Freitag, 6. Dezember 2019

Dubiose Exporte der Hyundai-Konzerntochter Kia nach Norwegen Mit diesem Phantomauto hebelt Hyundai die Abgas-Grenzwerte der EU aus

Studie zu CO2-Flottenzielen: Diese Autohersteller haben die größten Abgasprobleme
DPA

2. Teil: Plötzlich umweltfreundlich - wie die Trickserei Kia sauber macht

Elektroauto-Europakarte: In einigen Ländern sind Stromer schon stark gefragt (zum Vergrößern bitte klicken)
In Norwegen ist die Nachfrage nach Elektroautos hoch, weil der Staat Käufern zahlreiche indirekte Steuern erlässt. Zudem dürfen die Wagen auf Busspuren fahren und kostenlos parken. Was läge also näher, als die Wagen aus Deutschland nach Norwegen zu verschiffen und dort als junge Gebrauchte auf den Markt zu werfen?

Eine Kia-Sprecherin bestätigt gegenüber mm.de, dass der Kia Soul EV in Deutschland schwer verkäuflich ist. Der Markt entwickle sich "aus diversen Gründen noch nicht so, wie vorausgesagt. Gleichzeitig gibt es jedoch andere Märkte, wie zum Beispiel Norwegen, wo die Nachfrage deutlich gestiegen ist". Die deutschen Kia-Händler "helfen anderen Märkten, der starken Nachfrage nachzukommen", so die Kia-Sprecherin.

Klingt großherzig, hat aber einen knallharten Vorteil für Kia und Hyundai Börsen-Chart zeigen . Da die im Nicht-EU-Land Norwegen nachgefragten Autos zunächst in Deutschland zugelassen werden, zählen sie als EU-Autos und machen die Flotte von Hyundai/Kia sauberer - allerdings nur auf dem Papier.

Der Effekt ist für die CO2-Bilanz durchaus spürbar

Zwar geht es bei diesen Tricksereien nur um eine vierstellige Zahl von Elektroautos. Der Effekt ist dennoch deutlich spürbar, wie sich in einer aktuellen Auswertung des KBA nachlesen lässt.

Demnach hat Kia im Oktober in Deutschland Autos mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 112 Gramm pro Kilometer registrieren lassen. Den niedrigen Wert verdankt die Marke auch dem wundersamen Elektroauto-Boom mit 1000 Soul EV-Neuzulassungen in dem Monat. Im September lag Kia noch bei durchschnittlich 128 Gramm CO2. Damals wurden "nur" etwa 350 Kia Soul EV zugelassen.

Auf das Gesamtjahr gerechnet hat Kia den durchschnittlichen CO2-Wert seiner verkauften Autos auf immerhin 134 Gramm gedrückt - nach 142 im Vorjahr. Maßgeblicher Faktor: Der Norwegen-Trick.

Abgaswerte liegen nur knapp unter dem Grenzwert

So kann Kia auch den so wichtigen europaweiten CO2-Flottenausstoß des Gesamtkonzerns Hyundai-Kia senken. Laut Berechnungen der Organisation Transport & Environment für mm.de reicht der vorgebliche Verkauf von 4000 Kia Soul EV innerhalb der EU, um den Flottenausstoß des Autohersteller-Verbundes europaweit um ein Gramm zu senken. Dazu tragen auch so genannte Supercredits bei, die das Gewicht von Elektroautos in der Gesamtrechnung erhöhen.

Das scheint auf den ersten Blick wenig, doch Hyundai-Kia muss tatsächlich um jedes Gramm CO2 kämpfen. Denn aktuell liegen die durchschnittlichen CO2-Werte seiner Neuwagen haarscharf an den gesetzlichen Grenzwerten, wie die Unternehmensberatung PA Consulting ermittelt hat.

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