unerschwinglich.

Die Zukunft ohne Verbrenner findet in China und mit zeitlichem Versatz in Europa statt. In Europa sind die selbstverordneten CO2-Ziele der Treiber. In China ist es der Traum vom Aufstieg in den Auto-Olymp: "Nur, wenn wir Fahrzeuge mit alternativen Energien entwickeln, schaffen wir es, von einem großen Autoland zu einem mächtigen Zentrum der Autoindustrie werden", hat Präsident Xi Jingping schon 2014 gesagt. In den nächsten 24 Monaten werden rund 25 rein elektrische SUV-Modelle auf den chinesischen Markt kommen.

Money-Maker Premium: Das Auto dient noch immer als Lifestyle-Objekt

Fast 60% des Gewinns der Automobilindustrie wird im Premiumbereich erwirtschaftet. Dabei macht dieser Bereich nur 20 bis 30 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Wer erfolgreich sein will, muss "Premium" beherrschen.

Was ist Premium? Jedes Produkt, für das der Kunde bereit ist, mehr zu bezahlen als für ein objektiv gleichwertiges Produkt eines anderen Anbieters. Das gilt für das iPhone, für BMWs Mini, aber auch für den Fiat 500. Wer vorne mitfahren möchte, muss den Begriff Premium neu aufladen, Emotionen neu wecken, neue Wege in der Vermarktung, in der Interaktion mit dem Kunden und beim Verkaufsprozess gehen. Extrem expressives Design in extrem individueller Ausprägung visualisiert den Premiumanspruch.

Das "FAHRVERGNÜGEN" wird weiterhin zählen. Hier sind die Deutschen nach wie vor führend. Wir müssen aber aufpassen, dass wir im Zeitalter der Elektromotoren das Fahrvergnügen nicht hinten anstellen. Und Fahrvergnügen ist halt nicht nur Beschleunigung, sondern die Fähigkeit eines Fahrzeuges dem Fahrer ein Feedback zu geben und entsprechend, sei es elektronisch oder händisch, einzugreifen.

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