Samstag, 7. Dezember 2019

Dubiose Exporte der Hyundai-Konzerntochter Kia nach Norwegen Mit diesem Phantomauto hebelt Hyundai die Abgas-Grenzwerte der EU aus

Studie zu CO2-Flottenzielen: Diese Autohersteller haben die größten Abgasprobleme
DPA

3. Teil: Droht Hyundai ein Elektrogate?

In diesem Jahr werden die EU-weit verkauften Hyundai-Kia-Neuwagen durchschnittlich 130,1 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft blasen, prognostiziert PA Consulting. Der von der EU für den Autohersteller vorgegebene Höchstwert für die gesamte Neuwagenflotte der Koreaner liegt bei 131 Gramm. So knapp an der Grenze bewegt sich kein anderer großer Autohersteller.

Wer die Vorgaben verfehlt, muss eine Strafe zahlen. Ein Gramm kann laut Transport & Environment im schlimmsten Fall mit 70 Millionen Euro Strafe zu Buche schlagen.

Davon bleibt Hyundai-Kia zunächst wohl verschont - dank der Norwegen-Mauschelei, aber auch, weil die EU-Behörden großzügig sind. Hersteller müssen die schmutzigsten Autos bisher noch nicht in die Kalkulation einbeziehen.

Hyundais Image leidet unter Abgas-Problemen

Doch gut fürs Image ist ein solcher Ritt am Grenzwert-Abgrund für Hyundai und Kia nicht. Auch deshalb machen sich die deutschen Scheinzulassungen bezahlt.

Zwar bleibt beim Weiterverkauf der Soul EVs als junge Gebrauchtwagen in Norwegen deutlich weniger Gewinn übrig als beim klassischen Neuwagengeschäft. Die damit verbundenen Einbußen nimmt Hyundai-Kia aber zugunsten einer besseren Klima-Bilanz in Kauf.

"Eine solche Trickserei ist dem Image von Kia sicher nicht zuträglich. Das hat ein Geschmäckle," sagt CAR-Experte Dudenhöffer. Er fühlt sich an Dieselgate erinnert - die Motor-Manipulationen von Volkswagen. Auch sie dienten zum Teil dazu, den CO2-Ausstoß auf dem Papier zu drücken.

"Die Autoindustrie manipuliert systematisch weiter"

"Die Autoindustrie manipuliert systematisch weiter", erregt sich Abgasexperte Greg Archer von Transport & Environment über Hyundais Trick. Während Politiker auf dem Pariser Klimagipfel die Erderwärmung in den Griff bekommen wollen, "scheinen die Autohersteller unfähig, verantwortungsvoll zu handeln. Stattdessen tricksen sie die Gesetze aus".

Tatsächlich droht Hyundai offenbar eher kein Elektrogate. Der Norwegen-Trick ist legal, wie ein KBA-Sprecher gegenüber mm.de bestätigt. Jedes in Europa zugelassene Fahrzeug werde "von demjenigen Mitgliedstaat, in welchem die Neuzulassung erfolgte, für das CO2-Monitoringverfahren erfasst und der EU-Kommission gemeldet". Dabei spiele die "weitere Verwendung bzw. der weitere Verbleib des Fahrzeuges ebenso wie der Halter des Fahrzeuges (Händler oder nicht) keine Rolle".

Freie Bahn also für Kia - solange es der Hersteller nicht übertreibt: "Problematisch wäre es erst dann, wenn man für ein Fahrzeug zweimal eine Förderung einstreicht", sagt Autoexperte Peter Mock vom International Council on Clean Transportation (ICCT), der den VW-Abgasskandal aufdeckte.

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