Internationale Automobil-Ausstellung Autohersteller stellen IAA in Frankfurt in Frage

Bis zum 22. September findet in Frankfurt am Main die Internationale Automobil-Ausstellung statt. Eines der wichtigsten Themen ist in diesem Jahr die Frage, wie die Autoindustrie mit Elektroautos endlich ihr Klimasünder-Image loswerden kann. Im folgenden die wichtigsten Meldungen von der IAA.
Automesse IAA Frankfurt: Die Kritik der Autohersteller am Konzept der Messe wird lauter

Automesse IAA Frankfurt: Die Kritik der Autohersteller am Konzept der Messe wird lauter

Foto: Sean Gallup/ Getty Images
Fotostrecke

IAA 2019: Die spannendsten Elektroautos auf der IAA

Foto: Silas Stein/ dpa

Noch vor ihrer offiziellen Eröffnung wird die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt von wichtigen Akteuren in Frage gestellt. In Kreisen der Hersteller werde ein neues Messekonzept mit wechselnden Veranstaltungsorten wie beispielsweise Köln oder Berlin diskutiert, berichtet das "Handelsblatt" am Mittwoch. Die Unternehmen wollten künftig eher Mobilitätskonzepte präsentieren statt neue Autos in Messehallen. Erste Konzepte sollten auf einer Sitzung an diesem Donnerstag besprochen werden.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bestätigte als Veranstalter, dass man für die IAA verschiedene Optionen prüfe. "Über Entscheidungen sprechen wir dann, wenn das Konzept steht", sagte Verbandssprecher Eckehart Rotter. Die IAA steht in diesem Jahr nach zahlreichen Absagen früherer Aussteller massiv unter Druck. Ein Vertrag zur Fortsetzung der IAA in den kommenden Jahren besteht nicht, wie VDA und Messe bestätigen. Zudem haben Umweltaktivisten für das Wochenende massive Proteste angekündigt, um gegen die Klimabelastung durch die Autoindustrie zu demonstrieren.

Einige Veranstalter äußerten sich bereits während der Messe kritisch. "Es gibt keine Bestandsgarantie", erklärte etwa BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter. Opel-Chef Michael Lohscheller hatte bereits konkrete Verbesserungsvorschläge. Er will während der Messe die gezeigten Autos auch verkaufen können. Auf Dauer werde es nicht reichen, Neuwagen zu zeigen und mit Journalisten zu reden.

"Die IAA muss sich wie jede andere Messe weiterentwickeln. Die aktuelle Veranstaltung zeigt, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet", erklärte ein Sprecher der Frankfurter Messe. Die von der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen getragene Gesellschaft verweist auf den gelernten Termin, enge Terminkalender an anderen Standorten und auf die eigene hohe Autokompetenz, mit der man den VDA unterstützen könne. "Wir sehen einen Standortwechsel nicht als die richtige Antwort auf inhaltliche Veränderungswünsche."

Volkswagen will Autofahrern "Angst vor E-Mobilität nehmen"

Die Finanztochter von Volkswagen will potenzielle Fahrer von Elektroautos stärker ansprechen, um Vorbehalte gegenüber der Technologie abzubauen. "Wir wollen den Privatkunden ein Stück Angst vor der Elektromobilität nehmen", sagte Leasing-Chef Jens Legenbauer am Dienstag.

Dem Manager zufolge setzt der VW-Konzern bereits 80 Prozent seiner Elektrofahrzeuge über die Finanzsparte Volkswagen Financial Services ab. Autobanken dienen den Herstellern vor allem als Vertriebskanal zu Kunden, die nicht gleich einen Wagen kaufen, sondern über einen Kredit finanzieren, leasen oder auch versichern lassen wollen. Eine Hoffnung der Unternehmen mit Blick auf die Elektromobilität ist, dass Batterie- oder Hybridfahrzeuge so zunächst ausprobiert werden können.

Volkswagen glaubt bei Autofahrer Vorbehalte und "Angst vor Elektromobiltität" ausgemacht zu haben.

Volkswagen glaubt bei Autofahrer Vorbehalte und "Angst vor Elektromobiltität" ausgemacht zu haben.

Foto: Edith Geuppert/ DPA

Die "Kontaktfrequenz" mit den Kunden solle steigen - über den Autohandel und online sowie über weitere E-Commerce-Plattformen. Im Flottengeschäft - etwa dem Managen von Fuhrparks großer Firmen - wolle man zulegen. "Wir haben dieses Jahr noch einmal deutlich mehr Leasingverträge als im letzten Jahr." Ziel sei es, weltweit größter Flottenanbieter zu werden. In Europa sei der Marktanteil bereits hoch. Die Internet-Gebrauchtwagenplattform Heycar liefere ebenfalls wichtige Beiträge: In Deutschland habe man "erheblich an Volumen gewonnen".

Keine Überlegungen gebe es dazu, die Betankung von Verbrennerautos in das Angebot aufzunehmen - anders als bei Elektrofahrzeugen. "Wir hatten das Thema Strom, der integriert wird", sagte Legenbauer. "Das Thema Benzin/Diesel ist aktuell nicht geplant."

Schaeffler betrachtet Krise auch als Chance für die Autoindustrie

Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld erachtet den Umbruch in der Automobilbranche eher als große Chance denn als Risiko für die Zulieferindustrie. "Ich sehe den Wandel als große Chance, wenn man es jetzt richtig macht und das Unternehmen für die nächsten Jahre ausrichtet", sagte Rosenfeld am Rande der internationalen Automesse IAA in Frankfurt.

Schaeffler-Chef Rosenfeld: "Ich sehe den Wandel als große Chance, wenn man es jetzt richtig macht und das Unternehmen für die nächsten Jahre ausrichtet"

Schaeffler-Chef Rosenfeld: "Ich sehe den Wandel als große Chance, wenn man es jetzt richtig macht und das Unternehmen für die nächsten Jahre ausrichtet"

Foto: picture alliance / dpa

Aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden des Auto- und Industriezulieferers aus dem fränkischen Herzogenaurach wird es die Zulieferbranche trotz der derzeitigen Branchenkrise auch im Jahr 2030 noch geben. "Die Zulieferindustrie ist eine sehr vitale Industrie, wenn wir uns auf unsere Kernkompetenzen fokussieren", gab sich Rosenfeld zuversichtlich.


Im Video: Die IAA zwischen Elektromobilität und Klimawandel

Reuters

Gleichwohl stünden die Zulieferer in Anbetracht der Elektromobilität vor großen Herausforderungen. Mit Blick auf die Jobs dürfe man sich nichts vormachen. "Der Elektroantrieb braucht weniger Teile. Insofern ändert sich auch die Wertschöpfung", befand Rosenfeld. Auf den damit einhergehenden Wandel müssten sich die Zulieferer einstellen. "Das heißt aber nicht, dass von heute auf morgen tausende Arbeitsplätze nicht mehr da sind. Denn so ein Wandel kommt nicht über Nacht." Dennoch sei klar, dass da etwas auf die Unternehmen zukomme, mit dem sie sich proaktiv beschäftigen müssten.

Schaeffler (Kurswerte anzeigen) leidet wie viele andere Zulieferer unter der mauen Autokonjunktur und ist noch vergleichsweise stark vom klassischen Verbrenner abhängig. Der Schwenk hin zur Elektromobilität ist daher groß. Das Unternehmen komme aus einer Welt, in der es jahrelang einer der führenden Zulieferer für den Verbrennungsmotor war, sagte Rosenfeld. "Wir haben uns nicht defensiv auf die Elektromobilität zubewegt, sondern eher aggressiv. Wir sind da gut positioniert."

Porsche 911 kommt auch wieder als Carrera 4

Volkswagen liefert im August weniger Autos aus

Fotostrecke

Automesse: Futuristische Sportwagen - die Neuvorstellungen auf der IAA

Foto: Getty Images

Die Volkswagen-Kernmarke VW Pkw hat im August unter den schwächeren Verkäufen in Europa und China gelitten. Weltweit lieferte VW mit 493.800 Autos 3,8 Prozent weniger aus als im Vorjahresmonat, wie die Wolfsburger am Mittwoch mitteilten. Insbesondere in Europa fiel das Minus mit knapp 10 Prozent deutlich aus. VW-Markenvertriebschef Jürgen Stackmann führte das auf den Rekordverkaufsmonat im Vorjahr zurück, als VW wegen des anstehenden neuen Abgas- und Verbrauchstestverfahrens WLTP Fahrzeuge mit älteren Prüfverfahren mit hohen Rabatten abverkaufte.

Im wichtigsten Einzelmarkt China wurde VW 1,6 Prozent weniger Fahrzeuge los. China hat bei der Marke VW einen Anteil von rund der Hälfte am Verkauf. Seit geraumer Zeit schwächelt der Markt wegen der Zurückhaltung der chinesischen Kunden infolge des Zollstreits mit Washington. In den USA lief es dagegen mit einem Plus von fast 10 Prozent wie bereits bekannt deutlich besser.

Insgesamt habe Volkswagen  in einem rückläufigen Gesamtmarkt in vielen Regionen Marktanteile ausbauen können, sagte Stackmann. In den ersten acht Monaten steht für VW im bisherigen Jahresverlauf ein Auslieferungsrückgang von 3,8 Prozent auf 3,98 Millionen Fahrzeuge zu Buche.

Porsche 911 kommt auch wieder als Carrera 4

Porsche treibt den Ausbau seiner 911-Familie voran und verkauft nun auch das Basismodell des Sportwagens wieder mit Allradantrieb. Der Carrera 4 feiert seine Premiere auf der IAA und kommt noch in diesem Herbst in den Handel, teilte der Hersteller mit. Die Preise für das Coupé beginnen demnach bei 112.509 Euro, das Cabrio startet bei 126.789 Euro.

Porsche Carrera 4: Als Cabrio ist der neue Porsche ab 126.789 Euro zu haben

Porsche Carrera 4: Als Cabrio ist der neue Porsche ab 126.789 Euro zu haben

Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

Wie der kürzlich vorgestellte 911 Carrera nutzt auch der Allradler einen drei Liter großen Sechszylinder-Boxer-Motor, der 283 kW/385 PS leistet. Kombiniert mit einer achtstufigen Doppelkupplung leitet er seine Kraft allerdings nicht nur an die Hinterachse weiter, sondern bei Bedarf und mit variabler Kraftverteilung auch an alle vier Räder.

Der Carrera 4 beschleunigt mit einem maximalen Drehmoment von 450 Nm im besten Fall binnen 4,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht ein Spitzentempo von 289 km/h (Cabrio) oder 291 km/h (Coupé). Den Normverbrauch gibt Porsche  mit mindestens 9,2 Litern und den CO2-Ausstoß mit 210 g/km an.

Autofahren ist deutlich teurer geworden

Ford: "Wir ziehen uns nicht aus Europa zurück"

Ford will anders als sein großer US-Rivale General Motors  am Geschäft in Europa festhalten. "Wir haben keine Pläne, Europa zu verlassen", sagte Europa-Chef Stuart Rowley am Rande der Automesse IAA in Frankfurt. "Wir sind seit mehr als 100 Jahren hier und wollen noch viele Jahre bleiben." General Motors hatte dagegen seine Tochter Opel an den französischen Peugeot- und Citroen-Hersteller PSA Peugeot Citroën  abgetreten und sich auf den Heimatmarkt konzentriert.

Ford  hatte Ende Juni den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen in Europa - rund jeder fünften Stelle - angekündigt. Fünf Werke - drei in Russland und jeweils eins in Frankreich und Großbritannien - werden geschlossen. Eine Getriebefabrik in der Slowakei wird verkauft. Ford soll danach zum Ende des Jahres 2020 noch 18 Produktionsstandorte in Europa haben. Die Europa-Zentrale des Autobauers befindet sich in Köln.

Ford rechnet damit, dass zum Jahr 2022 rund die Hälfte seiner in Europa verkauften Fahrzeuge Hybrid- oder Elektro-Antriebe haben werde, sagte Rowley. Wie hoch dabei der Anteil reiner Stromer sein könnte, lässt Ford offen. Die Einführung von Ford-Robo-Taxis in Europa sei eher auf lange Sicht zu erwarten. "In nächster Zeit wird das persönliche Fahrzeug weiter unser Hauptgeschäft sein - und es wird uns auch erhalten bleiben." Der Konzern testet selbstfahrende Autos aktuell unter anderem in Miami und der US-Hauptstadt Washington. Ford ging bei der Roboterwagen-Technologie zudem eine globale Allianz mit Volkswagen ein.

Autofahren ist deutlich teurer geworden

Autofahren hat sich in den vergangenen zwei Jahren stärker verteuert als andere Waren und Dienstleistungen. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes waren dafür vor allem die höheren Treibstoffkosten verantwortlich. Seit der vorangegangenen Internationalen Automobilausstellung (IAA) im Jahr 2017 haben die Preise rund ums Auto um 4,6 Prozent angezogen, wie die Behörde am Mittwoch zur bevorstehenden Eröffnung der diesjährigen IAA mitteilte. Die allgemeinen Verbraucherpreise sind in dieser Zeitspanne nur um 3,4 Prozent gestiegen.


Lesen Sie auch:

Vegane Häppchen statt Kobe-Rind - nicht nur VW denkt auf der IAA um


Superbenzin ist aktuell 8,5 Prozent teurer als im September 2017, beim Diesel beträgt der Aufschlag sogar 10,5 Prozent. Neuwagen kosten 4,1 Prozent mehr und Gebrauchtwagen 2,0 Prozent, wie die Preisermittler anhand von Musterfällen festgestellt haben. Bei anderen Verkehrsträgern kamen die Kunden etwas besser weg als beim Auto. So wurden Bahntickets in der Zeit 3,8 Prozent teurer und im ÖPNV waren 3,2 Prozent mehr fällig. Am geringsten waren die Preissteigerungen mit 0,6 Prozent bei klassischen Fahrrädern ohne Motor.

mg/rei mit Nachrichtenagenturen
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.