Sonntag, 20. Oktober 2019

Zwischen PS-Parade und Elektro-Festival Diese 7 Trends werden die Autoindustrie bestimmen

IAA in Frankfurt (Archiv): Die Hersteller werben mit Elektromodellen, doch die Kassen füllen (noch) die schweren SUVs
Uli Deck/DPA
IAA in Frankfurt (Archiv): Die Hersteller werben mit Elektromodellen, doch die Kassen füllen (noch) die schweren SUVs

2. Teil: Kostenfalle E-Mobilität: Autofahren wird deutlich teurer werden

Ein rein batteriebetriebenes Fahrzeug kostet vor allem aufgrund der teuren Batterie durchschnittlich 5.500 Euro mehr als ein vergleichbares Auto mit Diesel- oder Benzinmotor. Dass die Batteriekosten sehr bald deutlich sinken, ist nicht absehbar. Die Mehrkosten müssen finanziert werden.

Bei einem derzeitigen durchschnittlichen Gewinn pro Fahrzeug mit Verbrennungsmotor von 600 Euro drohen der Automobilindustrie hohe Verluste. Hier zeigt sich die Achillesferse des durch Regularien initiierten E-Mobilitätsumstiegs: Zwar haben die EU-Regierungen CO2-Ziele und gleich noch exorbitant hohe Strafen für die Industrie bei Nichterfüllung verabschiedet. Aber Antworten, wie den Umstieg finanzieren werden soll, haben sie nicht.

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Beim Umstieg auf Ökostrom hat man in Deutschland eine Ökostromumlage gesetzlich festgelegt, die jeder bezahlen muss. Das sind mittlerweile pro Jahr 26 Mrd. EURO und hat Deutschland schleichend nach Dänemark den höchsten Strompreis in der EU beschert. Würde diese Summe für die jährlich 3,5 Mio. zugelassenen PKW hierzulande zur Verfügung stehen, kämen rund 7.400 EUR/Fahrzeug zustande. Und käme man auf die Idee, diese Summe durch einen höheren Benzinpreis realisieren zu wollen, müsste dieser mit rund 60 Cent/Liter beaufschlagt werden. Auch eine CO2-Steuer wäre nichts anderes als die Bepreisung des Verbrauchs. Doch wo beginnt die Lenkungswirkung, d.h. eine Verhaltensänderung des Autokäufers? Die Verkehrswende wird anders als die Energiewende finanziert werden. Die Verwerfungen in der Autoindustrie jedoch könnten ähnlich groß werden wie bei den Energieversorger.

Durch die hohen Kosten für den Elektroantrieb wird vor allem das Kleinwagensegment massiv unter Druck geraten. Fahrzeuge im A-Segment liegen heute in einer Preisrange zwischen 7.500 und 15.000 Euro. Viele heutige Kleinwagenkäufer werden sich einen elektrifizierten Kleinwagen nicht mehr leisten können - oder wollen - es sei denn, die Allgemeinheit zahlt z.B. über einen höheren Benzinpreis, die Mehrkosten indirekt mit. Nach Berechnungen von A.T. Kearney könnte das Kleinwagensegment in Europa bis zu 50 Prozent einbrechen (von rund 7,3% Marktanteil in 2015 auf 3,5% in 2025).

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