24 Millionen Dollar Dieser Mann erhält die höchste Whistleblower-Prämie der Autobranche

Der Ingenieur Kim Gwang-ho stand 26 Jahre lang in Diensten des südkoreanischen Hyundai-Konzerns. Dann wies er die US-Behörden auf Sicherheitsmängel hin. Und kassiert nun die Belohnung.
Pantoffelheld: Der Ex-Hyundai-Mitarbeiter Kim Gwang-ho in seinem Wohnzimmer in Südkorea

Pantoffelheld: Der Ex-Hyundai-Mitarbeiter Kim Gwang-ho in seinem Wohnzimmer in Südkorea

Foto: HEO RAN / REUTERS

Der Südkoreaner Kim Gwang-ho (59) erhält von den US-Behörden die höchste Whistleblower-Prämie, die jemals in der Autoindustrie gezahlt wurde. Der Ingenieur, der 26 Jahre lang in Diensten des Autoherstellers Hyundai stand, hatte die Aufsichtsbehörden bereits 2016 darauf hingewiesen, dass der Konzern offenbar zu wenig gegen einen Motorfehler tue, der zu Unfällen würden könnte. Es folgte für ihn eine fünfjährige Tortur. Doch nun zahlt ihm die US-amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) mehr als 24 Millionen Dollar.

Der Betrag sei "nicht unglaublich oder so etwas", erklärte Kim, als er im Wohnzimmer seines Hauses in der Stadt Yongin, südlich der Hauptstadt Seoul, mit der Nachrichtenagentur Reuters sprach. "Es ist der richtige Betrag, wenn man bedenkt, was ich opfern musste und wie viel ich dafür arbeiten musste", so Kim, der zuletzt im Qualitätsstrategie-Team des Konzerns gearbeitet hatte. Durch seine Aktion habe er seinen Job und die Beziehungen zu langjährigen Kollegen abgebrochen.

Mit dem Geld will er nun eine Stiftung zur Förderung einer verantwortungsvollen Firmenkultur gründen. "Die Entschädigung, die ich mir von dem Whistleblower-Programm in den USA erhofft habe, war größer als das Opfer, das ich in Südkorea bringen musste", sagte er. Mit einem YouTube-Kanal will er künftig Menschen beibringen, wie sie das schlechte Verhalten ihrer Arbeitgeber aufdecken können. Er selbst hatte von dem Belohnungsprogramm in den USA einst durch eine Schulung bei Hyundai erfahren – und sich daraufhin im Sommer 2016 bei den Behörden gemeldet.

Kim berief sich bei seinen Vorwürfen auf einen internen Bericht des Strategieteams an das Management. Die 2017 eingeleitete Untersuchung der US-Aufseher führte dazu, dass Hyundai und die Tochtergesellschaft Kia, die zu den zehn umsatzstärksten Automobilherstellern der Welt gehören, im vergangenen Jahr eine Rekord-Zivilstrafe und insgesamt bis zu 210 Millionen Dollar zahlen mussten. Die Unternehmen hätten es versäumt, insgesamt mehr als 1,6 Millionen Fahrzeuge rechtzeitig zurückzurufen.

Laut der Anwaltskanzlei Constantine Cannon, die Kim vertritt, war Kims Belohnung die erste der NHTSA und die größte in einem Whistleblower-Fall in der Automobilbranche weltweit. Erst Ende Oktober hatte ein spektakulärer Fall aus der Finanzwelt für Schlagzeilen gesorgt: Dort zahlte die US-Aufsichtsbehörde CFTC einem Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank eine Rekordbelohnung von fast 200 Millionen Dollar für die Aufdeckung eines Skandals um manipulierte Zinssätze.

In der Automobilbranche bereiten US-Behörden gerade neue Regelungen für ein Programm für Whistleblower vor. Es zielt darauf ab, die Polizeiarbeit zu unterstützen, indem Informationen über Sicherheitsverstöße belohnt werden. Erfolgreiche Whistleblower erhalten einen Anteil von 10 bis 30 Prozent der eingezogenen Geldbußen oder Strafen. Der für Kim vorgesehene Betrag von mehr als 24 Millionen Dollar entspricht 30 Prozent einer von Hyundai und Kia entrichteten ersten Strafzahlung in Höhe von 81 Millionen Dollar. Hyundai äußerte sich nicht zu dem Fall.

"Ich war erleichtert, als ich hörte, dass die Sache endlich zu Ende ist", sagte Kim – und fügte hinzu, dass er und seine Anwaltskanzlei nun prüfen würden, ob er noch mehr erhalten könnte.

lhy/Reuters
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