Samstag, 21. September 2019

Der CO2-Kater - wie sich die Autohersteller auf der IAA präsentieren Vegane Häppchen statt Kobe-Rind - nicht nur VW denkt auf der IAA um

VW-Chef Herbert Diess, Elektroauto ID.3 auf der IAA: Es geht auch alles eine Nummer kleiner

Das Fanal dieser IAA steht direkt vor der Frankfurter Festhalle: Ein riesiger, schwarzer Luftballon mit großem CO2-Aufdruck. Die Umweltschützer von Greenpeace demonstrieren damit gegen den hohen Schadstoffausstoß von SUVs. Rund 1400 Kubikmeter fasst der Ballon. Das ist laut Greenpeace jene Menge CO2, die sämtliche in Deutschland zugelassenen SUVs an CO2 ausstoßen, wenn sie nach dem Start gerade mal 28 Meter fahren.

Dabei soll es auf der Messe eigentlich darum gehen, wie die deutsche Autoindustrie nun endlich ihr Klimasünder-Image loswerden kann. Denn fast jeder Autohersteller rückt derzeit Elektroantriebe und batteriegetriebene Elektroautos in den Vordergrund.

Volkswagen Börsen-Chart zeigen etwa präsentiert mit großem Aufschlag die Serienversion seines Elektroautos ID3. Porsche Börsen-Chart zeigen rückt seinen E-Sportwagen Taycan, der vor wenigen Tagen Premiere feierte, ins Rampenlicht Bei Daimler Börsen-Chart zeigen und BMW Börsen-Chart zeigen geht es neben reinen batterieelektrischen Modellen auch um die neue Generation Plugin-Hybride, die nun deutlich weiter als bisher mit einer Akkuladung fahren können. Rund 60 Kilometer seien nun mit einer Akkuladung für den Hybrid möglich, versprechen die Hersteller. Das ist deutlich mehr als bisher.

Das erste "bilanziell CO2-neutrale Elektroauto der Welt" sei der ID3, preist Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess den Wagen auf der VW-Vorabendveranstaltung. 70 neue Elektroauto-Modelle will der Konzern bis 2028 auf den Markt bringen. Produziert wird der ID3 mit 100 Prozent Grünstrom, er soll sozusagen die Speerspitze der Klimarettung werden.

Aufbruchsrhetorik der Branche - und ein Akzeptanzproblem

Und trotz aller Aufbruchsrhetorik hat die Branche auf der Messe ein Akzeptanzproblem. Denn im Vorfeld hatten Klimaschützer bereits Protestaktionen angekündigt. Diess hat vor kurzem versucht, persönlich dagegenzusteuern - etwa bei einem Streitgespräch mit Tina Velo, einer Vertreterin der Initiative "Sand im Getriebe". Die beiden haben öffentlich Positionen ausgetauscht, aber - wenig überraschend - den anderen nicht überzeugen können.

Auf Auto-Kritiker zuzugehen, sei wichtig, sagt VW-Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch am Vorabend noch auf Nachfrage. Dass sich VWs Konzernlenker aber überhaupt mit der Vertreterin einer eher obskuren Klimaschutz-Initiative trifft, zeigt auch, wie groß die Nervosität der Branche ist.

Denn das große Geschäft machen die Autohersteller aktuell noch immer mit den hochgerüsteten und klimaschädlichen SUVs. Die sind zwar sparsamer im Verbrauch geworden. Aber zum klimafreundlichen Image, das sich die Hersteller nun zulegen wollen, passen die Wagen nicht so ganz.

SUVS füllen die Kasse, beschädigen aber das grüne Image

Auch auf die Kritiker zugehen, mit ihnen sprechen - das ist der Weg, mit dem deutsche Autokonzerne Boden in der Diskussion gut machen wollen. Carlos Tavares hingegen, Chef der Opel-Mutter PSA Group, gibt sich im Roundtable-Gespräch dagegen schon distanzierter. Die Frage sei doch, wie weit sich EU-Bürger vorschreiben lassen wollen, was gut oder schlecht für sie sei. Die Leute kauften SUVs, weil sie sich darin sicherer fühlten und schlicht mehr Platz bräuchten, so Tavares. Was denn die Vision der Klimaschützer für die Mobilität sei, wirft er etwas beleidigt in die Runde.

Brexit, China, Zollstreit: Autobranche "fährt auf einen Sturm" zu

Und so hat die Branche - bei allem Pochen auf das künftige saubere Mobilitätszeitalter - nun einen weiteren Unsicherheitsfaktor fürs Geschäft. Weltweit fahre die Branche "auf einen Sturm" zu, warnt Tavares. Die Handelsstreitigkeiten nehmen zu, der Brexit bedroht das Geschäft in Europa, und in China drohe nun ein gesättigter Markt.

Nun müssen die Autobauer aber auch noch überzeugende Antworten auf die Frage finden, was sie zum Klimaschutz beitragen können und wollen. Nach mehreren Jahren des starken Wachstums zeigt die IAA nun vor allem auch eines: Hinter all den blankpolierten Fahrzeugen und trotz selbstbewusster Rhetorik macht sich doch vielfach eine Kater-Stimmung breit. Oder, wie es ein Berater formuliert: "Die Stimmung ist niedergeschlagen."

VW bittet an den eigenen Stand - und reicht vegane Häppchen

Das zeigte sich bereits an den Vorabendveranstaltungen. Denn im Vergleich zur Opulenz früherer Jahren fielen die Veranstaltungen der deutschen Autobauer Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen fast schon bescheiden aus. Noch vor Jahresfrist ging es um maximale Überwältigung der Gäste: Eigens engagierte Tanzensembles sorgten für optische Zerstreuung, während die Vorstände die - natürlich meist prächtige - eigene Situation würdigten. Üppige Buffets, Show-Effekte und eigens engagierte DJs waren Pflicht.

Diesmal waren VW und Daimler sichtlich bemüht, die Veranstaltungen bescheidener ausfallen zu lassen. Sie luden statt in angemietete Extra-Hallen an die eigenen Stände. Es geht also auch eine Nummer kleiner. Statt teurem Kobe-Rindfleisch, wie es Volkswagen noch vor wenigen Jahren gut tausend geladenen Gästen servierte, gab es diesmal als Highlight vegane Burger im Kleinformat. Häppchen statt Happen eben - auch das entspricht der aktuellen Stimmung auf der IAA.

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